Zum Hauptinhalt springen

Dicke Post aus Amerika

US-Hedgefonds-Manager halten jetzt das grösste Aktienpaket an Clariant. Und sie machen Stimmung gegen die geplante Fusion mit der US-Firma Huntsman.

Huntsman-Präsident Peter Huntsman (links) und Clariant-Chef Hariolf Kottmann anlässlich einer Medienorientierung im Mai in Zürich. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)
Huntsman-Präsident Peter Huntsman (links) und Clariant-Chef Hariolf Kottmann anlässlich einer Medienorientierung im Mai in Zürich. Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

David Millstone und David Winter haben die letzten Sommertage für Einkäufe genutzt. Die beiden Co-Chefs der Investmentgesellschaft 40 North und der Industriegruppe Standard Industries erwarben weitere Aktien des Spezialchemiekonzerns Clariant. Zusammen mit Keith Meister vom Hedgefonds Corvex halten sie nun über das gemeinsame Investitionsvehikel White Tale Holdings 15,1 Prozent an Clariant. Das gaben sie am Dienstagmorgen in einem offenen Brief bekannt. Der Wert des Pakets: rund 1,1 Milliarden Franken.

Keine gute Nachricht für die Adressaten des Briefs, Clariant-Präsident Rudolf Wehrli und Clariant-Chef Hariolf Kottmann. Denn damit haben die Amerikaner die bislang grösste Eignergruppe überflügelt, bestehend aus 33 Aktionären der früheren deutschen Süd-Chemie, die 2011 von Clariant geschluckt worden war. Diese Gruppe mit einem Aktienanteil von 13,96 Prozent hat sich bis jetzt in wohlwollender Art zur geplanten Fusion von Clariant mit der amerikanischen Huntsman verhalten.

Die neue Konstellation lädt zum Rechnen ein: Um die Fusion durchzubringen, müssen an der noch nicht bestimmten ausserordentlichen Generalversammlung zwei Drittel der anwesenden Clariant-Aktionäre zustimmen. In der Regel sind es zwischen 50 bis 55 Prozent der Stimmen, die an GVs teilnehmen. In diesem Falle fehlten den aufmüpfigen Amerikanern noch wenige Prozent der Stimmen, um die Fusion zu verhindern. Im Clariant-Management ist man indessen überzeugt, dass über 70 Prozent der Stimmen an der ausserordentlichen Generalversammlung auftauchen werden. Wie die Stimmung im übrigen Aktionariat (Banken, Investmentgesellschaften usw.) derzeit ist, lässt sich nicht sagen.

Grosses Missfallen

In ihrem offenen Brief unterstreichen die drei Amerikaner, weshalb ihnen das Zusammengehen mit Huntsman zutiefst missfällt. Offenbar hatte man mit Cla­riant und deren Beratern in den letzten zwei Monaten Gespräche geführt, die allerdings nichts gefruchtet hatten.

Mit der geplanten Transaktion werfe Clariant erstens ihre eigene Strategie, zu einem klar ausgerichteten Spezialchemieunternehmen zu werden, über den Haufen. Huntsman sei weitaus weniger fokussiert. Zweitens werde die Clariant-Aktie deutlich schlechter bewertet als jene von Huntsman. Drittens gebe Cla­riant die operationelle Kontrolle aus der Hand, ohne dafür eine Prämie zu erhalten. Gemäss Fusionsvertrag soll Hariolf Kottmann, der Chef von Clariant, das Verwaltungsratspräsidium übernehmen, während die operative Leitung an Peter Huntsman geht. Faktisch würde der Konzernsitz in die USA verlegt, in der Schweiz verbliebe lediglich der juristische Sitz. Dabei lasse der operative Leistungsausweis des Huntsman-Managements sehr zu wünschen übrig, heisst es im Brief von White Tale Holdings.

Und viertens könne Clariant die bei der Fusion angeblich erreichbaren Kosteneinsparungen von 400 Millionen Franken zu einem Grossteil in eigener Regie erzielen und müsste nicht die Hälfte an die Huntsman-Aktionäre abtreten. In die gleiche Richtung zielt die Forderung, die zur Disposition stehende Clariant-Division Plastics and Coatings jetzt zu verkaufen, statt nach der Fusion. Die erzielten Mittel müssten ebenfalls nicht mit Huntsman geteilt werden.

Unter dem Strich, so die oppositionellen Aktionäre, zeige sich, dass die Cla­riant-Spitze keine seriöse Abklärung alternativer Möglichkeiten getroffen habe, wie der Unternehmenswert für die Aktionäre gesteigert werden könne. Es sei an der Zeit, dass eine unabhängige Investmentbank angeheuert werde, welche alle strategischen Alternativen evaluiert.

Im Kleingedruckten des Fusionsabkommens findet sich auch, was passiert, wenn der Deal nicht zustande kommt. Tritt eine Seite zurück, werden 210 Millionen Franken an die Gegenseite fällig. Sagen die Aktionäre Nein, sind es «nur» 60 Millionen Franken.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch