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Der letzte Schweizer Shopping-Dinosaurier

Es ist so weit, in Ebikon geht die Mall of Switzerland auf. Warum Shoppingcenter aber künftig kleinere Brötchen backen müssen.

Gret Heer und Karin Kofler
Mit 65'000 Quadratmetern das zweitgrösste Shoppingcenter der Schweiz: Die Mall of Switzerland im luzernischen Ebikon. (Video: Nicolas Fäs)

Die Einladung war ein Versprechen: «Erleben Sie die zukunftsweisende Mall of Switzerland in Ebikon.» Nun ist es nach über 15 Jahren Planung und Bauzeit so weit: Der zweitgrösste Konsumtempel der Schweiz mit 65'000 Quadratmeter Gesamtmietfläche öffnete heute seine Tore für Kunden. Neben Mode-, Schmuck- und Foodläden soll ein breites Freizeitangebot mit Gastronomie und ein Kinderland offeriert werden.

Das Shoppingcenter mit der markanten Architektur verkörpert einen Wendepunkt im Schweizer Detailhandel: «Die Mall of Switzerland ist wohl das letzte Mega-Shoppingcenter in der Schweiz, das eröffnet wird», erklärt Denner-Chef Mario Irninger, der selbst mit einer Filiale präsent ist. Nach jahrelangem Bauboom ist der Markt gesättigt.

Das bietet die Mall of Switzerland in Ebikon. (Video: Nicolas Fäs, Caroline Freigang)

Die Daten des neuesten Shoppingcenter-Buches des GFK Switzerland zeigen: Projekte in der Dimension von Ebikon LU sind keine mehr in der Pipeline. Das grösste neue Bauvorhaben in Avry FR kommt auf 36'000 Quadratmeter, das Projekt «The Circle» am Zürcher Flughafen auf 17'000 Quadratmeter. Und hätte die Mall of Switzerland nicht grosszügige Investoren aus den Emiraten, die ihre ganz eigene Anlageoptik haben, wäre die Fertigstellung wohl ernsthaft in Gefahr gewesen. Mehr als 450 Millionen Franken hat der Staatsfonds Abu Dhabi Investment Authority investiert.

Neue Nutzung bestehender Center

Momentan spreche vieles gegen den Bau von neuen Shoppingcentern, meint Robert Weinert vom Immobilienspezialisten Wüest Partner, aber mittel- und langfristig könne sich das wieder ändern. Shoppingcenter müssen erneuert und umgebaut werden. «Manchenorts könnte es dann lukrativer sein, ein neues Shoppingcenter zu bauen, anstatt ein altes umzubauen», meint er. In der Branche allerdings fürchtet man, dass in den nächsten Jahren Hunderte von Läden in Schweizer Shoppingcentern ihre Türen schliessen. Es gibt bereits viele Verkaufsflächen in den Städten, zum Beispiel die Europaallee in Zürich, aber auch Einkaufszentren an Bahnhöfen und Flughäfen, sodass es eng wird für bestehende Shoppingcenter auf der grünen Wiese. Und eine andere Bedrohung wird immer virulenter: der Onlinehandel. «Das grösste Shoppingcenter ist das Internet», meint Marcel Stoffel, Geschäftsführer des Schweizer Verbandes der Shoppingcenter. Er glaubt, dass künftig ein Viertel der bestehenden Retailflächen der Einkaufszentren umgenutzt werden muss.

Sinkende Verkaufsflächen

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Entsprechend skeptisch sind Investoren, für die Shoppingcenter lange als attraktive Anlage galten. Fredy Hasenmaile, Leiter der Immobilienanalyse bei der CS, kennt keine Kapitalgeber, die in Shoppingcenter investieren möchten: «Der Verkaufsflächenmarkt ist im Umbruch, und das lieben Investoren nicht.» Er gibt aber zu bedenken, dass ausländische Investoren etwa aus Südafrika oder der Türkei gerne ihr Geld im sicheren Hafen der Schweiz anlegen; es könnten auch Shoppingcenter sein.

