Die goldenen Jahre sind vorbei

Schlechte Prognosen, fallende Preise: Warum Gold keine sichere Anlage mehr ist.

Wer vor einigen Jahren auf Gold setzte, ist enttäuscht worden: Goldbarren in der Zürcher Kantonalbank. Foto: Thomas Burla

Wer vor einigen Jahren auf Gold setzte, ist enttäuscht worden: Goldbarren in der Zürcher Kantonalbank. Foto: Thomas Burla

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Wer auf Gold gesetzt hat, der braucht starke Nerven. Vor sechs Jahren hatte das Edelmetall einen neuen Rekordpreis von 1900 Dollar pro Unze erreicht. Die Investoren jubilierten. Vorausgegangen war eine zehnjährige Phase, in der die Notierungen fast ununterbrochen höher geklettert waren. Doch seither fielen sie stark zurück. Gold hat seit dem Allzeithoch im September 2011 mehr als ein Drittel an Wert verloren.

Das Tückische dabei: Immer wieder begannen die Investoren vergeblich Hoffnung zu schöpfen. So sah es Ende 2015 danach aus, als ob sich der Goldpreis nachhaltig erholen würde. Doch der Aufschwung fiel wieder in sich zusammen. Und Anfang dieses Jahres wiederholte sich dieses Szenario. Nach einem fulminanten Start bis Mitte April geriet der Goldpreis erneut unter Druck. Heute steht er bei rund 1260 Dollar und damit in etwa wieder dort, wo er vor sieben Jahren stand.

Für Schweizer Investoren sieht die Bilanz nochmals düsterer aus. Denn sie rechnen in Franken ab. Und da die hiesige Währung seit Anfang Jahr gegenüber dem Dollar deutlich erstarkt ist, sind die Gewinne der Goldinvestoren fast ausradiert worden. Und die Experten glauben nicht, dass sich daran so schnell etwas ändert. «Gold gilt nicht mehr als sicherer Hafen», sagt Peter Rosenstreich. Selbst die Gefahr einer Eskalation zwischen Nord- und Südkorea habe den Preis nicht nach oben getrieben, erklärt der Marktstratege der Swissquote-Bank. Das sei zuvor völlig anders gewesen. In der Finanzkrise hatten sich viele in Gold geflüchtet, weil sie anderen Anlageformen nicht trauten.

Doch das ist nicht der einzige Grund, der für den Anlageexperten gegen Gold spricht. Die Zeit der lockeren Geldpolitik der Notenbanken sei vorbei, so Rosenstreich. «Die Zinsen steigen langsam wieder. Dadurch wird Gold unattraktiver, da es ja keine Zinsen abwirft», sagt der Swissquote-Analyst. Hinzu kommt derzeit eine nachlassende Nachfrage aus Indien, dem grössten Absatzmarkt für das Edelmetall der Welt. Dort wird es vor allem bei der ländlichen Bevölkerung in Form von Schmuck noch immer als wichtiges Wertaufbewahrungsmittel angesehen. Eine Erhöhung der indischen Umsatzsteuer auf Gold bremst aber derzeit die Verkäufe.

«Renditepotenzial überschätzt»

Die Prognosen für Gold sind deshalb wenig glänzend. «Wir sind ziemlich pessimistisch», so Rosenstreich. Er sieht die Unze in zwölf Monaten bei rund 1050 Dollar, also rund 15 Prozent tiefer als heute. Nicht ganz so negativ ist man bei der Bank Julius Bär eingestellt. Es gebe neben den negativen Faktoren auch einen positiven. «Viele Investoren kaufen noch immer Gold. Das stützt», sagt Rohstoffexperte Carsten Menke. Er sieht den Preis in einem Jahr deshalb in etwa dort, wo er heute steht.

Da versprechen aber andere Anlageklassen mehr. Menke gibt denn allgemein auch zu bedenken: «Das Renditepotenzial wird bei Goldanlagen generell überschätzt, das Risiko dagegen unterschätzt.» Zudem würden Frankenanleger das Renditepotenzial von Gold nie wirklich ausschöpfen können. «Wer in Franken rechnet, fährt mit Gold ganz allgemein viel schlechter als einer, der in Dollar rechnet. In den letzten 40 Jahren betrug die Renditedifferenz 2,4 Prozent pro Jahr. Das ist sehr relevant.»

Erstellt: 28.07.2017, 08:49 Uhr

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