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Das Pillen-Geschäft der Novartis hat keine Zukunft

Der Jobabbau hat System: Die Zeit der Massenprodukte ist vorbei, die Branche setzt auf Sparten mit grösseren Margen.

Christoph Hirter und Patrick Griesser
Die Technologie wandelt sich: Blick auf die Gebäude und die Produktionshallen der Novartis in Basel. Foto: Erich Meyer (Euroluftbild)
Die Technologie wandelt sich: Blick auf die Gebäude und die Produktionshallen der Novartis in Basel. Foto: Erich Meyer (Euroluftbild)

Der Abbau bei Novartis von über 2000 Stellen in der Schweiz steht für Experten als Teil eines Wandels in der Branche. Global agierende Konzerne wie Novartis und Roche verabschieden sich mehr und mehr aus dem traditionellen Geschäft mit Tabletten und Kapseln; sie setzen auf personalisierte Medizin. Laut Michael Nawrath, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, ist die Zeit der Massenproduktion in der pharmazeutischen Industrie vorbei: «Die personalisierte Medizin löst die One-size-fits-all-Pillen ab.»

Für die etablierten Pharmakonzerne ist diese Entwicklung eine Herausforderung. Denn die Arzneimittel, die präziser auf die Leiden der Patienten zugeschnitten sind, können genauso effizient von kleinen Unternehmen verkauft und vertrieben werden. «Wenn die Produkte bahnbrechend sind, dann werden sie nachgefragt, egal, welcher Brand dahintersteckt», sagt Nawrath. Entsprechend steigt der Druck auf die Grossen. Novartis konzentriert sich unter der Führung von Vas Narasimhan auf das Pharmageschäft, insbesondere auf die personalisierte Medizin.

Grosse Herausforderung

Der erst im Februar angetretene Chef hat dem einstigen Gemischtwarenladen Novartis erst vor kurzem den Rückzug aus dem Geschäft mit den frei verkäuflichen Medikamenten verordnet. Dazu leitete er den Börsengang der Augenheilsparte ein. Er will das Unternehmen fokussieren, wie dies Konkurrentin Roche bereits Jahre zuvor vorgenommen hat.

Video – Der Novartis-Chef zum Jobabbau

Der Schritt sei Teil eines Programms, um Novartis effizienter und agiler zu machen, sagt Vasant Narasimhan. Video: Tamedia

Gemäss Nawrath hätte es bei Novartis nicht zu einer Massenentlassung kommen müssen. Die Neuausrichtung hätte über die Jahre in kleinen Schritten erfolgen können. Doch die Massnahme sei insgesamt wohl nötig, sagt Nawrath, weil die Margen bei Novartis im Vergleich mit der Konkurrenz tief seien.

In der Branche zeichnet sich ab, dass der Fortschritt in der Pharmazie Folgen für die Produktion hat: «Weltweit kommen neue Technologien auf den Markt, gerade im Bereich der Krebsmedizin», sagt Thomas Gees, Pharmaexperte von EY.

Die Wachstumschancen für die Konzerne liegen laut einer im Juli veröffentlichten EY-Studie vor allem bei Blockbuster-Medikamenten und Therapien gegen Krebs, während die Margen im breiten Geschäft gesunken sind. 2017 verdienten die Pharmaunternehmen mit dem Kampf gegen Krebs fast jeden dritten Franken, heisst es in der Studie. 40 Prozent der Wirkstoffe in der weltweiten Entwicklung stammen aus der Onkologie.

Attraktivere Margen

Diese Entwicklung bedeutet laut Gees, dass es immer weniger zu Standardverabreichungen in Form von Tabletten oder Kapseln komme. Häufig seien die neuen Wirkstoffe – in der Regel seien das Antikörper – nicht magengängig, also werden auf dem Weg durch den Magen unwirksam, weshalb sie per Infusion oder vorbereiteten Spritzen verabreicht würden. Viele Unternehmen hielten noch zu viel Kapazität in der Produktion und Verpackung für die «small moleculs» vor, also die kleineren, chemisch hergestellten Moleküle, die über Jahre das Geschäft der grossen Unternehmen waren und häufig oral verabreicht würden.

Weltweit sei ein Trend zu beobachten, wonach Produktionsstätten verkauft würden. Roche habe diesen Schritt mit Werken in Irland, den USA, Italien und Spanien vollzogen. Mit Johnson & Johnson bündle ein weiterer Konzern die Aktivitäten oder setzte auf die Auftragsproduktion in Ländern mit tiefen Löhnen. In der personalisierten Therapie sind die Margen deutlich ­attraktiver. Die Firmen haben zudem erkannt, dass bei den Bio­similars, den biologisch hergestellten Nachahmerprodukten beispielsweise eines Antikörpers, die Hürde für die Konkurrenz allein schon bei dessen Produktion deutlich höher liege, sodass sich der Markteintritt von gewissen Konkurrenzprodukten verzögere, wie Thomas Gees erklärt.

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