In einem sind sich alle einig: Die Shoppingcenter der Zukunft werden völlig anders aussehen. Es werden Nutzer einziehen, die man heute nicht damit in Verbindung bringt. In Deutschland etwa haben soeben Tesla und Opel eine Zusammenarbeit mit ECE, Europas führendem Shoppingcenterbetreiber, bekannt gegeben. Experte Marcel Stoffel schwärmt auch von den ­stylischen Philip-Morris-Boutiquen in Deutschland, in denen der Zigarettenmulti seinen elektronischen Tabak­erhitzer Iqos präsentiert. Auch solche Konzepte könnten dereinst in eine Mall einziehen. Vielleicht auch in Ebikon?

Bildstrecke: Hereinspaziert am Eröffnungstag

85 Läden und 17 Restaurants: Die Mall of Switzerland wurde für 450 Millionen Franken gebaut. (27. Oktober 2017)
85 Läden und 17 Restaurants: Die Mall of Switzerland wurde für 450 Millionen Franken gebaut. (27. Oktober 2017)
Tages-Anzeiger/Urs Jaudas
Viel Platz: Bisher wurden rund 80 Prozent der Fläche des neuen Shoppingcenters vermietet.
Viel Platz: Bisher wurden rund 80 Prozent der Fläche des neuen Shoppingcenters vermietet.
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Etwas für zukünftige Musiktalente: Auf der Orchesterwand kann man die Hand auf verschiedene Instrumente legen und diese tönen dann entsprechend.
Etwas für zukünftige Musiktalente: Auf der Orchesterwand kann man die Hand auf verschiedene Instrumente legen und diese tönen dann entsprechend.
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Volle Rolltreppen: Die Besucher strömten pünktlich zur Eröffnung durch die neu eröffnete Mall.
Volle Rolltreppen: Die Besucher strömten pünktlich zur Eröffnung durch die neu eröffnete Mall.
Manuel Lopez, Keystone
Schulter an Schulter durch den Konsumtempel: Die Betreiber rechnen mit 50'000 Besuchern täglich.
Schulter an Schulter durch den Konsumtempel: Die Betreiber rechnen mit 50'000 Besuchern täglich.
Alexandra Wey, Keystone
Alles wird festgehalten: Eine Besucherin knipst ein Foto von der strahlend neuen Mall.
Alles wird festgehalten: Eine Besucherin knipst ein Foto von der strahlend neuen Mall.
Alexandra Wey, Keystone
Faszinierende Innenarchitektur: Die Besucher betrachten die auffälligen Deckenmuster.
Faszinierende Innenarchitektur: Die Besucher betrachten die auffälligen Deckenmuster.
Manuel Lopez, Keystone
Knallig und hell: Das Shoppingcenter wirke fast ein wenig amerikanisch sagte eine Besucherin.
Knallig und hell: Das Shoppingcenter wirke fast ein wenig amerikanisch sagte eine Besucherin.
Manuel Lopez, Keystone
Der Baustart war im Juni 2014: Es dauerte 41 Monate, um die Vision der Architekten umzusetzen.
Der Baustart war im Juni 2014: Es dauerte 41 Monate, um die Vision der Architekten umzusetzen.
Manuel Lopez, Keystone
Spass im Wasser: Die Pocket-Wave kann bis Dezember besucht werden.
Spass im Wasser: Die Pocket-Wave kann bis Dezember besucht werden.
Infostand für Kinder: Der Roboter Pepper gibt den Kindern Auskunft.
Infostand für Kinder: Der Roboter Pepper gibt den Kindern Auskunft.
Peace an alle Zuschauer: Die Besucher des Pathe bekamen nebst Unterhaltung auch Snacks.
Peace an alle Zuschauer: Die Besucher des Pathe bekamen nebst Unterhaltung auch Snacks.
Kino und Fitnesscenter in einem: Die ersten Besucher trainieren auf dem Stepper im Kino Komplex. (8. November 2017)
Kino und Fitnesscenter in einem: Die ersten Besucher trainieren auf dem Stepper im Kino Komplex. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Erste Panne: Ein Mitarbeiter probiert mit Taschentüchern das tropfende Wasser zu stoppen.
Erste Panne: Ein Mitarbeiter probiert mit Taschentüchern das tropfende Wasser zu stoppen.
Süsse Köstlichkeiten: In den 17 Restaurants haben die Besucher die Gelegenheit, sich zu verpflegen.
