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Das Digipigi verspricht zu viel

Die Banken zielen auf Minderjährige. Und lehren sie lügen.

Hat das klassische Sparschwein bald ausgedient?
Hat das klassische Sparschwein bald ausgedient?
Daniel Ochoa De Olza, Keystone

Die Credit Suisse elektronisiert das Sparschweinchen. Es heisst jetzt Digipigi und ist mit dem Internet verbunden. Die CS macht also auf mild innovative Art, was Banken und andere schon lange tun: Sie binden Kinder an sich. Dereinst sollen sie als Erwachsene aus Nostalgie zu deren Produkten greifen. Früher machte das die damalige Kredit­anstalt mit den legendären Skimützen. Heute zielen CS, UBS, Migros, Coop, H & M und die übrigen legalen Dealer dieser Welt mit digi­talisierten Einstiegsdrogen auf unsere Kinder.

Das ist kein Problem. Es gehört zur Logik der Marktwirtschaft. Schlimm ist aber, wenn CS-Marketingchef Tarkan Özküp daherplappert, die CS übernehme «gesellschaftliche Verantwortung», indem sie Eltern helfe, die «Finanzkompetenz» ihres Nachwuchses zu fördern. Wie bitte? Mit einem Digipigi-Sparzins von fünf Prozent? Wenn doch heute Spareinlagen sonst keinen Rappen Ertrag abwerfen? So lernen Kinder von der CS nicht sparen, sondern lügen: Dieser Zins wird in der Bankbuchhaltung nicht als Zins abgebucht, sondern als Marketingausgabe.

Die CS findet auch, Eltern sollten ihre Kinder zur Mithilfe im Haushalt durch Digipigi-Einzahlungen animieren.

Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner wird seinen 2008 geborenen Sohn nicht mit solchen Zins-Ammenmärchen abspeisen. Er weiss es schliesslich besser.

Schlimmer noch: Die CS findet auch, Eltern sollten ihre Kinder zur Mithilfe im Haushalt durch Digipigi-Einzahlungen animieren. Das mag einleuchtend klingen in den Ohren eines bonusgierigen Bankers. Alle anderen fragen sich, wohin es führt, wenn Eltern ihre Kinder für Selbstverständliches routinemässig entlöhnen.

Gern sollen so viele Kinder wie möglich auf ihren Spareinlagen fünf Prozent von der CS absahnen. Ihre Seelen aber, die dürfen sie dafür um Himmels willen nicht hergeben.

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