Trump und Musk wollen den Weltraum erobern

Tesla-Visionär Elon Musk und Donald Trump eint ein ehrgeiziger Plan. Blosse Spinnerei oder ein Traum, der nur auf Umsetzung wartet?

Eine Spacex-Rakete landete am vergangenen Wochenende auf dem Kennedy Space Center in Florida. Foto: EPA, Keystone

Eine Spacex-Rakete landete am vergangenen Wochenende auf dem Kennedy Space Center in Florida. Foto: EPA, Keystone

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Elon Musk ist einer der grossen Gewinner der Trump-Präsidentschaft. Sein Unternehmen Tesla wird an der Börse fast 50 Prozent höher bewertet als vor der Wahl, obwohl Donald Trump mit seiner Energie- und Einwanderungspolitik den Interessen von Musk widerspricht. Doch das ungleiche Paar eint ein ambitiöses Unterfangen. Beide haben die Absicht, die Eroberung des Weltraums zu einer neuen Priorität der USA zu machen. Musk sieht darin eine humanitäre Aufgabe. Für Trump geht es um die ­Vormachtstellung gegenüber China und Russland.

Das klarste Zeichen für ein gutes Einvernehmen mit Trump setzte Musk vor einer Woche. Er entfernte zwei kritische Bemerkungen zum selektiven und verfassungswidrigen Einreiseverbot für Bürger aus sieben vorwiegend muslimische Staaten aus seinem Twitter-Konto. «Der muslimische Einreisestopp ist nicht rechtens», hatte der einst selbst aus Südafrika via Kanada in die USA eingewanderte Tesla-Chef klargestellt, bevor er den Eintrag löschte. Er sei einem Irrtum unterlegen. «Es handelte sich um frühere Entwürfe, die ich aus Versehen publiziert habe.» Musk hatte seinen Kurs gegenüber Trump bereits Wochen zuvor auffallend angepasst. Mit Ausnahme des Trump-Geldgebers Peter Thiel hat kein anderer Unternehmer im Silicon Valley den Präsidenten häufiger getroffen als Elon Musk.

Ersatz für das alte Stromnetz

Musk sprach mit dem Präsidenten über eine CO2-Abgabe und unterstützte zugleich die Ernennung von Exxon-Chef Rex Tillerson zum Aussenminister. Der scheinbare Widerspruch zwischen Klimaanliegen und fossiler Energie lässt sich erklären: Ziel ist, Tesla zum führenden integrierten Transport- und Energieunternehmen zu machen. Ohne staatliche Förderung und Unterstützung wird dies nicht zu machen sein. Trump könnte Tesla mit einer fossilen Energiepolitik sogar unterminieren, verliert doch das Argument für ein Elektroauto an Gewicht, wenn der Strom wieder mit Kohle hergestellt wird.

Musk sprach gemäss Insidern auch über den Ersatz des veralteten Stromnetzes durch ein Smart Grid, das er mit seiner Batterietechnik gern verstärken würde. Es wäre dies ein gewichtiger Teil eines Infrastrukturprojekts. Es könnte Trump entgegenkommen, wenn er sein Versprechen, ein enormes Investitionsprogramm zu lancieren, einlösen will.

Noch näher kommt sich das Duo in einer anderen Sache. Trump und Musk teilen einen Zug zum Grossartigen und unmöglich Scheinenden. Dazu ist der Weltraum gerade gross genug. Musk skizzierte gegenüber Trump bereits seine Vision einer Marskolonie. Er glaubt, die erste bemannte Marsmission im Jahr 2024 starten zu können. Das wäre das letzte Jahr der Trump-Präsidentschaft, falls er wiedergewählt wird.

Dass Trump an einer neuen Weltraummission interessiert ist, hat der Historiker Douglas Brinkley publik gemacht. «Er sinniert darüber, wie das Apollo-Weltraumprogramm das Land vereint hat», sagte Brinkley nach einem Treffen mit Trump der «Washington Post». Für den Präsidenten stehe fest, dass «so etwas das amerikanische Volk begeistert».

