Das falsche Selbstbild von Postauto

Der Subventionsbetrug hat mit dem Selbstverständnis des Unternehmens zu tun.

Teil der kulturellen Identität der Schweiz: ein Postauto unterwegs im winterlichen Tösstal. Bild: Beat Marti

Teil der kulturellen Identität der Schweiz: ein Postauto unterwegs im winterlichen Tösstal. Bild: Beat Marti

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Postauto ist ein Staatsunternehmen – ein sympathisches Staatsunternehmen. Jedes Kind kennt den Dreiklang der gelben Busse. Er gehört mit zur kulturellen Identität der Schweiz. Dass dieses Unternehmen nun mit Buchungstricks während Jahren unrechtmässig Subventionen erschlichen hat, erschreckt. Die Gründe, dass es so weit kommen konnte, sind im Selbstverständnis des Unternehmens zu suchen.

Postauto gehört zu 100 Prozent der Post, die ihrerseits zu 100 Prozent dem Bund gehört. Dennoch versteht sich das Unternehmen nicht als reines Staatsunternehmen. Es ist auch in Bereichen tätig, die vom Bund nicht subventioniert werden. Ein Beispiel sind die Touristenausflüge per Postauto. Mit solchen Aktivitäten kann Postauto Gewinne erzielen, was ihr per Gesetz in den subventionierten Bereichen kaum erlaubt ist.

«In der Privatwirtschaft ist Gewinnstreben auch nützlich.»

Mit Gewinnen lassen sich Investitionen in neue Geschäftsbereiche tätigen. Es lässt sich bei den Vorgesetzten im Konzern punkten. Und es lassen sich die eigenen Boni, die auch an das Bereichsergebnis gekoppelt sind, aufbessern. Jeder Manager hat allen Anreiz, Gewinne zu machen. In der Privatwirtschaft ist Gewinnstreben auch nützlich. Es führt dazu, dass Manager und Aktionäre eines Unternehmens dieselben Ziele verfolgen. Der Manager steigert den Wert des Unternehmens, was den Aktionären zugutekommt.

Absurd wird dieses Gewinnstreben aber, wenn es wie bei Postauto auf Kosten des Eigentümers geschieht. Indem das Unternehmen überhöhte Subventionen erschlich, konnte es die eigenen Finanzen zwar aufbessern, schadete aber gleichzeitig ganz direkt seinem einzigen Aktionär, dem Bund.

Hier hätte ein anderes Selbstverständnis an den Tag treten müssen. Ein Selbstverständnis als Dienstleister der Öffentlichkeit, der mit den gewährten Mitteln haushälterisch umgeht und versucht, die Subventionslast zu reduzieren. Denn Gewinnmaximierung macht erst Sinn, wenn die erhaltenen Subventionen minimiert wurden.

Erstellt: 06.02.2018, 21:26 Uhr

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