Das grosse Geschäft mit den kleinen Portionen

Weil weniger gekocht wird, setzen die Detailhändler auf Miniportionen. Doch diese sind oft teurer – und haben einen weiteren Haken.

Die Detailhändler in der Schweiz verdienen im sogenannten Convenience-Geschäft gutes Geld. (Foto: Keystone/Christian Beutler)

Die Detailhändler in der Schweiz verdienen im sogenannten Convenience-Geschäft gutes Geld. (Foto: Keystone/Christian Beutler)

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Snack-Gurken in der Plastiktüte, Cherrytomaten im Becher, dazu aufgerollte Käseplättchen und für Fleischesser eine kleine Portion vorgeschnittene Salami: So könnte ein Mittagessen an einem warmen Sommertag aussehen. Das Praktische daran ist, dass es dank der kleinen Portionen keine Resten gibt, die man wieder ins Büro nehmen muss. Die Detailhändler in der Schweiz befeuern diesen Trend. Denn im sogenannten Convenience-Geschäft lässt sich gutes Geld verdienen.

Damit sind auch Miniportionen auf dem Vormarsch. Und diese sind oft einiges teurer als die grösseren Packungen. Und hinterlassen im Verhältnis meist mehr Abfall. Besonders deutlich sieht man dies in eigens dafür eingerichteten Shop-Konzepten. Dort sind besonders für den Frischeverzehr abgepackte Lebensmittel das Geschäftsmodell.

Migros und Coop steigern seit Jahren ihren Umsatz mit den Convenience-Produkten. Neue Läden, die speziell ausgerichtet auf To-go-Artikel sind, wurden lanciert und werden in urbanen Zentren zuhauf eröffnet.

Und auch in herkömmlichen Verkaufsstellen werden die Produkte prominent platziert. Eine Migros-Sprecherin sagt, dass sich der Bereich Sofortkonsum im gesamten Markt in den letzten zehn Jahren verdoppelt habe. Entsprechend hätten sich auch die Verkaufszahlen der Migros nach oben entwickelt.

Mehr Einpersonenhaushalte

Neben dem schnellen Snack über den Mittag gibt es noch einen anderen Grund, warum die Detailhändler auf kleinere Portionen setzen. Denn in der Schweiz gibt es mehr kleinere Haushalte.

Rund 16 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz wohnen alleine. Der Anteil ist bis in die 2000er-Jahre stetig gestiegen, 1930 waren es noch 2 Prozent. Die Zahlen zeigen eine grundlegende gesellschaftliche Veränderung. Nur noch rund 55 Prozent der Schweizer Bevölkerung wohnt in Haushalten, in denen drei oder mehr Personen zusammenleben. Grosspackungen von verderblichen Lebensmitteln sind damit weniger gefragt als auch schon.

Aldi will in die Städte

Auch Discounter wie Aldi und Lidl setzen vermehrt auf die Miniportionen. Aldi werde sein Angebot in diesem Gebiet in der nächsten Zeit noch ausbauen, sagt ein Sprecher. Das hat auch damit zu tun, dass Aldi in der Schweiz in die Innenstädte drängt.

Im Dezember hat Aldi im Stadtzentrum und in der Nähe des Bahnhofs von Freiburg eine Filiale eröffnet. «Die Filiale ist mit einem ausgebauten Frische- und Convenience-Bereich auf die Freiburger Laufkundschaft ausgerichtet», sagt der Sprecher. In diesem Jahr sollen zudem noch zwei neue Filialen in der Stadt Zürich und eine in St. Gallen dazukommen. Zudem versucht es Aldi mit einem Miniladen am Bahnhof Lausanne.

Lieber frisch statt aufgewärmt

Offenbar hat der Trend auch Grenzen. So sind Migros-Kunden wählerisch geworden. Ein Klassiker unter den Convenience-Essen hat es schwer: Bei aufwärmbaren Menüs stelle man über die letzten drei Jahren eine geringere Nachfrage fest, sagt eine Sprecherin. Dies laut der Migros aufgrund des zunehmenden Angebots an Ausserhaus-Konsummöglichkeiten.

