Die Geldschleusen bleiben noch lange weit offen

Der heutige Entscheid der Europäischen Zentralbank bedeutet, dass eine Normalisierung der Geldpolitik sich auch in der Schweiz noch lange verzögert.

Die Europäische Zentralbank drosselt ab Januar das umstrittene Anleihen-Kaufprogramm. Die Ankündigung hat Auswirkung auf den Euro-Frankenkurs. Video: AFP

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Eine geldpolitische Normalisierung zeichnet sich in der Eurozone und damit auch in der Schweiz noch für längere Zeit nicht ab. Das ist die wichtigste Folgerung der heutigen Verlautbarungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Die EZB wird ihre Geldmenge noch für längere Zeit weiter ausdehnen und ihre Zinsen kaum vor dem Jahr 2019 anheben. Das wird deshalb auch die Schweizerische Nationalbank nicht können.

Der Reihe nach:

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Käufe von Staatsanleihen ab dem nächsten Jahr zu reduzieren, ist weitgehend erwartet worden. Auch die Reduktion der Käufe um die Hälfte auf 30 Milliarden pro Monat ab Januar 2018 – aktuell sind es 60 Milliarden Euro – liegt im Bereich dessen, was im Vorfeld genannt wurde. Diese Käufe sind eine aussergewöhnliche Massnahme, um die Märkte mit Geld zu fluten, weil die Leitzinsen als übliches Instrument der Notenbank nicht mehr zur Verfügung stehen. Denn diese befinden sich bereits auf extrem tiefen Niveaus – im Fall des Depositensatzes für die Banken sogar mit –0,4 Prozent im negativen Bereich.

Trotz der Reduktion macht die EZB aber keine klare Aussage, wann sie diese Käufe beendet. Bis zum September 2018 sollen sie auf jeden Fall mit der reduzierten Summe monatlich fortgesetzt werden. Für die Zeit danach hält sich die Notenbank alle Optionen offen. Sollte sich die Wirtschaftslage und vor allem die Inflation nicht wie gewünscht entwickeln, sollen die Käufe dann sogar wieder ausgeweitet bzw. verlängert werden. Die für die Notenbank nach wie vor zu tiefe Inflation ist der Hauptgrund für die anhaltende Geldschwemme durch die EZB.

Wie die EZB heute erneut betont hat, sollen die Zinsen eh erst deutlich nach diesem ungewissen Ende der Käufe angehoben werden. Damit ist ein Zeitpunkt im nächsten Jahr für einen solchen Schritt praktisch ausgeschlossen. Weil die Schweizerische Nationalbank auf jeden Fall eine neue deutliche Aufwertung des Frankens verhindern will, kann auch sie nicht früher als die EZB handeln, da sonst Anlagen in der Schweizer Währung an Attraktivität zulegen würden. Das hat auch zur Folge, dass uns die wenig geliebten Negativzinsen noch für längere Zeit begleiten werden.

Die Geldpolitik in Europa bleibt damit noch lange Zeit äusserst expansiv und unterscheidet sich damit fundamental von jener in den USA. Zinserhöhungen, die dort schon eingeleitet wurden, sind im Euroraum und in der Schweiz bis mindestens 2019 keine zu erwarten, dasselbe gilt für eine Reduktion der Geldmenge. Diese nimmt im Euroland weiter zu, nur in einem geringeren Ausmass, während die US-Notenbank ihre Bilanz zu reduzieren beginnt.

Erstellt: 26.10.2017, 18:55 Uhr

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