Dass es sich nicht um Spinnerei handelt, ist klar, seit Nasa-Direktor Robert Lightfood entsprechende Pläne nach der Trump-Wahl bestätigte. Gerade zum Ende der ersten Amtszeit von Trump, also vor den Wahlen, könnte die US-Weltraumbehörde zusammen mit privaten Geldgebern eine bemannte Mondmission starten. «US-Astronauten könnten im Jahr 2020 in privaten Raumschiffen den Mond erreichen», heisst es in einem Aktionsplan der Regierung, der vom Onlinemagazin «Politico» publiziert wurde. «Ebenfalls 2020 könnten mit privaten Mondlandungen Eigentumsrechte für Amerika auf dem Mond geltend gemacht werden.»

Ein solches Vorhaben ist aussenpolitisch brisant, aber offenbar beabsichtigt. «Es ist dies eine Demonstration unserer technologischen Kompetenz», sagt Bob Walker, ein Trump-Berater und früherer Vorsitzender der Wissenschaftskommission des Abgeordnetenhauses. «Die Chinesen müssen begreifen, dass die USA ihre Vorherrschaft im Weltraum behaupten wollen. Wenn wir nicht vorwärtsmachen, so werden es ­garantiert die Chinesen tun.»

Das Vehikel für eine solche Mission wäre das Space Launch System der Nasa, das Nachfolgeprojekt des Spaceshuttle-Programms. Es ist aus Kostengründen im Parlament unter Druck geraten, könnte aber mit einer gemischt öffentlich-privaten Finanzierung neu belebt werden. Genau das könnte Musk anbieten. Sein Weltraumunternehmen Spacex und Boeing arbeiten zusammen und wollen 2019 die ersten Astronautenmissionen testen. Zudem ist Musk bereits ein Grosskunde der Nasa. Letztes Wochenende brachte er zum achten Mal eine ­Trägerrakete für eine Sonde zum Spaceshuttle wohlbehalten wieder auf die Erde zurück. Was dabei auffiel: Musk benützte zum ersten Mal Anlagen des Kennedy Space Center in Florida. Hier hob 1981 zum ersten Mal ein Weltraum-Shuttle ab. Bis auf eine Ausnahme schoss die Nasa von hier aus alle Apollo-Missionen in den Weltraum, inklusive der Mondlandfähre der Apollo 11 im Jahr 1969.

Rettung für die Menschheit?

Bereits George W. Bush hatte eine erneute Mondlandung angepeilt. Der Kongress aber stellte das Projekt aus Budgetgründen zurück, bevor Präsident Obama es 2009 rasch und formlos beerdigte. Mit Trump und Musk sei das Vorhaben wieder auf dem Tisch, ist Historiker Brinkley überzeugt. Trump habe sich stark für Präsident Kennedy und dessen Aufholjagd im Weltraum gegenüber Russland interessiert gezeigt, so Brinkley. «Wenn ihm etwas Konkretes unterbreitet wird, so wird er es packen.» Die Mondmission von Trump könnte zudem die Tür zum Marsprojekt Red Dragon aufstossen, für das Musk sein privates Vermögen investieren will und das er als humanitäre Verpflichtung betrachtet, als Rettungsanker für die bedrohte Menschheit.

Eine Marsmission würde das Budget einer Regierung sprengen und den Widerstand der Republikaner provozieren. Diese Opposition glaubt der Tesla-Chef mit einer gemischt privat-öffentlichen Finanzierung überwinden zu können. Dank Musk sei nun im Weltraum vieles möglich geworden, erklärte vor kurzem der Trump-Berater und Ex-Parlamentschef Newt Gingrich. «Wenn es richtig angepackt wird, können wir zum Ende der ersten Amtszeit von Trump auf dem Mond sein und während seiner zweiten Amtszeit auch den Mars umrunden.» Ob Trump mitfliegen würde, ist fraglich, doch Musk ist nach eigenen Worten fest entschlossen, die erste Marskolonie persönlich zu begleiten.

Erstellt: 22.02.2017, 20:19 Uhr

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