Die OECD empfiehlt der Schweiz Rentenalter 67

Die Wirtschaftsorganisation fordert, das Pensionsalter für Frauen an jenes der Männer anzugleichen – und es für beide anzuheben.

Nach der Vorstellung der OECD sollen die Leute länger von Lohnarbeit leben. Foto: Thomas Tolstrup (Getty Images)

Nach der Vorstellung der OECD sollen die Leute länger von Lohnarbeit leben. Foto: Thomas Tolstrup (Getty Images)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie kann die Schweiz die Herausforderungen des demografischen Wandels meistern? Im gestern erschienenen Länderbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Schweiz kommen die Autoren zu folgendem Schluss: Noch würde das Rentensystem in der Schweiz angemessene Einkommen im Ruhestand ermöglichen, halten die Autoren fest. Doch das sei für die Zukunft nicht mehr gewährleistet. Deshalb fordert die OECD, dass das Rentenalter angehoben wird.

Die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft unterscheiden sich in der Schweiz wenig von jenen in anderen entwickelten Ländern. Eine sinkende Geburtenrate gekoppelt mit einer längeren Lebenserwartung führt zu einer Verringerung des erwerbstätigen Bevölkerungsanteils. Dieser muss mit seinen Einkommen auch die Finanzierung der Sozialversicherungen und weiterer gesellschaftlicher Kosten sicherstellen.

Künftig ein Drittel über 65

Umgekehrt wächst der Anteil der Bevölkerung, der von angesparten Einkommen und Beiträgen der Sozialversicherungen lebt – und dies für eine längere Zeit als früher. Konkret wird laut OECD der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen in der Schweiz in den kommenden Jahrzehnten auf 30 Prozent steigen und damit auf einen höheren Anteil als im Mittel der 36 Mitgliedsstaaten der OECD.

Die Lebenserwartung in der Schweiz sei seit der Festlegung des gesetzlichen Rentenalters im Jahr 1948 um acht Jahre gestiegen, heisst es im Bericht. Trotz jüngster Reformen in der ersten Säule – der AHV – bleibe deren Nachhaltigkeit eine Herausforderung. Die altersbedingten Kosten drohten generell andere öffentliche Ausgaben zu verdrängen. Zu diesen Kosten zählen auch jene für die Pflege. Mehr als ein Fünftel aller über 65-Jährigen nehme bereits jetzt Leistungen der Langzeitpflege in Anspruch.

Gemäss der OECD würden die Massnahmen bezwecken, dass die Leute länger von Lohnarbeit leben und länger Beiträge an die AHV zahlen.

Die von der OECD vorgeschlagenen Reformen enthalten politischen Zündstoff. Die Forderung: In einem ersten Schritt soll das gesetzliche Rentenalter der Frauen an jenes der Männer auf 65 angeglichen werden. In einem zweiten das Rentenalter für alle auf 67 Jahre steigen. Zuletzt soll es an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt werden.

Der Zweck der Massnahmen: Damit würden die Leute länger von Lohnarbeit leben und länger Beiträge an die AHV sowie die übrigen Säulen der Altersvorsorge zahlen. Ausserdem würde sich die Zeit des Rentenbezugs verkürzen. Um die zweite Säule zu entlasten, schlägt die OECD auch einen tieferen Umwandlungssatz vor – das ist jener Satz, mit dem die Renten aus dem Pensionskapital berechnet werden.

Der Satz soll zudem flexibler per Verordnung angepasst werden können. Um die Chancen älterer Leute auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, fordern die Autoren der Studie zudem eine Flexibilisierung des Lohnsystems. Womit vor allem gemeint ist, dass solche Lohnzulagen reduziert werden sollen, die allein durch ein höheres Alter begründet werden.

«Eine nützliche Sicht»

Dass die Vorschläge der Organisation in der Schweiz kaum auf ungeteilte Zustimmung fallen dürften, drückt sich in der Reaktion von Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch an der Pressekonferenz am Montag aus: «Der Bericht ist eine nützliche Sicht von aussen. Wir begrüssen die Forderungen im Grundsatz, konkrete Vorschläge müssen allerdings eine Mehrheit finden», sagte die Chefin des Staatssekretariats für Wirtschaft.

Der OECD-Ökonom Alvaro Pereira verteidigte dagegen die Einschätzung seiner Institution: «Das System so zu belassen, wie es ist, ist nicht nachhaltig.»


So gross wird Ihre Rentenlücke Wie viel Geld werden Pensionierte künftig zur Verfügung haben? Neue Berechnungen zeigen, wer im Alter mit Einbussen rechnen muss.

Erstellt: 05.11.2019, 06:04 Uhr

Artikel zum Thema

Schweizer Bevölkerung überschreitet 8,5-Millionen-Grenze

Ausser in zwei Kantonen ist die Einwohnerzahl überall im Land angestiegen. Mehr...

OECD-Pläne bereiten der Schweiz Sorgen

Die OECD strebt eine Harmonisierung bei der Besteuerung von multinationalen Konzernen an. Nun hat sie einen Vorschlag veröffentlicht. Mehr...

So gross wird die Rentenlücke

Wie viel Geld werden Pensionierte künftig zur Verfügung haben? Neue Berechnungen zeigen, wer im Alter mit Einbussen rechnen muss. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Willkommen auf dem E-Bauernhof

Im Jahr 2050 gilt es, 9,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Somit muss bis dann die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent erhöht werden.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Fliegende Körner: Ein Bauer erntet Reis auf einem Feld in Nepal. (15. November 2019) A farmer harvests rice on a field in Lalitpur, Nepal November 15, 2019.
(Bild: Navesh Chitrakar ) Mehr...