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Ausgerechnet die «Financial Times» greift Warren Buffett an

Das Zentralorgan des Kapitalismus schreibt, die Methode des Starinvestors habe dunkle Seiten.

Warren Buffett macht aus seiner Vorliebe kein Geheimnis: Für ihn ist das Monopol ein breiter «Graben», der die «Firmenburg» vor Mitbewerbern schützt. Foto: Reuters
Warren Buffett macht aus seiner Vorliebe kein Geheimnis: Für ihn ist das Monopol ein breiter «Graben», der die «Firmenburg» vor Mitbewerbern schützt. Foto: Reuters

«Sein Weg, seine Methode, seine Strategie» ist nur der jüngste Bestseller, der den Unternehmer Warren Buffett als Genie feiert. Jungmanager lesen die Wälzer über ihn wie Evangelikale die Bibel. Die Aktionärsversammlung seiner Firma Berkshire Hathaway zieht jedes Jahr 35'000 Leute an – das Woodstock des Kapitalismus. Raffiniertes Investieren hat ihn zum 76-fachen Milliardär gemacht. Aber jetzt greift ausgerechnet das Zentralorgan des Kapitalismus, die britische «Financial Times», den Meisterinvestor als «Zerstörer» des Kapitalismus an.

Robin Harding, Korrespondent des Wirtschaftsfachblatts, outet sich in seinem Artikel selbst als geläutertes Buffett-Groupie. Niemanden habe er in seiner Jugend mehr verklärt als den heute 87-jährigen Geschäftsmann aus Nebraska. Und noch immer bewundert Harding dessen Nase für spektakulär erfolgreiche Firmenbeteiligungen, seine Weitsicht vor dem Kollaps der Finanzbranche 2007 und seine Volkstümlichkeit. Aber Buffetts Methode habe dunkle Seiten, schreibt Harding.

Kurz gesagt: Buffett ist vor allem darum erfolgreich, weil er in Firmen investiert, die in ihren Märkten ein Monopol haben. Dieses nützt er dann weidlich aus – unter anderem, indem er die Preise für die Produkte ziemlich schamlos erhöht. Den Konsumenten bleibt keine Wahl, ausser beim Monopolisten teuer einzukaufen. Tatsächlich folgen Buffetts Grossinvestitionen diesem Schema, etwa seine jüngsten Beteiligungen an Fluggesellschaften. Deren Markt ist in den USA unterdessen so weit monopolisiert, dass sich Airlines erlauben können, überzählige Fluggäste rabiat aus ihren Jets zu werfen.

Hier bekommt Buffett sein Fett weg: Der Artikel in der «Financial Times», der sich kritisch mit den Methoden des Milliardärs auseinandersetzt.

Buffett selbst macht aus seiner Vorliebe kein Geheimnis. Für ihn ist das Monopol ein breiter «Graben», der die «Firmenburg» vor Mitbewerbern schützt. So lassen sich in Ruhe Profite zum Wohle und Gedeihen der Besitzer abschöpfen. Die «Financial Times» hält auch nicht Buffetts individuelles Verhalten für ein Problem, sondern das viel bewunderte Beispiel, das er damit setzt. Die Zeitung zitiert mehrere Studien, wonach der «Buffettismus» um sich greift. Dies auf Kosten des wirtschaftlichen Fortschritts insgesamt. Und der wird befeuert von Investitionen in risikoreiche Neuentwicklungen und nicht von trickreichen Monopolrentenbezügern.

Die Buffett-Analyse des «Financial Times»-Korrespondenten enthält eine Lehre für die Politik, auch in der Schweiz: Selbst hochgefeierte Unternehmer haben einen natürlichen Hang zum Monopolismus. Das Lob der freien Marktwirtschaft und des segensreichen Wettbewerbs heben sie sich für Sonntagsreden auf. Was aber für sie persönlich gut und profitabel ist, kann für eine Volkswirtschaft insgesamt schädlich sein. Darum sind gute Unternehmerinnen und Unternehmer nicht automatisch auch gute Politikerinnen und Politiker.

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