Diese Burger gehen weg wie warme Semmeln

Fast Food ohne Fleisch ist in den USA dank zwei Pionierfirmen auf dem Siegeszug. Multis wie Nestlé wollen da nicht länger abseitsstehen.

Schmecken wie echt: Die Burger von Beyond Meat. Foto: AFP

Schmecken wie echt: Die Burger von Beyond Meat. Foto: AFP

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Fleischloses Essen beginnt selbst den Cowboy-Bundesstaat Wyoming mit seinen immensen Rinder- und Bisonherden zu erobern. Im Sweet Melissa Cafe and Front Tavern in Laramie stehen zwei Burger auf dem Menü, und keiner von beiden besteht aus Fleisch. Das beste Restaurant der Stadt, wie uns die Anwohner versichern, kann die Nachfrage nach fleischlosen Burgern kaum befriedigen.

«Der Impossible Burger ist wieder ausverkauft», erklärte die Serviceangestellte kürzlich, «doch Sie haben Glück. Wir können Ihnen einige Burger von Beyond Meat braten.» Die Burger schmeckten gut – verblüffend ähnlich wie Rindfleisch, versicherten unsere vegetarischen Freunde. Sie assen zum ersten Mal einen fleischlosen Burger und würden ihn ab und zu wieder bestellen.

So geht es mehr und mehr Amerikanern. Fleischlose Alternativen zum Big Mac and Big Whopper haben sich in kürzester Zeit durchgesetzt und können in über 15'000 Restaurants bestellt und den meisten Supermarktketten gekauft werden. Dabei ist die Technologie des Ersatzfleisches aus dem Labor erst zehn Jahre alt. Und in grösseren Mengen produzieren die zwei kalifornischen Pionierfirmen, Beyond Burger und Impossible Foods, erst seit zwei Jahren.

Impossible machte 2016 den ersten Testlauf in einem noblen New Yorker Restaurant und steht heute in den USA und Hongkong in mehr als 5000 Restaurants auf der Menükarte. Burger King führte im April einen ersten Testverkauf durch und plant noch vor Ende Jahr, einen Impossible Whopper zu verkaufen; und Little Caesars will in Kürze Pizzas mit «Impossible Sausages» anbieten. Der Marktwert des Kleinunternehmens wird auf zwei Milliarden Doller geschätzt.

Überhitzter Markt

Verrückter noch ist die Geschichte von Beyond Meat. Das Unternehmen war vor dem Börsengang Anfang Mai weniger als zwei Milliarden wert. Nachdem Firmengründer Ethan Brown überraschend ankündete, bereits dieses Jahr die Verlustzone verlassen zu können, explodierte der Marktwert kürzlich auf fast zehn Milliarden Dollar. Auch die Pläne Amazons, den fleischlosen Burger über den konzerneigenen Detailhändler Whole Foods zu verkaufen, kurbelten die Fantasie der Anleger an.

Seither befindet sich die Aktie in einem wilden Auf und Ab: ein deutliches Zeichen für die überhitzten Erwartungen der Investoren und die Realität des Marktes für fleischlose Alternativen, der mehr und mehr von den etablierten Nahrungsmittel-Multis überrollt werden dürfte.

Beyond und Impossible trugen mit ihrer Forschungsarbeit wesentlich zum Durchbruch des fleischlosen Burgers bei. Ihre Motivation war im Wesentlichen eine ökologische. Ihre Gründer sorgten sich um die beschleunigte Nachfrage nach Fleisch, vor allem in Asien, und den Folgen für das Klima. «Unser Anliegen ist, das globale Ernährungssystem zu verändern», sagte Impossible-Gründer Pat Brown bei einem Testessen im Silicon Valley.

Die «unmöglichen Burger» brauchen nach Angaben der Forscher 75 Prozent weniger Wasser und 95 Prozent weniger Land als Fleisch vom Rind. Die Klimagase liegen um 87 Prozent tiefer. Eine Abkehr von der äusserst klimabelastenden Rindfleischproduktion sei dringend. «Die Millennials sorgen sich sehr darum, wie Lebensmittel produziert werden, ob sie die Umwelt belasten und ob sie gut für die Gesundheit sind.»

Multis holen schnell auf

Die grossen Nahrungsmittelkonzerne aber haben rasch aufgeholt und in kürzester Zeit Alternativ-Burger entwickelt. Wie die kleineren Pioniere will Nestlé rasch in den Fast-Food-Markt vordringen. In den USA könnte der «Awesome Burger» über McDonald’s an die Kunden gebracht werden, sagte Marco Settembri, Chef der Zone Europa, Naher Osten und Nordafrika, diese Woche. McDonald’s sei ein grosser und vielversprechender Partner, aber nicht die einzige Option auf dem amerikanischen Markt. In den USA hofft der Konzern, noch dieses Jahr Impossible und Beyond direkt konkurrieren zu können.

Aggressiv auf den Fleischlos-Markt drängen auch der Agro-Multi Conagra, einer der grössten Abnehmer der gentechbasierten amerikanischen Landwirtschaft, sowie Tyson, der grösste industrielle Fleischproduzent des Landes. Der Frühstücksflocken-Hersteller Kellogg lancierte kürzlich einen alternativen Cheeseburger und will damit unter anderem Burger King beliefern. Wegen der grossen Nachfrage nach den Fleischimitationen will die Kette sogar die älteren, für Vegetarier entwickelten Veggie-Burger aus dem Angebot nehmen.

Marktforscher gehen von einer steilen Nachfrage nach alternativen Fleischprodukten aus. Sie verweisen auf das breite Sortiment von Soja-, Mandel- und Hafermilch, die an sich für laktoseintolerante Konsumenten und Veganer entwickelt wurden, aber überwiegend von Milchtrinkern gekauft werden.

Fleischlose Burger sprechen gemäss Umfragen immer mehr Kunden an, die ihren Fleischkonsum reduzieren wollen. Die Schätzungen über die Zukunft des fleischähnlichen Burgers gehen allerdings weit auseinander. Barclays schätzt den Markt in zehn Jahren auf 140 Milliarden Dollar; Bernstein sagt im gleichen Zeitraum ein Volumen von 40 Milliarden voraus. Vorderhand prägen aber spekulative Investoren den Markt. Sie treiben den Hype an, könnten aber ebenso schnell wieder aufgeben. Nachdem JP Morgan diese Woche vor unrealistischen Erwartungen warnte, verging vielen der Appetit, und der Marktwert von Beyond Meat sackte auf einen Schlag um 25 Prozent ab.

Erstellt: 13.06.2019, 18:15 Uhr

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