Die Schweiz wird nicht verschont

Leidet wegen des Handelskriegs der Absatz von Produkten aus einem direkt betroffenen Land, trifft das auch den Absatz der Zulieferer aus der Schweiz.

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Nach den Zöllen auf Aluminium und Stahl haben die Amerikaner am Freitag 25-prozentige Aufschläge auf chinesische Produkte im Wert von 34 Milliarden Dollar erhoben. Die Chinesen haben ohne Verzögerung mit gleich hohen Aufschlägen auf US-Güter desselben Umfangs reagiert. Und es droht noch weit Schlimmeres: Der US-Präsident denkt offen darüber nach, Zölle auf chinesische Erzeugnisse im Wert von 500 Milliarden Dollar zu erheben: Das wären so gut wie alle ­Exporte Chinas in die USA.

Die jüngste Entwicklung und die drohende ­Verschärfung der Lage wirken sich nicht nur auf die direkt betroffenen Länder aus, sondern auch auf die Schweiz. Vor allem komplexere Alltagsprodukte sind heute aus Komponenten zusammengebaut, die in der ganzen Welt hergestellt werden. Leidet wegen des Handelskriegs der Absatz von Produkten aus einem direkt betroffenen Land, trifft das auch den Absatz der Zulieferer aus der Schweiz. Eine besondere Katastrophe wären daher die von Trump ebenfalls angedrohten Zölle auf Autos aus Europa. Hinzu kommen weitere negative Folgen: Angesichts des Handelskriegs und seines unbestimmten Fortgangs üben sich Unternehmen in Zurückhaltung mit Investitionen, was das Wachstum bremst. Geringe Investitionen und eine schwächere Wirtschaftsentwicklung bremsen die Nachfrage nach Schweizer Produkten ebenfalls.

Der Handelskrieg macht schliesslich in dramatischer Weise klar, wie wenig Bedeutung das lange hochgehaltene multilaterale Welthandelssystem mit seinen Streitschlichtungsmechanismen noch hat. Mit diesem System konnten sich weniger mächtige Länder wie die Schweiz besser durchsetzen, als wenn dafür wie jetzt nur noch die politische, ökonomische und letztlich sogar militärische Macht entscheidet. Wieder haben viele die Hoffnung, am Ende werde eine Seite nachgeben. Das politische Kalkül spricht ­dagegen: Das Vorgehen der US-Regierung entspricht Donald Trumps Kernversprechen an seine Wähler. Und auch Chinas Regierung kann nach der Schmach durch die Amerikaner jetzt kaum mehr ohne grossen Gesichtsverlust nachgeben.

Erstellt: 06.07.2018, 21:17 Uhr

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