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Die Züge rollen wieder, der Streit hält an

Sieben Wochen war die Rheintalbahn-Strecke bei Rastatt unterbrochen. Nun geht es darum, wer für den Millionenschaden aufkommt.

Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden (D) wieder offen: Als erstes ist ein Nachtzug von Zürich nach Hamburg über die neuen Geleise gefahren. (2. Oktober 2017)
Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden (D) wieder offen: Als erstes ist ein Nachtzug von Zürich nach Hamburg über die neuen Geleise gefahren. (2. Oktober 2017)
Benedikt Spether, Keystone
Die Strecke war seit dem 12. August für den gesamten europäischen Bahnverkehr gesperrt gewesen. (2. Oktober 2017)
Die Strecke war seit dem 12. August für den gesamten europäischen Bahnverkehr gesperrt gewesen. (2. Oktober 2017)
Benedikt Spether, Keystone
Flixbus profitiert von der misslichen Lage: Ein Fernbus des Unternehmens fährt am Zentralen Omnibusbahnhof in Hannover ab. (Symbolbild)
Flixbus profitiert von der misslichen Lage: Ein Fernbus des Unternehmens fährt am Zentralen Omnibusbahnhof in Hannover ab. (Symbolbild)
Julian Stratenschulte, Keystone
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«Der Verkehr rollt fünf Tage früher als geplant», hiess es in der gestrigen Medienmitteilung der Deutschen Bahn (DB). Bei der Kommunikation der Wiederaufnahme des Streckenabschnitts zwischen Rastatt und Baden-Baden legte die DB Wert darauf, die eigenen Anstrengungen hervorzuheben. Und DB-Chef Richard Lutz lobte die Zusammenarbeit mit den Eisenbahnern in der Schweiz, in Österreich und in Frankreich. Erleichtert zeigte man sich in den Nachbarländern über die Tatsache, dass das Nadelöhr endlich behoben werden konnte. Trotzdem bleibt der Unmut über die DB gross. Bereits erwägen die geschädigten Unternehmen, Klagen einzureichen.

Während man beim Personenverkehr relativ einfach Busse einsetzen konnte, waren die Ersatzlösungen für den Gütertransport komplizierter und kostspieliger. Fast 200 Kilometer betrug die Ausfallstrecke zwischen Karlsruhe und Basel. «Der Zug braucht dafür rund zweieinhalb Stunden. Der Lastwagentransport inklusive Verlad und Wartezeiten wegen des Andrangs benötigte bis zu acht Stunden», sagt Beat Berner, Sprecher des Logistikunternehmens Bertschi mit Sitz in Dürrenäsch AG. Bei Bertschi hat man bis zu 150 LKW täglich eingesetzt, um den gesperrten Bahnabschnitt zu überbrücken. Zu den Mehrkosten macht Berner keine Angaben. «Wir können aber längst nicht alle Zusatzkosten den Auftraggebern belasten», sagt er. Den Umsatzverlust schätzt das Unternehmen «auf bis zu 50 Millionen Franken».

«Milliardenkosten denkbar»

Auch die BLS Cargo verzeichnete die letzten sieben Wochen Umsatzverluste. «Von den wöchentlich 140 geplanten Zügen konnten wir jeweils nur circa 70 auf die Umfahrungsstrecke umleiten», sagt Dirk Stahl, CEO von BLS Cargo. Die finanziellen Auswirkungen schätzt er auf «2 bis 4 Millionen Franken». Die Hupac Intermodal aus Chiasso fährt in der Regel mit 50 bis 60 Zügen pro Tag die Rheintalstrecke. Laut Hupac-Sprecherin Irmtraut Tonndorf konnte man zu Beginn des Unterbruchs nur etwa 20 Prozent der Transporte durchführen. «Erst als das Notfallszenario mit Umleitungen, Rheinschiff- und Lastwagentransport verstärkt werden konnte, stieg die Bewältigung der Aufträge in den letzten Wochen auf bis zu 60 Prozent», erklärt Tonndorf. Den Umsatzausfall schätzt sie auf einen «tiefen zweistelligen Millionenbetrag». Hupac schrieb im vergangenen Jahr einen Umsatz von 470 Millionen Franken.

Das Ausmass des baustellenbedingten Ausfalls kann weit über den Umsatzverlust und die Zusatzkosten hinausgehen. In der Bahnbranche wird ein nachhaltiger Schaden befürchtet. Dieser tritt ein, wenn die Auftraggeber für ihre Transporte künftig verstärkt auf den Strassenverkehr setzen. «Wir wollen so schnell wie möglich das Volumen für den Schienentransport zurückgewinnen», sagt Dirk Stahl.

Unausweichlich wird wohl der Streit darüber sein, wer die Mehrkosten und Einnahmenverluste der Logistiker zu zahlen hat. Vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen werden die Auslagen der Bahnunternehmen auf 100 Millionen Euro geschätzt. Unter dem Strich seien Milliardenkosten denkbar, heisst es.

«Wir sind daran, Schadenersatzforderungen an unsere Vertragspartner zu stellen», verrät Beat Berner. Diese richtet sich nicht direkt an die DB, sondern an die Vertragspartner (Hupac, SBB Cargo, BLS Cargo u. a.). Bei der BLS Cargo heisst es, man prüfe, «Haftungsansprüche gegebenenfalls auch juristisch bei der DB geltend zu machen». In Berlin gab es keine Auskunft dazu. In der Branche rechnet man damit, dass die DB wiederum die verantwortliche Baufirma einklagen wird.

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