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Indischer Richard Branson hat ausgefeiert

Einst beliebt und steinreich, dann verhasst und polizeilich gesucht: Vijay Mallya ist auf der Flucht in London festgenommen worden.

Trübe Aussichten: Vijay Mallya kommt in Indien vor Gericht. (11. August 2005)
Trübe Aussichten: Vijay Mallya kommt in Indien vor Gericht. (11. August 2005)
Soumitra Ghosh/Hindustan Times via Getty Images
Unter Frauen: Mallya war einst ein beliebter Playboy. (21. Dezember 2013)
Unter Frauen: Mallya war einst ein beliebter Playboy. (21. Dezember 2013)
STRDEL, AFP
Soll an Indien ausgeliefert werden: Vijay Mallya wurde wegen des Verdachts auf Betrug festgenommen. (19. Januar 2010)
Soll an Indien ausgeliefert werden: Vijay Mallya wurde wegen des Verdachts auf Betrug festgenommen. (19. Januar 2010)
Satish Bate/Hindustan Times via Getty Images
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Bierbaron, Formel-1-Teamchef, Luftfahrtunternehmer: Vijay Mallya verkaufte sich selbst gern als indischer Richard Branson. Doch ausser der grauen Mähne haben die beiden Männer nicht viel gemeinsam. Während der umtriebige Brite vom Plattenverkäufer zum Multimilliardär aufstieg und von vielen als Vorbild gefeiert wird, wurde Mallya vom einst beliebten Playboy zu einem der meistgehassten Männer Indiens. Um einem Haftbefehl und Milliardenschulden zu entgehen, floh er vor rund einem Jahr aus Indien. Nun wurde Mallya in London verhaftet.

Noch vor etwas mehr als fünf Jahren galt der 60-jährige Unternehmer als der «King of Good Times». Nicht nur sein Engagement als Chef des Formel-1-Teams Force India war ein Grund dafür. Den Spitznamen verdankte Mallya auch seinem extravaganten Lebensstil. Der Milliardär genoss es, seinen Reichtum zur Schau zu stellen, lebte in Mumbai in einer protzig eingerichteten Villa, vor der zahlreiche teure Autos geparkt waren. Sich selbst schmückte er mit glitzerndem Schmuck – und auf Fotos gern mit hübschen Frauen, am liebsten mehrere an jedem Arm.

Milliarden geerbt

In Extravaganz stand er damit dem britischen Vorbild in nichts nach. Doch worin sich die beiden unterscheiden: Branson ist ein Selfmade-Milliardär, Mallya nicht. Er erbte im Alter von 27 Jahren von seinem Vater mit der UB Group einen der grössten Hersteller von alkoholischen Getränken weltweit. Der Konzern stellt unter anderem das weltbekannte Kingfisher-Bier her. Nach und nach erweiterte Mallya das Portfolio der Gruppe, bis sie mehr als die Hälfte von Indiens Markt für alkoholische Getränke beherrschte.

Kingfisher war einmal die weltweit bekannteste indische Marke. Doch 2005 fällte Mallya eine folgenschwere Entscheidung: Er gründete die Fluggesellschaft Kingfisher Airlines. Mit ihr hatte er globale Ambitionen. So bestellte der Unternehmer nebst vielen anderen Jets auch gleich fünfmal den Airbus A380 – das grösste Passagierflugzeug der Welt.

Die Fluggesellschaft war zwar bei Passagieren beliebt – immerhin war auch hier Luxus für Mallya ein entscheidender Faktor. Doch Gewinn schrieb Kingfisher Airlines nie. Zum Showdown kam es 2012. Piloten streikten wegen unbezahlter Löhne, Flieger mussten am Boden bleiben. Monatelang kämpfte die Airline ums Überleben, bis es im Herbst vorbei war: Die Fluggesellschaft verlor die Lizenz. Bis heute sind die Altlasten der bankrotten Gesellschaft noch nicht abgearbeitet. Schulden in Milliardenhöhe gegenüber Banken und Geldgeber stehen aus.

Mehrere Haftbefehle

Indiens Behörden stellten mehrere Haftbefehle gegen Mallya aus – wegen nicht bezahlter Schulden, wegen Betrugsvorwürfen und wegen Vorwürfen der Geldwäscherei im Zusammenhang mit Kingfisher Airlines. Um diesen zu entgehen, war der Lebemann letzten März nach Grossbritannien geflohen, wo er seither in der Nähe von London lebt. Die Regierung entzog dem Unternehmer nach der Flucht den Pass. Er sei ins Exil ge­zwungen worden, beklagte Mallya sich in der «Financial Times» einmal und erklärte, er fürchte ein unfaires Urteil in Indien.

Doch nun muss er wohl doch in sein Heimatland zurück. Nachdem gemäss indischen Ermittlern bereits am 8. Februar ein offizieller Antrag auf Auslieferung an Grossbritannien gestellt worden war, folgte gestern die Verhaftung des Unternehmers. Man habe Mallya im Auftrag der indischen Regierung wegen des Verdachts auf Betrug festgenommen, hiess es in einer Stellungnahme der Londoner Metropolitan Police.

Zuvor war der 61-Jährige selbst auf dem Polizeiposten erschienen und hatte sich gestellt. Zu gross war offenbar der Druck auf ihn geworden. Nach einer Anhörung vor einem Richter kam der Inder auf Kaution wieder frei. Nun liegt der Ball beim Innenministerium. Es entscheidet über die endgültige Auslieferung an Indien.

Nur wenige Stunden nach der Freilassung meldete sich Mallya selbst zu Wort – ganz nach aktueller Mode über Twitter. Das Ganze sei ein «typischer indischer Medienhype», erklärte er.

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