Mit «Fortnite» vom Nerd zum Milliardär

Der Programmierer Tim Sweeney gehört dank seines Computerspiels zu den reichsten Menschen der Welt. An die Schule denkt er ungern zurück.

Sein Spiel wurde zum sozialen Netzwerk: Tim Sweeney. Foto: PD

Sein Spiel wurde zum sozialen Netzwerk: Tim Sweeney. Foto: PD

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Als Sechsjähriger hat Tim Sweeney Rasenmäher auseinandergenommen und zusammengebaut. Als Teenager programmierte er stundenlang Computer in der Garage der Eltern. Heute ist er 47 und Milliardär. 7,16 Milliarden Dollar sind in seinem Besitz, schreibt Bloomberg auf seiner jährlichen Liste der 500 reichsten Menschen, die Sweeney erstmals beehrt.

Der Amerikaner hat in all den Jahren kombiniert: den Wissensdurst, wie Dinge funktionieren, zusammen mit der Kreativität, etwas zu erschaffen. So wird aus dem Tüftler und Programmierer ein Computerspielemacher. Ein ziemlich erfolgreicher, seine Firma Epic Games erfindet seither immer wieder einträgliche Spiele.

Der wahre Coup aber gelingt Sweeney 2017. Mit «Fortnite». Einem Ballerspiel. 100 Spieler sind über das Internet verbunden, sie kämpfen auf einer Insel um Leben und Tod, der letzte, der übrig bleibt, gewinnt. Der Clou: Das Spiel ist gratis. Über 200 Millionen Menschen haben es bisher runtergeladen und sind der Sucht erlegen. Dazu gehören normale Teenager, aber auch Bekanntheiten wie Rapper Drake und Fussballer Antoine Griezmann. Sweeney hat es geschafft, dass sein Spiel zum sozialen Netzwerk wurde.

Er hatte in der Primarschule kaum Freunde

Man soll Leute nicht über ihr Äusseres beurteilen, lehrt das 11. Gebot des Alten Testaments. Es sei hier gebrochen. Als Junge trug Sweeney bierflaschenbodendicke Gläser auf der Nase, die Haare lugten ihm ins Gesicht, er sah nicht nur aus wie ein Nerd – er war einer. Er hatte in der Primarschule kaum Freunde, er sei eher «peinlich klug» gewesen, sagt er selbst und denkt darum ungern daran zurück. Stichwort soziale Interaktion: «Darin war ich nie gut.» Also hat er zu Hause programmiert, acht Jahre lang, 19'000 Stunden waren es, hat er einmal ausgerechnet, bis er 1991 als 21-Jähriger das erste Spiel verkaufte.

Er hat Erfolg, Leute beginnen für ihn zu arbeiten, unter anderem auch Cliff Bleszinski, der heutige Chefentwickler. Dieser imponierte Sweeney damals mit seinem Spiel «Dare to Dream», in dem sich die Hauptfigur in der eigenen Traumwelt verirrt. So viel Poesie gibt es in «Fortnite» nicht. Doch der Spieler kann seinem Helden Kleider oder spezielle Bewegungen wie Tänze kaufen. Das klappt. Sweeney wird reich.

Er kauft Wälder, um sie zu retten

Mitarbeiter Bleszinski sagt über Sweeney: «Er ist der gleiche Tim, wie ich ihn als Teenager kannte. Er wandert gern und sammelt dabei Steine.» Mit dem Unterschied, dass Steinesammler Tim heute ganze Wälder kauft. Ihm gehören 150 Quadratkilometer im US-Bundesstaat North Carolina, etwas weniger als der Kanton Appenzell Innerrhoden. Was er damit macht: nichts. Er will die Wälder retten und behüten. Doch Sweeney, der Umweltschützer, ist auch Sweeney, der Geschäftsmann. Er lancierte eine Plattform, die Programmierern und Firmen hilft, ihre Games zu verkaufen. Sweeney macht also nicht nur Games, er vertreibt sie künftig auch. Und konkurrenziert damit Apple und Google.

Viele Dinge im Leben sind eine Sache des Timings – das Braten von Fleisch, der erste Kuss, der richtige Beruf. Hätte er fünf Jahre früher das Licht der Erde erblickt, mutmasst Sweeney, dann wäre er nicht Programmierer geworden – sondern Automechaniker.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 07.01.2019, 09:35 Uhr

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