Ein Abgesang auf die Banken

Das Buch «Das Ende der Banken: Warum wir sie nicht brauchen» hinterfragt das Finanzsystem.

Die Autoren hinter dem Pseudonym Jonathan McMillan zeigen, wie neue Internetangebote Banken ersetzen können. Foto: Burst (Pexels)

Die Autoren hinter dem Pseudonym Jonathan McMillan zeigen, wie neue Internetangebote Banken ersetzen können. Foto: Burst (Pexels)

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Die Botschaft ist klar. Im Buch «Das Ende der Banken: Warum wir sie nicht brauchen» wird nichts weniger vorgeschlagen als ein fundamentaler Umbau des Finanzsystems, wie wir es heute kennen. Das Werk erschien bereits 2014 auf Englisch, nun legen die beiden Autoren eine überarbeitete und übersetzte Version vor.

Hinter dem Pseudonym Jonathan McMillan verbergen sich zwei Autoren. Es handelt sich um NZZ-Wirtschafts­redaktor Jürg Müller und eine zweite Person, die anonym bleiben möchte. Bekannt ist immerhin, dass der zweite Autor mit Müller studiert hat und für eine Bank arbeitet.

In ihrem Buch bezeichnen die beiden Autoren das Bankensystem als überholt. Die Versuche, es seit der Finanzkrise von 2007 zu reformieren, seien gescheitert. Denn die neuen Regeln für Banken seien ein Flickwerk und würden die Risiken des Finanzsystems nicht verkleinern. Die Kritik daran ist grundlegend: Ratingagenturen hätten sich in der Finanzkrise nicht als verlässlich erwiesen, Institute wälzten ihre Risiken an Investoren ab, «Too big to fail»-Banken beherrschen das Finanzsystem und verzerren so den Markt. Das ist alles schlüssig dargestellt, wurde aber andernorts auch schon geschrieben.

Alternativen gibt es bereits

Die Autoren wollen aber auch aufzeigen, wie ein Finanzsystem ohne Banken aussehen könnte. Sie erklären, meist verständlich, wie das heutige Finanzwesen funktioniert und wie es reformiert werden könnte. Ihr Gegenentwurf basiert darauf, dass künftig nur nicht finanzielle Vermögenswerte mit Kredit finanziert werden können. Dazu gehören etwa Immobilien. Alle anderen Vermögenswerte müssen mit Eigenkapital unterlegt sein, das würde das Risiko reduzieren.

Der Vorschlag ist elegant und wird schlüssig präsentiert. Die Kritik am Bankensystem ist fundamental und erinnert an die Vollgeldinitiative. Die Autoren sind aber keine Befürworter des Vorstosses, der im Juni vors Volk kommt. Dieser greife zu kurz. Denn ein Verbot der Geldschöpfung für traditionelle Banken reiche nicht aus.

Das Buch hat seine Stärken dort, wo die Autoren zeigen, wie neue Internetangebote Banken ersetzen können. Durch neue Anbieter im Zahlungsverkehr oder bei der Online-Kreditvergabe würden Endkunden das Ende der Banken kaum bemerken. Aufschlussreich zeigen die Autoren ferner auf, wie eng neue Online-Anbieter aber bereits mit dem klassischen Finanzsystem verbandelt sind. Grosse Kreditplattformen verbriefen die Darlehen ihrer Kunden zu komplexen Wertpapieren und setzen auf Banken als wichtige Geldgeber. Damit haben sich die Newcomer in die bestehende Finanzbranche eingegliedert und ihre Unabhängigkeit verspielt. Ausgeblendet bleibt daher, wieso Kunden überhaupt von den Banken Abstand nehmen sollen, zu denen sie heute eine enge Beziehung haben.

Erstellt: 26.02.2018, 11:04 Uhr

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