Deutsche Windkraftflaute zwingt Schweizer Firmen zum Umdenken

Der Ausbau von Windparks in Deutschland kommt kaum mehr voran. Energieunternehmen in der Schweiz weichen aus.

Deutschland war lange eines der weltweit grössten Ausbaugebiete für Windkraft. Foto: Getty Images

Deutschland war lange eines der weltweit grössten Ausbaugebiete für Windkraft. Foto: Getty Images

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Das Urteil freut die Schweizer Windkraftbranche: In Lausanne sind Beschwerden gegen einen Windpark jüngst abgewiesen worden. Zwar ist damit der Park noch nicht gebaut, aber die Baubewilligungsphase kann eingeläutet ­werden. Eine solche Meldung hat Seltenheitswert. Die Schweizer Windkraft fristet ein Nischen­dasein, der Ausbau harzt. Anderssah die Situation in Deutschland aus. Das war ein Grund für Schweizer Energiefirmen, sich an Anlagen zu beteiligen.

Das ist schwierig geworden. In Deutschland – lange eines der weltweit grössten Ausbaugebiete für Windkraft – geht es kaum mehr vorwärts. Bürgerorganisationen wehren sich gegen neue Windparks in ihrer Nachbarschaft. Die Zeitdauer, in der neue Anlagen bewilligt werden, verlängert sich. Vielen Projekten geht das Geld aus. Die Argumente sind die gleichen wie in der Schweiz: Landschaftsschutz, Lärm, Sorge um Vögel und Insekten, zu geringe Distanzen zum Siedlungsgebiet.

Ausbau verschlechtert sich

Laut der deutschen Fachagentur für Windkraft sind im ersten Halbjahr so wenig neue Windräder installiert worden wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr. Im Vergleich zur durchschnittlich gebauten Kapazität der letzten Jahre sei dies ein Minus von 90 Prozent, schreibt die Agentur. Dazu kommt, dass in monatlichen Zuschlagsrunden für neue Windenergieanlagen sich die Negativrekorde häufen. Der Ausbau in Deutschland verschlechtert sich.

Schweizer Energiefirmen haben sich auf der Suche nach Investitionen in die Stromproduktion in ganz Europa umgeschaut. Fündig sind sie in der Vergangenheit auch in Deutschland geworden. Die Axpo etwa über die Tochtergesellschaft Volkswind. Diese ­betreibt in Deutschland zurzeit 12 Parks im Eigenbetrieb, weitere 6 sind in Betrieb, diese hat die Firma aber verkauft. «Es ist tatsächlich so, dass es in Deutschland derzeit schwierig ist, Windenergieprojekte erfolgreich voranzutreiben», sagt ein Sprecher. Das habe unterschiedliche Gründe: Einerseits seien es strengere regulatorische Vorgaben, andererseits die verstärkte Opposition gegen Windkraftanlagen. «Einzelne unserer Windparkprojekte in Deutschland sind deswegen derzeit blockiert», so der Sprecher weiter.

Auch Repower hat den deutschen Markt in der Vergangenheit für sich entdeckt und in Windkraft investiert. Dabei trifft Repower laut einem Sprecher noch auf ein weiteres Problem: Um die wenigen Windkraftprojekte ist ein regelrechter Kampf entstanden. Dabei sei auch viel Geld mit im Spiel, etwa von Fonds, sagt ein Sprecher von Repower. «Repo­wer selbst wurde auch schon überboten bei einem Windkraftprojekt in Deutschland.» Dazu komme, dass man bereits während des Bewilligungsverfahrens technische Details etwa zum Modell angeben müsse, das man später nutze. Dabei würden sich nach den teilweise langjährigen Verfahren die technischen Gegebenheiten deutlich verändern.

Fokus auf andere Märkte

Die generell einkaufsfreudige BKW will in Zukunft auch weiter in Wind investieren. Man beobachte zurzeit den Markt, auch in Deutschland. «Grundsätzlich sind interessante Projekte in Deutschland weniger geworden, dennoch gibt es immer wieder welche auf dem Markt», sagt ein Sprecher.

Für die Schweizer Energiefirmen bleibt wegen der Situation in Deutschland ein Ausweg: sich auf andere Märkte, vor allem in Europa, zu konzentrieren. Repower tut dies in Italien, wo die Firma schon länger Kraftwerke betreibt. Die Axpo sieht vor allem in Frankreich Möglichkeiten, sich weitere Parks zuzukaufen oder aufzubauen. «Der Windkraftausbau kommt in Frankreich aktuell sehr gut voran», sagt ein Sprecher. Gleich 13 Anlagen sind derzeit in Planung bei der Axpo-Tochter Volkswind in Frankreich. In Deutschland sind es gerade mal 3.

Erstellt: 07.10.2019, 22:24 Uhr

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