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Die Schweizer Strassen sind leer

Die Eingriffe ins öffentliche Leben wegen des Coronavirus haben deutlich weniger Verkehr auf der Strasse zur Folge. Stau am Morgen und am Abend ist passé.

Normalerweise ist hier Stau: Flüssiger Feierabendverkehr im Grauholz, am 17. März 2020, bei Bern. Foto: Marcel Bieri/Keystone
Normalerweise ist hier Stau: Flüssiger Feierabendverkehr im Grauholz, am 17. März 2020, bei Bern. Foto: Marcel Bieri/Keystone

Wer am Abend nach der Arbeit nach Hause will, steht normalerweise vielerorts im Stau. Nicht so zurzeit. Das zeigte sich eindrücklich am Mittwochabend auf der Autobahn in Richtung Basel und in die Gegenrichtung: Verkehr ja, stockender Verkehr oder gar Stau: mitnichten.

Dieses Phänomen zeigt sich an den Zahlen des Navigationsgeräteherstellers Tomtom. Dieser weist für grössere Städte auf der ganzen Welt stündlich die Überlastung des Verkehrsnetzes aus. Bereits am Wochenende lag dieser Wert in den Städten Zürich, Bern und Basel unter dem Durchschnitt des vergangenen Jahres.

Am Dienstag ist der Rückgang der Staus augenfällig: Der tägliche Höhepunkt der Überlastung auf den Strassen am Abend ist in diesen Städten deutlich zurückgegangen. Was auf den Live-Daten zu sehen ist: Auch am Donnerstag gibt es weniger Stau als normal.

Beim Bundesamt für Strassen (Astra) heisst es, dass vergangene Woche noch Courant normal auf den Nationalstrassen herrschte. Seit Montag sei aber ein Rückgang zu spüren. Ein Sprecher des Bundesamts spricht – je nach Abschnitt – von 70 bis 90 Prozent des normalen Verkehrsaufkommens. Er geht davon aus, dass es noch mehr zurückgehen wird. Neben dem markanten Rückgang im öffentlichen Verkehr wird also auch die Strasse weniger genutzt.

Viasuisse, das Unternehmen, das die Staumeldungen für das Schweizer Radio produziert, verzeichnet einen Rückgang des Verkehrs. Geschäftsführer Marc Brönnimann sagt: «Seit dem Lockdown stellen wir eine drastische Reduktion des normalen Pendlerverkehrs fest.» Seit Dienstag gebe es insbesondere am Abend noch starken Verkehr an den Grenzübergängen, aber der Pendlerverkehr sei nahezu weg. «Am Mittwochmorgen gab es zum Beispiel nur zwei, drei solcher Meldungen. Sonst haben wir mehr als das Zehnfache an Meldungen», sagt Brönnimann.

Die Massnahmen des Bundesrats scheinen also langsam durchgedrungen zu sein in der Bevölkerung: Wer kann, macht Homeoffice. Der Freizeitverkehr dürfte ebenfalls zurückgegangen sein. Dieser macht normalerweise auf den Nationalstrassen über ein Jahr gesehen rund vierzig Prozent der Fahrten aus.

Auto-Abos sind gefragt

Einen Einbruch der Nachfrage spürt offenbar Mobility, seit der Bundesrat Anfang Woche umfassende Regeln aufgestellt hat. Deren Sprecher sagt: «Seit Montag gibt es Anzeichen für einen Rückgang». Dies, nachdem vorher keine Ausschläge zu beobachten gewesen sind. Er betont jedoch, dass noch nicht genügend Daten zur Verfügung stehen, um eine klarere Aussage zu treffen.

Andere Anbieter profitieren von der Corona-Krise. Es sind solche, die flexibel und schnell Autos zur Verfügung stellen können. So teilt die Autovermieterin Enterprise Schweiz mit, dass sie eine starke Zunahme von Buchungen von Inlandkunden spüre.

Das gilt ebenso für Carify, den grössten Anbieter von Auto-Abos in der Schweiz, einer Art Flatrate für Fahrzeuge. Co-Gründer Sergio Studer sagt, sein Start-up merke seit dem Ausbruch des Coronavirus einen Anstieg der Anfragen. «Wir haben zum Beispiel eine neue Kundin, die chronisch krank ist und regelmässig zum Arzt muss, aufgrund ihrer Erkrankung aber nicht mit dem ÖV unterwegs sein sollte», schildert er.

Viele der neuen Kundinnen und Kunden würden den öffentlichen Verkehr meiden, müssten aber trotzdem mobil sein, um etwa Besorgungen zu tätigen oder zur Arbeit zu fahren. Dazu kommen Firmen, die auf der Suche nach Lösungen seien, um ihren Mitarbeitenden eine Alternative zum ÖV zu bieten. Und auch Kunden, deren Abo eigentlich ausgelaufen wäre, hätten teilweise wegen des Virus verlängert.

Lernfahrausweise länger gültig

Das Coronavirus hat noch andere Auswirkungen auf den Strassenverkehr. So meldet das Bundesamt für Strassen, dass Führerausweise auf Probe, welche bald ablaufen, ihre Gültigkeit behalten. Medizinische Untersuchungen zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit – beispielsweise solche im Alter – werden zurzeit ausgesetzt. Damit werden Kapazitäten bei Ärzten geschaffen und ältere Menschen vor Ansteckungen mit dem Coronavirus geschützt, weil sie nicht zu den Terminen müssen.

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