Hartes Durchgreifen des neuen Manor-Chefs Stéphane Maquaire

Die grösste Warenhauskette der Schweiz baut am Hauptsitz bis zu 200 Stellen ab.

Gibt sich zwei Jahre Zeit für die Trendwende: Stéphane Maquaire. Foto:  Photo12

Gibt sich zwei Jahre Zeit für die Trendwende: Stéphane Maquaire. Foto: Photo12

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«Ich kann es kaum erwarten, die Leitung dieses Referenzunternehmens des Schweizer Detailhandels und Marktführers unter den Warenhäusern zu übernehmen, die zum Alltag der Schweizerinnen und Schweizer gehören», erklärte Stéphane Maquaire Anfang dieses Jahres bei seinem Antritt. «Ich freue mich darauf, mit allen Teams zusammenzuarbeiten, die zum heutigen Erfolg von Manor beigetragen haben.»

Am 16. Januar hatte der Elsässer überraschend die Position des CEO von Bertrand Jungo übernommen, der seit 2006 auf dem Chefsessel gesessen hatte. Maquaire war von 2010 bis 2016 geschäftsführender Präsident der französischen Discounter-Warenhauskette Monoprix und 2016 von Vivarte, dem Mutterhaus von Kookai.

Die Zusammenarbeit mit dem neuen Chef haben sich wohl manche bei Manor anders vorgestellt. Nur sieben Monate nach seinem Stellenantritt streicht er maximal 200 der rund 1000 Stellen am Hauptsitz in Basel. Davon betroffen sind unter anderen Angestellte des Marketings, des Einkaufs, der IT und der Kommunikation, aber keine Verkäuferinnen, heisst es auf Anfrage. Maquaire hofft auf natürliche Fluktuationen wie Frühpensionierungen und Stellenwechsel. Entlassungen wird es aber geben. Gleichzeitig zum Stellenabbau verkündet der Franzose eine zweijährige «Transformationsetap­pe». Dann soll ein ambitiöser Wachstumsplan starten.

Fashionbereich unter Druck

In dieser Transformationsphase soll ein rigoroses Kostenprogramm durchgesetzt, die Digitalisierung beschleunigt und die Struktur der Eigenmarken neu gestaltet werden. Damit will die grösste Warenhausgruppe der Schweiz mit 63 Warenhäusern und einem Marktanteil von über 50 Prozent auf die Veränderungen des Marktes reagieren.

Die Warenhäuser leiden besonders stark unter dem Internethandel, dem Einkaufstourismus und dem starken Franken, aber auch unter dem veränderten Kundenverhalten. Konsumenten vergleichen dank Handy im Handumdrehen Preise und Qualität. Wer hier nicht früh genug die Weichen gestellt hat, kommt jetzt unter die Räder.

Gerade der Fashionbereich musste in den letzten Jahren stark Federn lassen. Das betrifft Manor stark. Hinter H&M ist Manor hierzulande der zweitgrösste Bekleidungshändler.

Dass mit Maquaire ein neuer Wind im Unternehmen weht, war bald erkennbar. Er verpasste bereits im Januar seinen Mitarbeitenden einen Maulkorb und beschloss, keine Umsatzzahlen mehr zu publizieren, auch nicht für 2016. Insider bestätigen, dass der Umsatz von Manor vergangenes Jahr um 2,5 Prozent auf 2,57 Milliarden Franken gesunken ist. Damit setzt sich der langjährige Umsatzschwund der Warenhauskette fort. Doch im Vergleich zu den Konkurrenten Coop City und Globus schneidet Manor nicht schlechter ab. Gemäss dem Marktforschungsinstitut GFK verlor Coop City 3 Prozent und Globus 2 Prozent.

Jungo galt als konziliant

Kaum war Maquaire im Amt, nahm der Marketingchef Alex Sabbag den Hut, und vor rund vier Monaten verliess Elle Steinbrecher, Sprecherin und Geschäftsleitungsmitglied, die Gruppe. Zehn Jahre lang hatte sie mit Bertrand Jungo, Maquaires Vorgänger, zusammengearbeitet.

Jungo hat seine ganze Laufbahn bei Manor absolviert. 1990 ist er in die Gruppe eingestiegen und 2006 löste er Rolando Benedick als CEO von Manor ab. In der Branche gilt Jungo als konzilianter Manager, der keine radikalen Änderungen durchsetzte. Aber auch bereits unter ihm wurden vor zwei Jahren 150 Stellen am Hauptsitz in Basel abgebaut. Kritiker monieren, dass Jungo zu wenig hart durchgegriffen habe und zu spät etwa den Onlinehandel oder neue Warenhauskonzepte vorangetrieben habe. Jungo war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Markant geringere Rentabilität

Nun muss der Neue nachholen, was der alte Chef verpasst hat, und die Warenhäuser wieder rentabel machen. Gewinne publiziert die Warenhauskette zwar nicht, aber das Unternehmen, das zum Genfer Familienunternehmen Maus Frères gehört, schreibe knapp schwarz, erklärt ein Insider. «Die Rentabilität von Manor hat sich in den letzten Jahren markant verschlechtert», heisst es in der Medienmitteilung von Manor.

Die Restrukturierung in der Warenhausbranche ist voll im Gang. Am Mittwoch gab Globus bekannt, dass 30 Stellen gestrichen werden. Auch hier hat ein neuer Mann an der Spitze für Tabula rasa gesorgt und die Marken Schild und Globus Herren zugunsten von Globus aufgegeben. Der Neue heisst Beat Zahnd und ist Leiter des Departements Handel beim Migros-Genossenschafts-Bund, dem Mutterhaus von Globus.

«Um ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken und wieder agiler und leistungsfähiger zu werden, startet Manor einen gross angelegten Transformationsplan, der sämtliche Unternehmensbereiche einbezieht», sagt Stéphane Maquaire.

Ob sein Plan aufgeht, muss er erst beweisen. Dafür nimmt er sich auch zwei Jahre Zeit.

In dieser Restrukturierungsphase müssen die Mitarbeitenden ausbaden, was frühere Manager verpassten.

Erstellt: 24.08.2017, 21:38 Uhr

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Bertrand Jungo

Ex-Chef von Manor

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