Die günstigste Hypothek ist nicht unbedingt die beste

Per Zinsvergleich zur Hypothek: Warum Online-Plattformen für die Kunden nicht nur Vorteile bieten.

Wer es sich leisten kann, legt sein Geld in Immobilien an: Mehrfamilienhäuser in Winkel ZH. Foto: Urs Jaudas

Wer es sich leisten kann, legt sein Geld in Immobilien an: Mehrfamilienhäuser in Winkel ZH. Foto: Urs Jaudas

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Die Postfinance hat Valuu, die Helvetia-Versicherung Moneypark, und seit Oktober kann jeder auf Hypotheke.ch seine Wunschhypothek per Zinsvergleich finden – bequem per Mausklick von der heimischen Couch aus. Die Zahl der Vergleichsangebote und Onlineplattformen, auf denen sich die günstigsten Hypotheken filtern lassen, nimmt in der Schweiz laufend zu.

Das Bedürfnis ist da, denn die Hypozinsen sind so tief wie nie, und wer es sich leisten kann, legt sein Geld in Immobilien an. Das ist nicht zuletzt dem anhaltend tiefen Zinsumfeld und dem daraus resultierenden Anlagenotstand geschuldet.Immobilien bringen noch Rendite. Und bei Hypothekarzinsen von unter einem Prozent für eine zehnjährige Festhypothekschaut der potenzielle Hauskäufer ganz genau hin, wenn es um günstige Zinsen geht.

Das nutzt das Start-up Hypotheke.ch. Die Onlineplattform bringt Kreditnehmer und -geber zusammen. «Wir verstehen uns mehr als Datenaufbereiter und weniger als klassischen Hypothekenmakler», sagt Florian Schubiger, Gründer der Vermögenspartner AG, die hinter Hypotheke.ch steht.

Ein Algorithmus berechnet die beste Finanzierung. Unterlagen müssen dafür keine vorgelegt, einzig ein Onlinefragebogenausgefüllt werden. Der Algorithmus liefert dann verschiedene anonyme Angebote. 119 Franken zahlt der Hypothekarsuchende, wenn er mit dem Kreditinstitut seiner Wahl in Kontakt treten will.

Schweiz hinkt im internationalen Vergleich hinterher

14 Kreditgeberkonnte das Start-up schon gewinnen. Seit Oktober wurden mehr als zwanzig Hypotheken mit einem Gesamtwert von 13 Millionen Franken vermittelt. Die Plattform finanziert sich nach eigenen Angaben ausschliesslich über die Beiträge der Kunden.

«Vermittler und Onlineplattformen sind definitiv in der Schweiz angekommen», sagt Comparis-Finanzexperte Frédéric Papp. Wieviel Potenzial noch im Vermittlungsgeschäft stecke, zeige der Blick ins Ausland: In Deutschland und Frankreichbetrage der Marktanteil dieser Plattformen am Hypothekargeschäft zwischen 30 und40 Prozent. In Grossbritannien liegt er laut der UBS bei 70 Prozent. In der Schweiz hingegen liegt er erst zwischen 3 und 4 Prozent.

Das Hypothekarvolumen in der Schweiz wächst seit Jahren. Es beträgt mittlerweile mehr als eine Billion Franken. Die meisten Hypotheken werden immer noch von den Kantonalbanken vergeben. Bereits 2014 lancierte die Schwyzer Kantonalbankdie Onlineplattform E-hypo.ch. Auch Scout 24 bietet mit Finance Scout 24 neu den Vergleich und Abschluss von Hypotheken. Auch die Valiant Bank testet eine Vergleichsplattform.

Die UBS will den Bereich des selbstgenutzten Wohneigentums ebenfalls mit einer Onlineplattform erobern. Die Grossbank strebe «die Führerschaft in diesem rasch wachsenden Marktsegment an», heisst es in einer Mitteilung. Die Plattform soll Mitte 2020 aufgeschaltet werden und mittelfristig ein Vermittlungsvolumen von 5 bis 10 Milliarden Franken erreichen.

Unerwartete Gegengeschäfte

Ist die Zurückhaltung der Schweizer Hypothekarnehmer gerechtfertigt? «Bei einer Hypothek geht es um mehr als um einen einfachen Zinsvergleich», sagt Lorenz Heim, Chef der Hypothekenzentrum AG. Der Abschluss eines Kreditgeschäfts müsse ähnlich genau überlegt werdenwie eine Geldanlage. Zudem müssten wichtige Fragen geklärt werden: Will ich eine Fest- oder Liborhypothek oder einen Mix? Das sei nicht bei jedem Anbieter möglich.

Ein Problem sieht Heim in der Anonymität der Kreditgeber. Der Kunde entscheidet anhand der Zinssätze. «Der günstigste Anbieter ist letztlich nicht unbedingt auch der mit dem besten Angebot», sagt Heim. «Solche Angebote sind meistens an konkrete Gegengeschäfte gekoppelt, zum Beispiel an ein Vermögensverwaltungsmandat.»

«Was bringt mir eine Einsparung von 0,1 Prozent, wenn ich mit einer Firma einen Vertrag abschliesse, die ich kaum kenne?»Lorenz Heim, Chef Hypothekenzentrum AG

Plattformen wie Hypotheke.ch würden mit tiefen Zinsen von bis zu 0,51 Prozent auf zehnjährige Festhypotheken werben. «Diese bekommt man aber nur, wenn man einen hohen Eigenkapitalanteil einschiesst und eine hohe Bonität hat», sagt Heim. Auch bei Kreditgebern seien die Vermittlungsplattformen nicht immer gern gesehen. Viele machten bewusst nicht mit: «Kritische Kunden, die nur den billigsten Zins suchen, sind nicht unbedingt Wunschkunden», sagt der Experte.

Dass in der Schweizimmer noch wenige Hypotheken über Plattformen abgeschlossen werden, liegt laut Heim daran, dass nur billig nicht immer gewünscht sei. Auch die Qualität müsse stimmen. «Was bringt mir eine Einsparung von 0,1 Prozent», fragt Heim, «wenn ich mit einer Firma einen Vertrag abschliesse, die ich kaum kenne?»

Erstellt: 12.12.2019, 16:00 Uhr

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