Die Abzocker von Youtube

Immer mehr Wirtschaftsberater wenden sich übers Internet an ein junges, unerfahrenes Publikum. Das kann gefährlich werden.

Laien als Berater: Die Finanzblogger erklären auf ihren Youtube-Kanälen zum Beispiel, wie man Aktien kaufen kann.

Laien als Berater: Die Finanzblogger erklären auf ihren Youtube-Kanälen zum Beispiel, wie man Aktien kaufen kann. Bild: Nicolas Armer/Keystone

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Youtuber sind die Popstars des 21. Jahrhunderts. Sie geben ihren oftmals jungen Fans Lebensweisheiten aller Art an die Hand, sie sind zu Gast auf roten Teppichen und werben für grosse Unternehmen. Inzwischen versorgen Youtuber und Blogger die Menschen auch mit Finanztipps. Man sollte diese Angebote nicht per se verteufeln. Dennoch müssen Eltern und Institutionen die Gefahren, die sie bergen, erkennen – und entsprechend handeln.

Die Finanzblogger erklären auf ihren Websites oder ihren Youtube-Kanälen zum Beispiel, wie man Aktien kaufen kann oder was hinter einer Dividende steckt. Sie informieren, sie ordnen ein; teilweise durchaus differenziert. Manche berichten stolz von ihren Erfolgen am Kapitalmarkt, andere rufen aber auch ungehemmt dazu auf, sich auf hoch riskante Hebelprodukte einzulassen.

Laien als Berater

Viele der Blogger sind selber Laien, die nie einen branchennahen Beruf erlernt haben, sondern sich selbst ins Thema eingelesen und einfach mal gemacht haben. Sie drücken sich aus wie Schulfreunde oder Kommilitonen und nicht wie Bankberater. Es mag viele befremden, dass junge Menschen auf Laien vertrauen, die sie nicht mal persönlich kennen. Doch die Youtuber sind nun mal da. Jetzt gilt es, die Nutzer vor dubiosen Anbietern zu schützen.

Zuallererst sind die Eltern gefragt. Auch wenn Junge erst dann im eigenen Namen mit Wertpapieren handeln dürfen, wenn sie volljährig sind: Ihre Eltern können die Kinder sensibilisieren. In diesem Punkt unterscheiden sich Kanäle, in denen Youtuber über Mode und Lifestyle sprechen, nicht wesentlich von ähnlichen Angeboten, bei denen es um Finanzen geht. In beiden Fällen reden Selbstdarsteller über Themen, die sie interessieren, und bekommen Geld von Sponsoren. Sie agieren also nicht unabhängig.

«Manche animieren dazu, auf riskante Produkte zu setzen.»

Derzeit rutschen die jungen Konsumenten bei Youtubern in eine Wissenslücke, die eigentlich der Staat füllen müsste. Heute lernen die meisten Menschen weder in der Schule, wie man sein Geld anlegen kann, noch erklärt ihnen während der Ausbildung oder an der Uni jemand, was der Unterschied zwischen passiven und aktiven Fonds ist und bei welchen Finanzprodukten die Anleger im schlimmsten Fall alles verlieren können.

Von ihren Eltern dürfen junge Menschen wenig konkrete Hilfe erwarten, denn den meisten von ihnen ging es Jahrzehnte früher nicht anders. Zumindest die Grundlagen der Geldanlage müssten Jugendliche in der Schule lernen, um die Inhalte aus dem Netz später kritisch hinterfragen zu können. Statt Lücken zu füllen, müssen Aktien-Youtuber zur – teilweise durchaus sinnvollen – Ergänzung werden.

Zudem sollten Institutionen und Gesetzgeber die neue Generation der Finanzratgeber beobachten. Die Verbraucherzentralen etwa weisen seit Jahren auf dubiose Anbieter auf dem grauen Kapitalmarkt hin und leisten Aufklärungsarbeit.

Sonst halt mit dem Gesetz

Gegebenenfalls muss auch der Gesetzgeber ran. Die Vorschriften, die regeln, was Youtuber und Blogger dürfen, ohne im Verlustfall haften zu müssen, sind derzeit vage formuliert. Die digitalen Ratgeber können nur dann zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie ihren Nutzern individuelle Kaufempfehlungen statt allgemeiner Tipps geben. Wo das eine aufhört und das andere anfängt, ist bislang nicht klar geregelt.

Die Finanzberater aus dem Internet haben das Potenzial, junge Menschen an Geldthemen heranzuführen und vielleicht sogar ältere Generationen mitzureissen. Das ist eine gute Nachricht – solange sich die oftmals jungen Nutzer bewusst machen, dass die wenigsten Youtuber eine völlig unabhängige Meinung unters Volk bringen und manche für gefährliche Produkte werben. Beides sind Eigenschaften, welche diese mit vielen professionellen Finanzberatern gemein haben.

Erstellt: 31.05.2017, 19:48 Uhr

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