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Düstere Szenarien zur Technologie der Zukunft

Der Fortschritt bringe existenzielle Herausforderungen mit sich: Das sagte der israelische Historiker Yuval Noah Harari am WEF.

Markus Diem Meier

Der Historiker Yuval Noah Harari zählt mit seinen Werken «Sapiens» oder «Homo Deus» aktuell zu den erfolgreichsten Sachbuchautoren der Welt. Wie gut es der Israeli schafft, ein Publikum in seinen Bann zu ziehen, zeigt ein 20-minütiger Vortrag, den er am vergangenen Weltwirtschaftsforum in Davos im Rahmen eines Panels gehalten hat. Das Thema der Veranstaltung: «Wie können wir das 21. Jahrhundert überleben». Das Video davon sehen Sie oben.

Der Historiker startet mit der Aufzählung von drei existenziellen Bedrohungen: Atomkriege, ein Zusammenbruch des Ökosystems und technologische Umwälzungen. Vor allem Letzteren widmet er seinen Vortrag. Obwohl der technologische Fortschritt die Menschen weiterbringen könne, sei er mit existenziellen Herausforderungen verbunden, so Harari. Künftig drohe deshalb nicht wie früher eine ausgebeutete, sondern eine nutzlose Klasse: Grosse Teile der Gesellschaft würden möglicherweise künftig im wirtschaftlichen Sinn nicht mehr gebraucht.

Daten statt Soldaten

Weiter könnten Zentren, die über ausreichend Computer­kapazitäten, umfassende Daten und biologisches Wissen verfügen, mehr über die verborgenen Wünsche, mentalen Schwächen oder sexuellen Eskapaden von Politikern, Journalisten und Richtern wissen als diese über sich selbst. Mit genügend Daten werde es deshalb unnötig, Soldaten in ein Land zu senden, um es zu kontrollieren, so Harari.

Und es würden Diktaturen drohen, wie wir sie noch nie gesehen haben. Durch ein digitales Band am Arm könnte ein künftiges Nordkorea per Messung der Körperfunktionen feststellen, wer sich über den Führer in Wahrheit ärgert, selbst wenn er oder sie diesem zujubelt.

Harari beruhigt dann insofern, als die von ihm beschriebenen Szenarien kein unentrinnbares Schicksal darstellen würden. Um sie zu verhindern, seien aber eine internationale Zusammenarbeit und globale Regeln nötig. Mit einem Seitenhieb gegen US-Präsident Donald Trump meint er dann, dass es ein Drama sei, dass diese Zusammenarbeit gerade jetzt von grossen Mächten unterminiert werde. Unabhängig davon, was man von seinen Thesen halten mag, ist Hararis Rede eine spannende Unterhaltung, die zum Denken anregt.

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