Süsse Köstlichkeiten: In den 17 Restaurants haben die Besucher die Gelegenheit, sich zu verpflegen.
Wonder-Waffel: Im Erdgeschoss lädt ein edler McDonalds mit Schwarz-Weiss-Tafeln und Wonder-Waffel zum Verweilen ein.
Wonder-Waffel: Im Erdgeschoss lädt ein edler McDonalds mit Schwarz-Weiss-Tafeln und Wonder-Waffel zum Verweilen ein.
Wo stehe ich hier: Ein Junge orientiert sich auf dem Lageplan des Schoppingcenters.
Wo stehe ich hier: Ein Junge orientiert sich auf dem Lageplan des Schoppingcenters.
Gigantische Grösse: Die Mall of Switzerland ist circa 10 Fussballfelder gross.
Gigantische Grösse: Die Mall of Switzerland ist circa 10 Fussballfelder gross.
Beleuchtete Rolltreppen: In der neusten Schweizer Mall sollen 1100 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Beleuchtete Rolltreppen: In der neusten Schweizer Mall sollen 1100 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Traditioneller Empfang: Alphornbläser musizieren vor dem Eingang der Mall.
Traditioneller Empfang: Alphornbläser musizieren vor dem Eingang der Mall.
Menschen so weit das Auge reicht: Massen von Menschen stehen im Eingang und drängen die Rolltreppe hoch
Menschen so weit das Auge reicht: Massen von Menschen stehen im Eingang und drängen die Rolltreppe hoch
Vom Regen ins Trockene: Die Besucher strömen in die neu eröffnete Mall.
Vom Regen ins Trockene: Die Besucher strömen in die neu eröffnete Mall.
Das Band ist durchschnitten: Jetzt ist das neuste Schweizer Shoppingcenter eröffnet.
Das Band ist durchschnitten: Jetzt ist das neuste Schweizer Shoppingcenter eröffnet.
Der Moment des Tages: Hier durchschneiden Robert Küng, (Regierungsrat Luzern), Daniel Gasser, (Gemeinderat Ebikon), Max Hess, (Gemeinderat Dierikon), und Jan Wengeler, (Center Manager) das rote Band vor der Mall of Switzerland. (8. November 2017)
Der Moment des Tages: Hier durchschneiden Robert Küng, (Regierungsrat Luzern), Daniel Gasser, (Gemeinderat Ebikon), Max Hess, (Gemeinderat Dierikon), und Jan Wengeler, (Center Manager) das rote Band vor der Mall of Switzerland. (8. November 2017)
Alexandra Wey, Keystone
Seht mal alle her: Die Damen in Weiss spielen mit dem roten Band vor dem Eingang.
Seht mal alle her: Die Damen in Weiss spielen mit dem roten Band vor dem Eingang.
Behält alles im Auge: Ein Sicherheitsbeamter bewacht die gläserne Einkaufspforte.
Behält alles im Auge: Ein Sicherheitsbeamter bewacht die gläserne Einkaufspforte.
Der Regierungsrat Robert Küng hält die Eröffnungsrede.
Der Regierungsrat Robert Küng hält die Eröffnungsrede.
Hüte in der Form des Logos: Diese Damen unterhalten die Besucher vor dem Eingang des neuen Zentrums.
Hüte in der Form des Logos: Diese Damen unterhalten die Besucher vor dem Eingang des neuen Zentrums.
Der letzte Schliff für die Show: Bevor sich die Tore öffnen, machen sich die Künstler bereit, um den Besuchern ein Spektakel zu zeigen. (8. November 2017)
Der letzte Schliff für die Show: Bevor sich die Tore öffnen, machen sich die Künstler bereit, um den Besuchern ein Spektakel zu zeigen. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Trommelwirbel: Für die Eröffnung sind diverse Vorstellungen geplant. (8. November 2017)
Trommelwirbel: Für die Eröffnung sind diverse Vorstellungen geplant. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Mehr Besucher als die Rigi und das Verkehrshaus zusammen: Im 65'000 Quadratmeter grossen Center werden jährlich 5 Millionen Besucher erwartet.
Mehr Besucher als die Rigi und das Verkehrshaus zusammen: Im 65'000 Quadratmeter grossen Center werden jährlich 5 Millionen Besucher erwartet.
Tages-Anzeiger/Urs Jaudas
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