Diese Herausforderungen warten auf Hayek

Die Unruhen in Hongkong verhageln Swatch Group das Geschäftsergebnis 2019. Im aktuellen Jahr kommen drei neue Unsicherheiten dazu.

Swatch-Group-Konzernchef Nick Hayek präsentiert ein neues Swatch-Modell. Die Marke Swatch gerät wegen der Konkurrenz von Smartwatches unter Druck. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

Swatch-Group-Konzernchef Nick Hayek präsentiert ein neues Swatch-Modell. Die Marke Swatch gerät wegen der Konkurrenz von Smartwatches unter Druck. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

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Wie wichtig der Schlüsselmarkt Hongkong für die Swatch Group ist, zeigen die heute veröffentlichten Kennzahlen zum Geschäftsjahr 2019. Die monatelangen Proteste gegen das kommunistische Regime in China reichen, um den weltweit breit aufgestellten Uhrenkonzern bei Umsatz und Gewinn erstmals seit drei Jahren zurückzuwerfen.

Auf Konzernchef Nick Hayek und seine weltweit 37’100 Mitarbeiter wartet aber nicht nur deswegen ein turbulentes Jahr. Die vier Herausforderungen:

1. Proteste in Hongkong dauern an

Der Umgang mit den Unruhen in der chinesischen Sonderverwaltungszone bleibt eine der grossen Herausforderungen der Swatch Group. Allein im zweiten Semester 2019 brach in der ehemaligen britischen Kronkolonie der Umsatz um 200 Millionen Franken ein. Der Weltmarktführer mit Sitz in Biel betreibt in Hongkong mehr als 90 Läden, wo er Marken wie Swatch, Omega und Breguet verkauft. Aus Sicherheitsgründen hat die Gruppe bereits einzelne Boutiquen geschlossen.

Ein Ende der Proteste ist nicht absehbar, obwohl sie die Wirtschaft Hongkongs Ende 2019 in eine Rezession gestürzt haben. Der Grund: Kaufwillige Touristen und Geschäftsleute bleiben weg, vor allem diejenigen aus Festlandchina. Einkaufsmeilen und Warenhäuser sind leerer als sonst. Hoteliers bekommen ihre Zimmer nicht voll.

2. Ausbruch des Coronavirus

Seit Anfang Jahr ist mit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus in China für die Swatch Group eine weitere Unsicherheit hinzugekommen. Das Reich der Mitte ist einerseits ein wichtiger Absatzmarkt. Auf der anderen Seite sind chinesische Touristen eine geschätzte Kundschaft, da sie auf ihren Auslandsreisen in die Weltmetropolen Uhren als Mitbringsel kaufen.

Da sich das Virus zu einer Pandemie zu entwickeln scheint, dürften die chinesischen Touristenströme beeinträchtigt werden. Erste Fluglinien wie Swiss, Lufthansa und British Airways haben inzwischen Flüge nach China gestoppt. Und sollte die chinesische Regierung weitere drastische Massnahmen ergreifen, könnte dies ebenso Folgen für den Tourismus und damit für die Verkäufe haben.

Wie die Swatch Group mitteilt, erwartet sie aber im laufenden Geschäftsjahr «ein gesundes Wachstum in allen Märkten in Lokalwährungen», mit Ausnahme von Hongkong. China ist somit in der zuversichtlichen Voraussage explizit eingeschlossen. «Wenn der Ausbruch nur einen oder zwei Monate dauert, wird er keinen negativen Einfluss auf das gesamte Geschäftsjahr haben», sagt Hayek. Er sei zuversichtlich, dass das Problem unter Kontrolle gebracht werden könne.

3. Streit um Uhrwerke

Wie bei den Unruhen in Hongkong und dem Coronavirus ist die Swatch Group beim schwelenden Konflikt um die Lieferung von Uhrwerken an die Konkurrenz äusseren Faktoren ausgesetzt, die sie wenig beeinflussen kann. Konzernchef Hayek liegt im Clinch mit der Eidgenössischen Wettbewerbskommission, die einen Entscheid zur Lösung des Streits für den Sommer in Aussicht gestellt hat. Hayek drängt jedoch auf einen rascheren Entscheid, damit es zu keinen Lieferengpässen für die Abnehmer kommt, die fest mit ihrer bestellten Ware rechnen. Hayek wäre sogar bereit, den Wettbewerbshütern Zugeständnisse zu machen.

Darum geht es: Die Swatch Group hatte in früheren Jahren aus historischen Gründen über ihre Tochtergesellschaft ETA praktisch ein Monopol auf dem Markt für mechanische Uhrwerke. Der Konzern wollte aber nicht mehr länger verpflichtet sein, die gesamte Schweizer Uhrenindustrie mit diesen Produkten zu beliefern.

Im Jahr 2013 unterzeichneten die Wettbewerbskommission und die Swatch Group eine Vereinbarung, in der die kontrollierte Reduktion der Liefermengen geregelt wurde. Die Mitbewerber sollten so die Chance erhalten, sich am Markt zu entfalten. Bis Ende 2019 sollten die Wettbewerbshüter entscheiden, ob die Swatch Group in die unternehmerische Freiheit entlassen wird.

Kurz vor Weihnachten gab die Behörde bekannt, voraussichtlich erst im zweiten oder dritten Quartal des laufenden Jahres zu entscheiden. In der Zwischenzeit wurden vorsorgliche Massnahmen erlassen. Diese sehen vor, dass ETA vorläufig keine Uhrwerke an Dritte mehr liefern darf.

4. Konkurrenz durch die Smartwatch

Zu den beeinflussbaren Bereichen gehören neue Produkte wie die Smartwatch, welche der US-Konzern Apple als Erster lanciert hat. Die Swatch Group hielt sich bislang mit eigenen «intelligenten» Uhren zurück. Einzig die Marken Swatch und Tissot haben entsprechende Modelle mit Sport- und Wetterfunktionen auf den Markt gebracht.

Weiter hat die Gruppe angekündigt, ein eigenes Betriebssystem für Smartwatches zu entwickeln. Die Software sei in der finalen Testphase, hiess es im November bei Tissot. Wann die Marke die erste Smartwatch mit dem hauseigenen Schweizer Betriebssystem lanciert, liess die Tochterfirma der Swatch Group allerdings offen.

Allerdings muss die Gruppe aufpassen, dass sie den Anschluss nicht verpasst. Unterdessen haben es branchenfremde Technologiefirmen wie Apple, Samsung und Google geschafft, mit ihren Smartwatches das untere Preissegment (bis zu 500 Franken) der Schweizer Uhrenindustrie geschickt anzugreifen. In dieser Preisklasse ist auch die Marke Swatch angesiedelt, Namensgeberin der Swatch Group und Aushängeschild.

Diese Entwicklung zeigt sich in den aktuellen Exportzahlen der Uhrenindustrie fürs abgelaufene Geschäftsjahr: Die Ausfuhren von billigen Uhren sind rückläufig. Branchenkenner rechnen mit Blick auf die Swatch Group, dass Marken wie Swatch und Tissot in den kommenden Jahren weiterhin rückläufige Umsätze erwirtschaften werden.

Erstellt: 30.01.2020, 12:35 Uhr

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