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Die Liebe der Schweiz zum Bargeld hat gute Gründe

Privatsphäre bekommt in Zeiten der Turbodigitalisierung eine neue Bedeutung.

So sieht die neue 200er-Note der Schweiz aus: Präsentation der SNB in Zürich. Video: SDA/Tamedia

In der Lehrbuchwelt der Wirtschaftswissenschaften hätten Events wie die gestrige Vorstellung der neuen 200er-Note keinen Platz. Denn der «Homo oeconomicus» ist ein kühl berechnender Mensch, der auch Dingen wie Geld vollkommen emotionslos gegenübersteht. Aber so sind wir nicht.

Geld ist mehr als nur ein Tauschmittel, und vor allem Bargeld ist emotional aufgeladen. Und es sichert etwas zu, was in der Zeit der Turbodigitalisierung immer stärker abhandenkommt: Anonymität und Privatsphäre.

Im Ausland wird die Schweiz wegen ihrer ungebrochenen Liebe zum Bargeld oft belächelt. Denn noch immer werden hierzulande die meisten Transaktionen in bar abgewickelt. Das passt prima zum so oft ventilierten Klischee der hinterwäldlerischen Schweiz. Gerne halten dann Ökonomen der Schweiz Schweden als Vorbild vor: In dem skandinavischen Land geht der Bargeldumlauf zurück. Schweden ist auf dem Weg zur bargeldlosen Gesellschaft.

Ob das Beispiel Schweden international Schule machen wird, darf bezweifelt werden. Denn der bargeldlose Verkehr mag insgesamt viel kostengünstiger sein. Doch er hat einen nicht zu tilgenden Nachteil: Jede Transaktion hinterlässt Spuren.

Daher ist es kein Wunder, dass Länder wie China enorm Richtung digitales Bezahlen drängen. Den Verantwortlichen eröffnet sich damit eine weitere Möglichkeit, die eigene Bevölkerung zu kontrollieren.

Wer weiss: Wenn in ein paar Jahren von den Zahlungsplattformen vielleicht nur noch die chinesische Alipay und eine US-Plattform wie Paypal übrig bleiben, können Nutzer nur noch entscheiden, ob die chinesische Regierung oder der US-Geheimdienst seine Nase in die Geldströme stecken kann. Spätestens dann erscheint die Liebe der Schweizer zu Bargeld nicht hinterwäldlerisch, sondern visionär.

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