Die Steuerlust der Milliardäre

Eine Steuer auf Spitzenvermögen ist eine gute Idee. Finanzieller Ausgleich sorgt dafür, dass ein Land lebenswert ist.

Liesel Pritzer Simmons und ihr Ehemann Ian bei einem Besuch im Weissen Haus (März 2016). Foto: Mary F. Calvert (Reuters)

Liesel Pritzer Simmons und ihr Ehemann Ian bei einem Besuch im Weissen Haus (März 2016). Foto: Mary F. Calvert (Reuters)

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Besteuert uns! 19 Milliardäre aus den USA haben die gute alte Regel einmal umgedreht, wonach die Klage über die Steuerlast mit dem Einkommen wächst, und unterstützen den Plan der potenziellen demokratischen Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren für eine Reichensteuer. Wer heute ein Nettovermögen von mehr als 50 Millionen Dollar besitzt, soll künftig eine zusätzliche Reichensteuer zahlen, um Gerechtigkeit, Freiheit und Patriotismus zu fördern. Warren will damit pro Jahr rund 300 Milliarden Dollar erlösen.

Dem Appell angeschlossen haben sich neben dem amerikanisch-ungarischen Finanzinvestor George Soros unter anderem die Disney-Erbin Abigail Disney, der Facebook-Mitgründer Chris Hughes und die einstige Schauspielerin Liesel Pritzker Simmons, deren Familie die Hotelgruppe Hyatt gehört. Die Initiative der Millionäre und Milliardäre ist nicht gänzlich neu, sie könnte im laufenden Präsidentschaftswahlkampf aber auf deutlich mehr Resonanz stossen als in früheren Jahren.

Die neue Steuer könnte aus Sicht der Unterzeichner nicht nur bei der Bewältigung der Klimakrise und der Sanierung des Gesundheitswesens helfen, sondern auch Mittel für dringend benötigte staatliche Investitionen etwa in die Infrastruktur und die Bildung generieren.

Man kann nun den einen oder die andere verdächtigen, er, sie wolle endlich mal im positiven Kontext in der «New York Times» erscheinen. Seis drum: Die Idee ist richtig. Nicht Donald Trumps Niedrigsteuer-Ideologie macht Amerika zu einem besseren Ort auch für die Reichen, sondern ein System, das sie in die Verantwortung nimmt. Der Ausgleich, nicht die Spaltung macht ein Land lebenswert. Er ist eine patriotische Pflicht, da haben die Milliardäre recht. Niemand von ihnen muss ums grosse Boot oder täglich Brot fürchten.

Auf Europa ist die Idee nicht so leicht zu übertragen. Ein Weg zu mehr Gerechtigkeit könnte eine Form der Reichensteuer trotzdem sein. Und die Debatte darüber ein Akt der Aufklärung: Über Reichtum zu reden, ist immer noch ein Tabu.

Erstellt: 27.06.2019, 10:08 Uhr

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