Ehemaliger Rimuss-Finanzchef richtet Millionenschaden an

Der 58-Jährige muss sich am Mittwoch vor dem Schaffhauser Kantonsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren.

Das Traditionsunternehmen Rimuss ist seit Ende 2017 in den Händen der Bündner Davaz Holding. Bild: rimuss.ch/media

Das Traditionsunternehmen Rimuss ist seit Ende 2017 in den Händen der Bündner Davaz Holding. Bild: rimuss.ch/media

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Beim 58-jährigen Beschuldigten handelt es sich um den früheren Finanzchef der Rimuss -und Weinkellerei Rahm AG, der zugleich Sportchef des Frauenteams des FC Neunkirch war.

Das Kadermitglied soll Firmengelder veruntreut und damit den Fussballclub unterstützt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung, Anstiftung zu Gehilfenschaft und mehrfache Urkundenfälschung vor.

Die Deliktsumme beträgt über zwei Millionen Franken. Dafür soll er mit einer Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren bestraft werden. Die Anklageschrift zeigt den Einfallsreichtum des ex-Kadermitglieds: Er veranlasste, dass Rimuss die Mieten und Krankenkassenprämien der Spielerinnen übernahm. Auch seine eigene Putzfrau buchte er übers Geschäft ab. Sie kostete über die Jahre etwa 25'000 Franken.

Selbstanzeige kurz vor Revision

Der Mann hatte sein Fehlverhalten gegenüber Rimuss selbst gemeldet. Damit kam er seiner Entdeckung knapp zuvor. Denn wenige Tage später wäre eine Revision angestanden, bei der die Tat ohnehin aufgeflogen wäre. Die Firma erstattete Anzeige. Der Finanzchef ist nicht der einzige ehemalige Rimuss-Mitarbeiter, der sich vor Gericht verantworten muss. Beschuldigt ist auch eine ehemalige Arbeitskollegin. Der Staatsanwalt wirft ihr Gehilfenschaft und mehrfache Urkundenfälschung vor.

Die 32-Jährige spielte gemäss Anklageschrift selber in der Frauenmannschaft des FC Neunkirch. Im Sommer 2016 war sie sogar Trainerin der ersten Mannschaft. Für sie fordert die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von 12 Monaten. Beiden Beschuldigten sollen ausserdem die Verfahrenskosten auferlegt werden.

Rimuss fordert 2 Millionen zurück

Für den Hauptbeschuldigten könnte es noch teurer werden: Rimuss fordert rund zwei Millionen Franken zurück. Davon hat der Beschuldigte erst 100'000 Franken zurückgezahlt.

Das Frauenfussball-Team erlitt mit dem Abgang seines Financiers nicht nur einen finanziellen Einbruch. Mitte 2017 zog der FC sein Frauen-Spitzenteam wenige Tage nach dem Gewinn des Meistertitels aus der höchsten Liga zurück. Der Betrieb sei finanziell nicht mehr stemmbar, begründete der Verein damals den Schritt. Im Frauenfussball blieb der Verein nur mit einem Hobby-Team in der 2. Liga vertreten, der vierthöchsten Spielklasse, und bildet inzwischen eine Spielgemeinschaft mit dem FC Thayngen.

Die Rimuss -und Weinkellerei Rahm mit Sitz in Hallau wurde 1945 gegründet und verkauft jährlich rund sechs Millionen Flaschen Wein- und Traubensaftspezialitäten. Seit Dezember 2017 gehört das Unternehmen der Davaz Holding aus Fläsch GR.

Der 2015 verstorbene Firmenpatron Emil Rahm prägte das Unternehmen über Jahrzehnte. Er trat auch als Publizist von ­verschwörungstheoretischen Texten auf. Dafür, dass sein Verlag ein antisemitisches Buch vertrieb, wurde er 1997 verurteilt.

Emil Rahm, aufgenommen am 25. Oktober 1995 in einem Weinberg bei Hallau, Kanton Schaffhausen. Bild: Keystone. (nag/sda)

Erstellt: 05.11.2019, 17:15 Uhr

Artikel zum Thema

Umstrittenes Sponsoring führt zum Verkauf von Rimuss

Eine finanzielle Unterstützung wurde dem Getränkehersteller zum Verhängnis. Mehr...

Wenn der Gönner vielleicht ein Schwindler ist

Die Frauen des Dorfclubs FC Neunkirch stehen an der Spitze der Nationalliga A. Doch jetzt scheint ihre Geldquelle zu versiegen. Mehr...

Rimuss-Produzent ist tot

Der ehemalige Hallauer Verleger, Rechtskonservative und Rimuss-Fabrikant Emil Rahm ist gestorben. Wegen seiner Ansichten stand er oft in der Kritik und beschäftigte auch die Justiz. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Sweet Home Machen wir es uns doch einfach schöner!

Geldblog Zurich unterstreicht Wachstumsambitionen

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...