Den Brauereien in Nordeuropa droht eine Bierkrise

Fehlendes Kohlenstoffdioxid (CO2) sorgt für einen Versorgungsengpass. Hersteller von kohlensäurehaltigen Getränken suchen verzweifelt nach Nachschub.

CO<sub>2</sub>-Versorgungskrise in Europa macht den Bierbrauern zu schaffen. (Archiv)

CO2-Versorgungskrise in Europa macht den Bierbrauern zu schaffen. (Archiv) Bild: Frank Rumpenhorst/Keystone

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Laue, helle Sommernächte, Mitzittern beim Fussball, dazu ein kühles Helles. Zu kaum einer Zeit wird in Europa mehr Bier verkauft als während einer Fussball-Weltmeisterschaft. Doch in Grossbritannien und Norwegen schauen Pubs und Händler derzeit besorgt in ihre Lager.

Denn in Nordeuropa ist das lebensmittelreine CO2 knapp. Die erste Brauerei hat deshalb die Produktion eingestellt.

«Wenn die Brauereien nicht am Wochenende beliefert werden, wird ihnen allen das CO2 ausgehen», warnte der Chef des norwegischen Brauereiverbands schon im dortigen Rundfunk. «Das werden wir in ein oder zwei Wochen in allen Lokalen und Geschäften spüren.»

Auch in Grossbritannien rechnet der dortige Pub- und Brauereiverband damit, dass Sorten ausgehen. Die grösste britische Pub-Kette Wetherspoon kann laut BBC schon nicht mehr alle üblichen Biere und Cider anbieten.

Trübe Aussichten für Brauereien

Wie kommt es zu dem Engpass? Das flüssige CO2 fällt als Nebenprodukt der Ammoniak-Erzeugung für Düngemittel an. Da Düngemittel vor allem zwischen August und März produziert werden, laufen viele Anlagen im Sommer nicht. In diesem Jahr haben einige Hersteller laut Fachblatt «Gasworld» wegen niedriger Preise länger zu als gewohnt.

Schlechtes Timing angesichts des guten Wetters und der Fussball-WM. Versorger Praxair musste in Norwegen Prioritäten setzen und beliefert zuerst «Kunden, die Leben, Gesundheit, Tierwohl und Sicherheit bewahren». Denn auch in Krankenhäusern wird CO2 gebraucht, die Brauereien müssen zurückstecken.

Bisher musste nur die nach eigenen Aussagen älteste norwegische Brauerei Aass vorläufig zumachen. Hier wird derzeit weder Bier noch die beliebte gelbe Limo produziert. «Es ist eine kritische Situation», sagte Direktor Christian Aass. «Glücklicherweise haben wir noch Waren auf Lager. Wir müssen jetzt sehr gut planen.»

Produktion heruntergefahren

Andere haben die Produktion heruntergefahren, entscheiden von Tag zu Tag. Auch Norwegens grösster Bierproduzent Ringnes musste Prioritäten setzen. «Bislang haben wir es aber geschafft, sowohl Softdrinks als auch Bier herzustellen», sagt ein Sprecher. An einen landesweiten Mangel glaube er deshalb nicht.

Die deutsche Radeberger-Gruppe spürt die Knappheit an Quell-Kohlensäure ebenfalls. «Es ist richtig, dass es Versorgungsengpässe im Markt gibt, die dank Wetter- und Weltmeisterschaftseffekten durch eine positive Absatzentwicklung im Bier- und Getränkemarkt weiter forciert werden», sagte eine Sprecherin.

Radeberger könne das in den Brauereien und Mineralbrunnen aber bislang noch erfolgreich ausgleichen. Der Deutsche Brauer-Bund verspricht: «Es ist genug Bier für alle durstigen Kehlen da.»

Laut Reinheitsgebot verboten

Das Reinheitsgebot verbiete ohnehin den Zusatz von CO2, das Bier bekomme seinen Sprudel während der Gärung. Und das CO2, das beim Umfüllen in den Tanks gebraucht werde, falle in der Regel dabei auch noch mit ab.

Die deutschen Brauereien kauften daher überhaupt nur geringe Mengen zu.

Feldschlösschen nicht betroffen

Auch der Schweizer Bierbrauer Feldschlösschen verwendet in seinen Brauereien in Rheinfelden und Sion kein zugefügtes CO2 bei der Bierherstellung.

Feldschlösschen nutze aus der Produktion zurückgewonnene CO2 und sei daher von der CO2-Knappheit nicht betroffen, schrieb eine Sprecherin auf Anfrage.

Auf CO2 angewiesen sind auch Softdrink-Hersteller wie Coca Cola. In Grossbritannien seien Fertigungslinien kurzzeitig unterbrochen worden, teilte das Unternehmen mit. Bisher könne aber noch alles geliefert werden.

In etwa einer Woche könnte laut Aass wieder CO2 zu haben sein. Zwei britische Fabriken sollen bald wieder hochfahren, die norwegische möglicherweise am 12. Juli.

Bis dahin, rät der britische Pub-Verband, müssten Bierliebhaber eben flexibel sein. «Das ist die ideale Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren, wenn dein normales Bier nicht zu haben ist.» (nag/sda)

Erstellt: 28.06.2018, 08:57 Uhr

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