Der Fed-Chef in Zürich – grosser Andrang an der Uni

Zusammen mit Nationalbankpräsident Thomas Jordan stellte sich der von Trump stark kritisierte Jerome Powell einem grossen Publikum an der Universität Zürich.

Bereut es nicht, Fed-Chef zu sein: Thomas Jordan (l.) diskutiert mit Jerome Powell an der Uni Zürich. Bild: Andrea Zahler

Bereut es nicht, Fed-Chef zu sein: Thomas Jordan (l.) diskutiert mit Jerome Powell an der Uni Zürich. Bild: Andrea Zahler Bild: Andrea Zahler

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2000 Personen wollten ihn sehen und hören, den Chef der US-Notenbank Jerome Powell. Am Freitagabend war er als Gast des Instituts für Auslandsforschung und der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in einen Hörsaal der Universität Zürich geladen, um zusammen mit SNB-Präsident Thomas Jordan Fragen von Institutsleiter Martin Meyer und des Publikums zu beantworten. Für den Publikumsandrang reichte der grosse Saal allerdings nicht aus, so dass mehrere weitere Säle für eine Übertragung zugezogen werden mussten.

Anwesend waren neben dem gesamten SNB-Präsidium auch viele führende Vertreter aus Wirtschaft und Politik. So unter anderen Credit Suisse-Chef Tidjane Thiam oder Magdalena Martullo-Blocher, SVP-Nationalrätin und Ems-Chefin. Vertreter der internationalen Presse wie von Bloomberg oder Reuters fanden sich schon zwei Stunden vor dem Start des Anlasses ein. Bloomberg übertrug die Veranstaltung auf seinem Fernsehkanal.

Gleich zu Beginn erklärte Powell auf eine Frage, dass er wegen den Notenbankertreffen bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich oft in der Schweiz weile, aber schon vor 44 Jahren das erste Mal hier war und mit seiner Frau immer wieder hier die Ferien verbracht hat.

Obwohl Jerome Powell nichts wirklich Neues zur Geldpolitik des Fed von sich gab, berichteten grosse US-Kanäle wie «Bloomberg», das «Wall Street Journal» und die «New York Times» von Powells Auftritt in Zürich. Von Bedeutung war sein Auftritt für die US-Wirtschaftspresse zum einen, weil gleichentags neue Zahlen vom US-Arbeitsmarkt veröffentlicht wurden – es wurden 130'000 neue Jobs geschaffen und die Arbeitslosenquote verblieb bei tiefen 3,7 Prozent.

Zum anderen ist der Auftritt in Zürich Powells letzter öffentlicher vor der nächsten Zinsentscheidung am 18. September. Powell erklärte am Anlass, die Arbeitslosenzahlen seien ein weiterer Beleg für die Stärke des US-Arbeitsmarkts, Gleichzeitig interpretierten die US-Medien Aussagen von ihm zu verschiedenen «signifikanten Risiken» in der Weltwirtschaft als Hinweis auf eine mögliche weitere Zinssenkung. Bei den Risiken hob Powell vor allem den «Handel» hervor, wobei er vermied, von einem Streit oder sogar Handelskrieg zu reden.

Bis ganz zum Schluss sprach niemand den Fed-Chef direkt auf sein Verhältnis zum US-Präsidenten an. Donald Trump prügelt per Twitter bei jeder Gelegenheit auf den von ihm eingesetzten Powell ein, weil er von diesem eine deutlich lockere Geldpolitik verlangt. Doch auch in den USA ist die Notenbank von der Politik formal unabhängig.

Trumps angriffige Tweets

In einem seiner Tweets hat Trump schon die Frage aufgeworfen, wer der grössere Feind sei, China oder Powell. Auch am Tag von Powells Besuch in der Schweiz kritisierte Trump den Fed-Chef erneut für seine Politik und fragte rhetorisch «wo habe ich diesen Kerl Jerome bloss gefunden?». Als Powell ganz zum Schluss gefragt wurde, ob Trumps Auftreten seinen Job erschwere, wich der Fed-Chef aus: Er und seine Leute würden ihren Auftrag so gut wie möglich machen, und nur darauf konzentriere er sich. Auf die Frage, ob er es jetzt bedaure, den Job als Fed-Chef angenommen zu haben, betonte er: «Nie, absolut nie.»

Wie Powell gab auch SNB-Chef Thomas Jordan keinen Hinweis auf die weitere Zinspolitik in der Schweiz. Jedoch machte sowohl er wie Powell deutlich, dass ihre Möglichkeiten, über die bisherige Geldpolitik die Wirtschaft zu stimulieren, an Grenzen stossen. Powell erwähnte, dass man bei der US-Notenbank deshalb nach neuen Instrumenten suche. Solche sind vor vor allem dann dringend gefragt, wenn es zu einer Rezession kommt. Sowohl der US-Notenbankchef, wie auch Thomas Jordan von der SNB sehen aber bisher keine Anzeichen für eine solche Entwicklung in ihren Ländern oder weltweit.

Erstellt: 06.09.2019, 22:00 Uhr

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