Venezuelas Ölspur führt in den Zürcher Kreis 1

Ein Vermögensverwalter in der Zürcher Altstadt ist in einen Schmiergeldfall rund um die Entourage von Hugo Chávez involviert.

Eine Schweizer Finanzfirma organisierte für venezolanische Spitzenbeamte Konten bei der Credit Suisse. Foto: Keystone

Eine Schweizer Finanzfirma organisierte für venezolanische Spitzenbeamte Konten bei der Credit Suisse. Foto: Keystone

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Das Haus zum Schwert befindet sich im Herzen von Zürichs Altstadt, direkt am linken Limmatufer. Ein Mieter, der aus dem Fenster schaut, blickt auf die Gemüsebrücke, sieht das Rathaus, die Zunfthausfassaden des Limmatquais, die Doppeltürme des Grossmünsters. An dieser exklusiven Lage residiert eine Vermögensverwaltung, gegründet 2004: die Eagle Wealth Management AG.

Diese Firma taucht in einem riesigen Schmiergeldfall auf, der in Spanien, Venezuela und den USA für Schlagzeilen sorgt, wie Recherchen zeigen.

Fünf hohe Ex-Funktionäre des Regimes von Hugo Chávez stehen unter Anklage der USA. Vier von ihnen hat die spanische Polizei verhaftet, unter anderem Ex-Vize-Energieminister Nervis Villalobos. Die USA fordern ihre Auslieferung. Der Vorwurf: Geldwäscherei im grossen Stil. Die mutmasslich korrupten Beamten hatten Einfluss im nationalen Ölkonzern PDVSA; sie liessen sich laut Anklage von zwei Lieferanten bestechen, Roberto Rincón und Abraham Shiera. Im Gegenzug erhielten die beiden Aufträge zugeschanzt. Rincón und Shiera haben Geständnisse abgelegt.

Über 27 Millionen Dollar flossen auf Schweizer Konten

Von der Affäre ist auch der Schweizer Finanzplatz betroffen: Zwischen 2011 und 2013 flossen über 27 Millionen Dollar an die fünf Beamten auf neun Schweizer Konten, mehrere davon bei der Credit Suisse.

Die Ex-Chávez-Beamten gingen aber nicht direkt zu Schweizer Banken, um Konten zu eröffnen. Laut der US-Anklageschrift wandten sie sich an eine «Swiss Company A», welche für sie Konten eröffnete. Mehrere Quellen bestätigen Tagesanzeiger.ch/Newsnet unabhängig voneinander, dass es sich dabei um die Zürcher Eagle Wealth Management AG handelt.

Getarnte Zahlungen

Eagle Wealth will dazu keine Auskunft geben. Eine Mitarbeiterin sagt am Telefon lediglich, man nehme keine Stellung, und beendet das Gespräch sogleich. Eine detaillierte Nachfrage per E-Mail bleibt unbeantwortet.

Aus der US-Anklage ergibt sich, dass ein Eagle-Wealth-Mitarbeiter mehrere Konten für die venezolanischen Spitzenbeamten eröffnet und verwaltet haben soll, auf welche dann die mutmasslichen Schmiergelder flossen. Weiter habe der Mitarbeiter für mindestens einen Funktionär eine Briefkastenfirma auf einer karibischen Insel organisiert.

Und schliesslich schreiben die US-Staatsanwälte, ein Eagle-Wealth-Mitarbeiter und ein Chávez-Funktionär hätten «falsche Rechtfertigungen für Bestechungsgelder angefertigt, inklusive Rechnungen für Dienstleistungen, die nie erbracht wurden, um Quelle, Natur und Eigentümerschaft der Bestechungszahlungen zu tarnen».

Die US-Anklage richtet sich allerdings nur gegen die fünf Ex-Funktionäre, nicht gegen Eagle Wealth oder deren Personal. In der Schweiz ermitteln nach heutigem Stand weder die Zürcher Strafbehörden noch jene des Bundes gegen das Unternehmen oder die Mitarbeiter. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Viele Fragen offen

Eagle Wealth verhielt sich bislang unauffällig; im Schweizer Medienarchiv findet sich kein einziger Eintrag zur Firma. Auf der Website, die neben Englisch und Deutsch auch in Spanisch verfügbar ist, beschreibt sich die Vermögensverwaltung als «unabhängige Schweizer Wealth-­Management-Boutique». Mehrere Mitarbeiter arbeiteten in den 80er- bzw. 90er-Jahren bei der Credit Suisse.

Das Verhalten der Firma wirft aber Fragen auf: Wie kam es, dass ein kleiner Zürcher Finanzberater die Konten von venezolanischen Spitzenbeamten administrierte? Wie plausibilisierte man die Millionenzahlungen, die auf den Konten eingingen? Löste man selbst Geldwäschereialarm aus? Steht man in Kontakt mit Aufsichts- oder Antigeldwäschereibehörden? Dazu schweigt Eagle Wealth.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.02.2018, 21:37 Uhr

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