Die Faszination Trump oder das wahre WEF

Mit keinem Wort erwähnte der US-Präsident am WEF das Klima. Und dürfte damit vielen aus der Seele gesprochen haben.

Er sprach vor allem zu seinem Publikum in den Staaten: Donald Trump mit WEF-Gründer Klaus Schwab auf der Bühne. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Er sprach vor allem zu seinem Publikum in den Staaten: Donald Trump mit WEF-Gründer Klaus Schwab auf der Bühne. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

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Geschlagene 20 Minuten betete der mächtigste Mann der Welt Erfolgsstatistiken herunter, von der Arbeitslosigkeit der amerikanischen Jugendlichen bis zur Wiederansiedlung der Industrie in Amerika. Optimismus pur, seine Präsidentschaft ist eine glasklare Erfolgsgeschichte. Der Handelskrieg mit China: Auch der hat sich zum Guten gewendet, für Amerika natürlich, und vor allem auch für den kleinen Mann, der Trump wiederwählen soll. Überhaupt, wer Trump zuhörte, der glaubte zeitweise, er habe einen Sozialdemokraten alter Schule vor sich.

Trump sagte in seiner Rede das, was die Bosse hören wollten

Manchmal mimte Trump aber auch den Wirtschaftsliberalen. Dank billiger Energie, weniger Vorschriften, tieferer Steuern und einer Regierung, die nationale Interessen über alles stellt, geht es den USA besser denn je. Glücklicherweise, so Trump, färbt das ja noch auf den Rest der Welt ab. Weil die US-Wirtschaft zieht und weil die Welt in ihm, Donald Trump, ein Vorbild dafür hat, wie man es richtig macht. Klima, Flüchtlinge oder die Krise im Nahen Osten, all das kam im rosigen Bild, das Trump von seinem Heimatland malte, überhaupt nicht vor, das Impeachment gegen ihn schon gar nicht.

Natürlich richtete er seine Rede vor allem an das heimische Publikum, das ihn wiederwählen soll – und dies wohl auch tut. Doch die Botschaft kam sehr wohl auch bei seinen Zuhörern in Davos an – wenigstens bei der Mehrheit von ihnen, den Managern und Vertretern der Wirtschaft. Sie sagten es zwar nicht laut, aber von jenen Firmenchefs, die sich in Davos versammeln, haben etliche genug von der ewigen Klimadiskussion, die für viele nur die Laune verdirbt und das Geschäft stört. Greta, die seit eineinhalb Jahren die Jugend beschäftigt, haben sie sowieso nie ernst genommen.

In diesem Sinne repräsentierte die Rede Trumps viel besser das, was das Publikum wirklich will, als all die schönen Worte in den Broschüren des Weltwirtschaftsforums. Doch manchmal hätte man sich trotzdem gewünscht, Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hätte in ihrer Eröffnungsrede wenigstens etwas von der Erfolgsgeschichte der Schweiz erzählt, die ja mindestens so eindrücklich ist wie die Trumps.

Erstellt: 21.01.2020, 19:58 Uhr

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