Der Diktatorensohn und die Boliden

Die Genfer Justiz ermittelt gegen Teodorin Obiang, Vizepräsident und Sohn des Diktators von Äquatorialguinea, wegen Korruption. Am Montag hat sie dessen Luxusautos konfisziert.

Teodorin Obiangs Wagen wird aus dem Hotel Kempinski in Genf gefahren. Seinen Koenigsegg gibt es nur siebenmal weltweit.  Foto: Public Eye

Teodorin Obiangs Wagen wird aus dem Hotel Kempinski in Genf gefahren. Seinen Koenigsegg gibt es nur siebenmal weltweit. Foto: Public Eye

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In Frankreich und den USA laufen gegen Teodorin Obiang, Vizepräsident von Äquatorialguinea, seit Jahren Strafverfahren. Die Justiz ermittelt wegen Geldwäscherei und Korruption gegen ihn. In seiner Wahlheimat am Genfersee führte Teodorin Obiang hingegen ein bislang sorgloses Leben. Problemlos konnte er auch seinen Geldgeschäften nachgehen, obwohl das Magazin «The Economist» seinen Vater Teodoro Obiang in seinem Demokratie-Index zu den fünf weltweit gefürchtetsten Diktatoren zählt.

Vor wenigen Tagen reagierte nun auch die Schweiz – aufgrund eines Rechtshilfegesuchs aus Frankreich. Die Genfer Staatsanwalt eröffnete ein Verfahren gegen den 47-Jährigen, wegen Korruption, Geldwäscherei und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Aufgrund seiner Erfahrungen an seinen Wohn­orten Paris und Malibu weiss Teodorin Obiang, was ihm in solchen Momenten droht: Hausdurchsuchungen, Beschlagnahmungen und jahrelange Rechtsstreitigkeiten. Allein in Frankreich hat die Justiz gemäss eigenen Angaben Kleider, Schmuckstücke, Kunstwerke, Immobilien und Luxusautos im Wert von 200 Millionen Franken beschlagnahmt.

Autos standen auf dem Rollfeld

Obiang lebte in Paris in Saus und Braus. Er wohnte im 16. Arrondissement in einem 4000 Quadratmeter grossen und 101 Zimmer zählenden Anwesen, während er in Äquatorialguinea offiziell ein Ministersalär von monatlich 8000 Dollar bezog. Die meisten Menschen im rund 845'000 Einwohner zählenden Kleinstaat in der Subsahara leben in grösster Armut, obwohl es dort riesige Erdölvorkommen gibt. Das monatliche Durchschnittseinkommen beträgt laut Hilfswerken in etwa 300 Franken.

Aus Furcht vor einem Zugriff der Genfer Justiz liess Teodorin Obiang am Montag vorsorglich elf Luxusautos zum Flughafen bringen. Seine Absicht war, sie in einem Transportflugzeug ausser Landes zu schaffen. Die teure Fracht stand bereits auf dem Rollfeld zum Abtransport bereit, als sie Augenzeugen zufällig entdeckten und der Genfer Staatsanwaltschaft meldeten. Diese konfiszierte die Boliden umgehend, worüber auch das Wochenmagazin «L’Hebdo» in seiner heutigen Ausgabe berichtet.

Obiangs beschlagnahmter Wagenpark passt zum Luxusleben, das dieser am Genfersee seit Jahren führt. Ein Porsche 918 Spyder im Wert von 750'000 Euro gehört zu den bescheideneren Fahrzeugen, die der 47-Jährige am Flughafen Genf parkierte. Die prunkvollsten Autos waren ein 2 Millionen Euro teurer Bugatti Veyron und ein 1330 PS starker Sportwagen des schwedischen Fabrikats Koenigsegg, den es weltweit nur siebenmal gibt und der im Fall von Teodorin Obiang erst noch ein äquatorialgui­neisches Nummernschild trug.

Die Nichtregierungsorganisation Public Eye beobachtet das Treiben des Obiang-Clans seit Jahren, in deren Heimat, aber auch in der Schweiz. Sprecher Oliver Classen bezeichnet es als «skandalös, dass die Schweiz wieder erst auf Druck von aussen gegen einen weltweit geächteten Rohstoff-Paten aktiv wird». Bezeichnend sei, dass die Behörden die Ausfuhr von Obiangs Autoschatz nur dank einem Hinweis verhindert hätten. Obiangs Vermögen wird auf mehrere Hundert Millionen Franken geschätzt und soll aus illegal bezogenen Kommissionen stammen, die er sich dank Ölförderverträgen sicherte. Gemäss französischen Ermittlungsakten flossen Millionen von Euro von einem auf Teodorin Obiang lautenden Konto bei der äquatorialguineischen Staatskasse auf Konten von Schweizer Firmen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.11.2016, 22:28 Uhr

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