Digitale Makler sind oft günstiger

Beim Hausverkauf lohnt es sich, den Vermittler sorgfältig auszuwählen: Start-ups unterbieten traditionelle Anbieter teilweise deutlich.

Es gibt Anbieter, welche die Wohnungsbesichtigung mit Interessenten zusätzlich belasten. Foto: Martin Ruetschi, Keystone

Es gibt Anbieter, welche die Wohnungsbesichtigung mit Interessenten zusätzlich belasten. Foto: Martin Ruetschi, Keystone

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Privatpersonen verkaufen vielleicht ein- bis zweimal in ihrem Leben Wohneigentum. Dabei geht es jeweils um viel Geld. Um eine gute Lösung zu finden, nehmen viele Hauseigentümer die Dienstleistungen von Maklern in Anspruch. Gemäss Schätzungen sind diese bei der Hälfte von jährlich rund 50'000 Immobilientransaktionen schweizweit involviert.

Doch bei Qualität, Preis und Transparenz gibt es unter den Maklern erhebliche ­Unterschiede. Es ist daher ratsam, sich nicht gleich für den erstbesten zu entscheiden, sondern drei Offerten einzuholen. Diese beinhalten gelegentlich eine erste kostenlose Schätzung für das Haus oder das Stockwerkeigentum. Allenfalls helfen Auskünfte zur Berufserfahrung sowie Referenzen, um eine Vertrauensbasis zu schaffen.

Transparenz ist wichtig

Bei der Beurteilung der Offerte sollte die Transparenz ein Kriterium sein. Das bedeutet einerseits Kostentransparenz – es muss ein Fixpreis oder eine Provision definiert sein. ­Anderseits sollte der Eigentümer erfahren, was das Dienstleistungspaket alles umfasst. Und vor allem auch: was nicht. Oft verrechnen ­Makler zum Beispiel die Kosten für Inserate separat – was durchaus ins Gewicht fallen kann. Es gibt Anbieter, welche die detaillierte Immobilienbewertung oder die Wohnungsbesichtigung mit Interessenten zusätzlich belasten.

Wichtig ist auch, dass Eigentümerinnen und Eigentümer vor der Vertragsunterzeichnung die Ausstiegsbedingungen prüfen. Maklerverträge dürfen ­gekündigt werden – und bei Unzufriedenheit sollten Betroffene auch ­keine Hemmungen haben, dies zu tun. Im Vertrag kann aber festgehalten werden, dass bei einem Ausstieg Kosten für Inserate oder das Erstellen der Verkaufsdokumentation vom Eigentümer übernommen werden müssen.

Die meisten Makler verlangen für ihre Dienstleistungen eine Provision von ungefähr 3 Prozent der Verkaufssumme. Bei preisgünstigen Objekten kann der Satz auch höher liegen. Dies vor ­allem, wenn der Verkauf mit grossem Aufwand verknüpft ist, zum Beispiel aufgrund eines langen Anfahrtswegs für Besichtigungen. Trotzdem ist bei einer Provision von über 3 Prozent Skepsis angebracht. Geht es um höhere Preise, sind jedenfalls tiefere ­Sätze üblich. «Bei einer Verkaufssumme von rund 50 Millionen Franken liegt die Provision üblicherweise unter 1 Prozent», sagt Thomas Schneeberger von Smeyers Immobilien-Management in Basel.

«Bei 50 Millionen Franken liegt die Provision üblicherweise unter 1 Prozent.»Thomas Schneeberger, Smeyers Immobilien-Management

Bei einem Einfamilienhaus zum Preis von 1 Million verrechnet der Makler also etwa 30'000 Franken. Es gibt Jungunternehmen, die teilweise deutlich tiefere Preise von weniger als 10'000 Franken offerieren. Bei diesen Firmen ist auch von Proptechs die Rede – das ist die Verknüpfung von Eigentum (pro­perty) und Technologie.

Im Gegensatz zu traditionellen Maklerinnen und Maklern führen Proptechs möglichst viele Arbeitsprozesse wie zum Beispiel das Erstellen einer Verkaufsdokumentation oder Bewertungen digitalisiert aus. Anstelle einer Provision in Prozent verrechnen viele Proptechs einen Fixpreis. Neho, das mit 40 Mitarbeitenden und mit Niederlassungen in Lausanne und Zürich unter den Schweizer Start-ups zu den führenden Anbietern gehört, verlangt eine Pauschale von 9500 Franken. Für jede Wohnungsbesichtigung, die Neho der Verkäuferin abnimmt, fallen zusätzliche 200 Franken an.