Auch wenn der Convenience-Markt und damit auch das Geschäft mit kleineren Packungen wächst in der Schweiz, sind wir noch weit entfernt von Entwicklungen wie in anderen Ländern. Wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, gibt es in manchen asiatischen Ländern einen Trend hin zu Wohnungen ohne Küchen.

Denn das Kochen ist nicht mehr vorgesehen. Lieber wird auswärts oder unterwegs gegessen. Etwas, was in der Schweiz laut einem Experten des Mieterverbands nicht bekannt ist. Im Gegenteil: Auch Appartements, die auf vorübergehend anwesende Expats zugeschnitten sind, verfügten meistens über eine Kochnische.

Erstellt: 17.07.2019, 12:12 Uhr

Über 80 Prozent der Bio-Produkte sind in Plastik verpackt

Biologische Produkte gibt es in der Schweiz fast nur in einer Plastikverpackung zu kaufen. Ein Test der Stiftung Konsumentenschutz ergab, dass 83 Prozent der Bio-Gemüse in Plastikfolien eingehüllt sind. Besser sieht es ausgerechnet bei konventionellen Produkten aus. Der Konsumentenschutz prüfte in zehn Läden in Basel und Bern die Verpackungen von insgesamt 221 Gurken, Tomaten, Karotten, Peperoni und Äpfel, wie er am Mittwoch mitteilte.

Dabei kam heraus, dass insgesamt 54 Prozent der angebotenen Produkte in Plastik eingehüllt waren. Was für umweltbewusste Konsumentinnen und Konsumenten besonders ärgerlich ist: Bei konventionell angebautem Obst und Gemüse lag die Plastikquote gesamthaft bei 44 Prozent, bei den Bio-Produkten hingegen bei 84 Prozent. Migros, Lidl und Denner packten sogar alle der untersuchten Bio-Produkte in Plastik ein, bei Coop waren es 78 Prozent und bei Aldi 63 Prozent.

Bei den konventionellen Produkten hingegen lag die Quote für Plastikverpackungen lediglich bei 44 Prozent. Am wenigsten Plastik benutzte hier Coop mit 21 Prozent, gefolgt von Migros mit 47 Prozent, Lidl mit 50 Prozent und Aldi mit 60 Prozent. Alternativen zu Plastik wie zum Beispiel Netze aus Zellulose oder Kartons aus Graspapier hätten sie nicht gefunden, teilte die Stiftung Konsumentenschutz mit. Auch Mehrwegsäckchen seien nur bei Coop und Migros angeboten worden. Doch auch diese brächten wenig, wenn das Gemüse und der Obst bereits in Plastik verpackt seien.

Detailhändler verteidigen sich

Migros teilte auf Anfrage mit, man habe sich zum Ziel gesetzt, den Offenverkauf von Bio-Früchten und -Gemüsen im laufenden Jahr zu verdoppeln. Bereits heute würden zahlreiche Bio-Produkte unverpackt angeboten, wie zum Beispiel Nektarinen, Avocados, Orangen oder Mangos.

Doch der Schutz der Produkte und damit die Vermeidung von Food Waste stehe im Vordergrund. Offene Produkte würden oft angefasst, geprüft und zurückgelegt. Deshalb sei die Migros gezwungen, gewisse Artikel abzupacken.

Ausserdem müsse für den Offenverkauf eine bestimmte Umsatzschwelle erreicht werden. Wenn ein Produkt zu lange im Regal liege, bestehe die Gefahr von Food Waste. Das Unternehmen prüfe daneben auch die Verwendung von Recycling-Material: So werde bei der Mehrheit der Schalen zum Schutz von Beeren bereits heute Recycling-PET eingesetzt.

(sda)

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