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Doris Leuthard will tiefere Preise für das schnelle Internet

Die Swisscom sieht einen Verrat an früher gemachten Zusagen von Wirtschaft und Politik.

EWZ-Mitarbeiter verlegen in der Stadt Zürich ein Glasfaserkabel.
EWZ-Mitarbeiter verlegen in der Stadt Zürich ein Glasfaserkabel.
Alessandro Della Bella, Keystone

Wer heute darüber klagt, dass zu Hause das Internet bockt, hat ein langsames Internetabo. Solche Abos sind oft Teil eines Pakets, bei dem Preis-Leistungs-Vergleiche verschwimmen, und oft teuer. Seit kurzem gibt es eine in­teressante Alternative: das Paket durch ein Abo fürs schnelle Internet ersetzen. Mit diesem kann man fernsehen, telefonieren und surfen. Schnell heisst heute, dass ein zweistündiger Spielfilm innert Sekunden herunter- und hinaufgeladen wird – 1000 Megabit pro Sekunde.

Zu den günstigsten Anbietern dieses schnellen Internets zählen Init7 (65 Franken monatlich), Green.ch (74 Franken), EWZ-Zürinet (79 Franken) und Energie Wasser Bern (EWB, 85 Franken). In Städten stehen rund ein Dutzend Konkurrenten bereit, einige sind überall, andere nur regional. Die Tarife findet man im Internet; sie sind am Sinken.

Bis vor kurzem kostete das EWB-Abo 125 Franken. Doch weil die Swisscom den Preis auf 90 Franken senkte, musste EWB nachziehen. Sunrise ist teurer (105 Franken), Salt ist noch nicht aktiv, aber ihr Einstieg stehe kurz bevor.

Agglo und ländliche Gebiete haben das Nachsehen

Der Haken? Die Preise sind immer noch sehr hoch, und nur 27 Prozent aller Schweizer Haushalte sind erschlossen. Vor allem Städte und fortschrittliche Landgemeinden wie etwa Däniken SO haben das schnelle Internet; Haushalte in der Agglo und auf dem Land haben oft das Nachsehen. Dort gibt es zumeist nur die Swisscom und manchmal einen TV-Kabelanbieter, etwa UPC oder einen dominanten lokalen. Dessen Netze sind häufig vergleichsweise langsam. Langsam heisst, dass das Internetsignal über das alte Telefonkabel (Kupferkabel) ins Haus fliesst. Schneller ist es über das herkömmliche TV-Kabel (Koaxialkabel) von UPC oder Quickline, es schafft ungefähr 500 Megabit pro Sekunde. Doppelt so schnell kann es nur die Glasfaser.

Nun ist in Bundesbern ein Streit darüber entbrannt, was das schnelle Internet künftig kosten darf, wer es baut und welche Gemeinden eine solche Infrastruktur noch erwarten können. Auf der einen Seite stehen Bundesrätin Doris Leuthard, Sunrise, Salt, regionale Elektrizitätswerke, TV-Kabelanbieter und die vielen kleinen, neuen Konkurrenten und auf der anderen Seite die Swisscom.

Auslöser ist die Revision des Fernmeldegesetzes und darin der Vorschlag des Bundesrates, dass der Regulator (Comcom) der Swisscom vorschreiben könnte, zu welchem Preis sie die Infrastruktur für das schnelle Internet an Konkurrenten vermieten muss. Heute ist dies nicht der Fall. Vereinfacht gesagt, setzt die Swisscom heute den Preis fest, und alle anderen unterbieten diesen leicht, wie das Berner Beispiel zeigt. Ein weiteres ist der Preis für die Miete einer Glasfaser. Pro Leitung bestehen vier Fasern, zwei davon sind ans Internet angeschlossen, die anderen zwei Reserve. Bei der Swisscom kostet die Faser 34 Franken pro Monat. Die Elektrizitätswerke, welche die Kabel mit der Swisscom ins Haus verlegt haben, bieten eine Faser zu rund 30 Franken an. Würde der Preis vom Bund reguliert, könnte er laut Insidern pro Faser auf 15 Franken fallen.

Studie nennt Gefahren

Am Montag konnten alle wichtigen Akteure in Bern vor der zuständigen Kommission des Nationalrats (KFV) ihre Meinung zum Gesetzesprojekt darlegen. Viele sprachen sich dafür aus, einige dagegen. Eindruck machte eine druckfrische Studie der deutschen Beraterfirma WIK-Consult. Darin steht, die Swisscom habe trotz Marktliberalisierung ihre Marktanteile hochhalten können, weil sie Vorteile als Platzhirsch geniesse. Auch ihr Preisniveau liege «circa 33 Prozent höher als das der Wettbewerber, auch dies ein europäischer Spitzenwert». Umso wichtiger sei es, dass alternative Anbieter zu fairen Preisen auf die Kapazität der Faser der Swisscom zurückgreifen können, um «vergleichbare, wettbewerbsfähige Endkundenprodukte anzubieten». Sonst drohe, dass sie ihre Dominanz ausbaue.

Im Detail ist die Sache komplizierter. Erstens, weil viele Kooperationen unter Konkurrenten bestehen, und zweitens, weil für die Politik nicht nur der Preis ein Kriterium ist, sondern auch die Antwort auf die Frage, wer investiert, damit weitere Haushalte zum schnellen Internet gelangen. Die Swisscom sagt, dass sie keinen Anreiz habe, weiter ins Glasfasernetz zu investieren, wenn man ihr den Preis diktiere. «Politische Eingriffe gefährden Innovation und hohe Investi­tionen», sagt die Swisscom; vor allem auf dem Land. Anders gesagt: Jeder Swisscom-Kunde zahlt heute den weiteren Ausbau des schnellen Internets mit.

Die Swisscom pocht auf eine Vereinbarung von 2010, dass private Investoren den Ausbau der Glasfasernetze vorantreiben und man ihnen dafür beim Preis nicht ins Handwerk pfuscht. «Darauf haben wir unsere Geschäftspläne ausgerichtet», so die Swisscom. «Die Alternative wäre nur gewesen, dass der Staat in Glasfasernetze investiert.» Die Konkurrenz behauptet, dass die Swisscom keine Lust mehr habe, das schnelle Internet bis in die Häuser zu bauen. Tatsache ist, dass nur noch wenige Ausbauten laufen.

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