Noch günstiger ist das Zürcher Jungunternehmen Brixel mit 3900 Franken für die Aufbereitung und Vermarktung einer Liegenschaft. Für weitere 2900 Franken übernimmt Brixel zudem die Verschreibung, wobei Notariatsgebühren wie üblich nicht eingerechnet sind.

Weitere im Immobilienverkauf tätige Proptechs sind unter anderem Simplehouse, Kiiz oder Agentselly. Das Start-up Agent­selly rechnet wie traditionelle Makler mit einer Provision, belastet sie jedoch dem Käufer.

Fixpreis oder Provision?

Die erfolgsabhängige Provision kann den Makler motivieren, einen möglichst hohen Verkaufspreis auszuhandeln. Zudem trägt der Makler zumindest einen Teil des Risikos für den Fall, dass sich die Liegenschaft nicht verkaufen lässt. Um Kunden zu ködern, versprechen manche Makler allerdings auch Fantasiepreise, die der Markt nicht hergibt. Mit dem Fixpreis erhält der Kunde mehr Transparenz und damit auch Verhandlungsmacht. Diesen Preis muss er mit der Vertragsunterzeichnung jedoch sicher übernehmen.

Können die Proptechs tatsächlich Liegenschaften zu einem Drittel der Kosten von traditionellen Maklern auf seriöse Weise verkaufen? Heiko Packeiser, der ­Geschäftsführer von Neho in der Deutschschweiz, verspricht ­sogar vergleichsweise hohe Qualitätsstandards und fordert Interessierte auf, mit Offerten von anderen Maklern zu vergleichen. Dank automatisierter Prozesse werde der administrative Aufwand deutlich gesenkt, sodass die Fachleute vor Ort mehr Zeit für die persönliche Beratung hätten, sagt Packeiser.

«Ich verstehe nicht, weshalb viele Makler neue und längst bewährte Technologien nicht nutzen, um die Verkaufschancen zu erhöhen», ergänzt er. Beispielsweise eine digitale Vermessung der Liegenschaft und ein virtueller Rundgang auf den Verkaufsplattformen sei bei den Proptechs heute meist Standard, während man dies bei traditionellen Maklern oft vergebens suche.

«Der Erwerb einer Liegenschaft ist eine emotionale Angelegenheit.»Marcel Hug, Geschäftsführer Svit

Brixel-Geschäftsführer ­Martin Angehrn verweist schliesslich auf die grössere Transparenz: Der Verkäufer könne sich am Handy oder am Computer jederzeit über alle Verkaufsmassnahmen informieren, während bei traditionellen Maklern oft nicht klar sei, zu welchem Zeitpunkt welche Kosten für welche Tätigkeit ­anfielen.

Marcel Hug, Geschäftsführer beim Dachverband der Immobilienfachleute Svit, bestätigt, dass die junge Konkurrenz nicht überall geschätzt wird. Kritische Einwände lauten etwa, dass die Hausbewertung nur auf statistischen Daten beruhe oder dass ein erfahrener Makler mit regionaler Verankerung überzeugender verkaufen könne. «Der Erwerb einer Liegenschaft ist eine emotionale Angelegenheit – da helfen Ausbildung, Erfahrung und Ortskenntnis, welche die Proptechs oft nicht vorweisen können», erläutert er.

Thomas Schneeberger von Smeyers gibt an, keine Berührungsängste mit digitaler Technologie zu haben. «Es gibt neue Tools, die unsere Arbeit erleichtern, dafür müssen wir ­offen sein», sagt er.

Ohne Unterstützung möglich

Die neuen, digitalen Angebote sind gewiss eine prüfenswerte und kostengünstige Option. Ausnahmen gibt es allenfalls bei ­Luxusliegenschaften oder speziellen Objekten, deren Kauf zum Beispiel mit einem aufwendigen Umbau verknüpft ist.

Und wer den Aufwand nicht scheut, kann sein Wohneigentum schliesslich durchaus auch ohne fremde Unterstützung ­verkaufen. Der rechtliche Teil mit der Verschreibung ist für Laien in der Regel problemlos zu bewältigen, da mit standardisierten ­Verträgen gearbeitet wird. Zudem beantworten je nach Region Grundbuchämter oder Notare offene Fragen.

Erstellt: 09.12.2019, 09:49 Uhr

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