Ein Aufpasser der Raiffeisen ist im Ausstand

Franco Taisch fehlt bei den Sitzungen des Verwaltungsrats – seit vier Monaten. Grund ist eine Kontroverse an der Uni Luzern.

Im Clinch mit der Uni Luzern und bei Raiffeisen im Ausstand: Titularprofessor und Unternehmer Franco Taisch. Foto: Thomas Egli

Im Clinch mit der Uni Luzern und bei Raiffeisen im Ausstand: Titularprofessor und Unternehmer Franco Taisch. Foto: Thomas Egli

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Während Ex-Chef Pierin Vincenz nach wie vor in Untersuchungshaft sitzt, muss sich die krisengeschüttelte Raiffeisen-Spitze mit einem weiteren Problem befassen. Es geht um Franco Taisch, Mitglied des elfköpfigen Verwaltungsrats der drittgrössten Schweizer Bank. Der Rechtsanwalt, seit 2008 im Aufsichtsgremium der Raiffeisen, nimmt nicht mehr an dessen Sitzungen teil – er ist seit Mitte November im Ausstand. Das heisst: Er kann auch seine Rolle im Prüf- und Risikoausschuss der Bank nicht ausüben. Ein Raiffeisen-Sprecher bestätigt dies, will aber wegen des laufenden Vincenz-Verfahrens keine weiteren Auskünfte geben.

Hintergrund sind Vorgänge an der Universität Luzern, wo Taisch seit 2009 in einem 50-Prozent-Pensum als ordentlicher Professor für Wirtschaftsrecht arbeitete. Gleichzeitig baute er als Direktor das Institut für Unternehmensrecht auf. Daneben ist der 59-jährige Ex-Julius-Bär-Banker auch Unternehmer; so präsidiert er etwa den Vermögensverwalter Swiss Rock und bietet sich als Leadership- und Governance-Berater unter der Marke «taischconsulting» an.

Uniintern gab es Kritik, Taisch trenne seine Rollen nicht sauber, wie «Inside Paradeplatz» zuerst berichtete. Es ging um Rechnungen, welche die Universität und Taisch sich gegenseitig stellten. Taisch hatte Mandate als privater Experte – die Frage ist, ob er dafür Uniressourcen einsetzte. Der Betroffene bestreitet die Vorwürfe und spricht von «widerlegten Gerüchten».

Experten prüften Geldflüsse

Die Vorwürfe waren schwer genug, dass die Uni externe Spezialisten von PricewaterhouseCoopers einsetzte, um Geldflüsse und Abrechnungen zu durchleuchten. Die Resultate hält die Universität unter Verschluss. Am 9. November 2017 gab man aber intern bekannt, dass sich die Wege von Hochschule und Professor Taisch trennen würden. Ein Unisprecher schreibt heute: «Es hat sich gezeigt, dass es zwischen der Universität und Herrn Taisch unterschiedliche Ansichten in Bezug auf die Entwicklung des Instituts für Unternehmensrecht gibt – es ging um Fragen der Strukturen, Führung und Prozesse. Man entschied sich dann einvernehmlich, Herrn Taischs Anstellung als Professor per Ende Semester aufzulösen.» Das Semester lief Ende Januar 2018 aus.

Weiter deutet die Uni an, dass es Meinungsverschiedenheiten in Geldfragen gab. «Es bestanden unterschiedliche gegenseitige Forderungen. Über diese wurde eine einvernehmliche Lösung erzielt», so der Sprecher.

Wie sah diese Lösung aus? Dazu sagen weder Uni noch Taisch etwas. Klar ist, dass der Professor in der Folge seinen Titel als Ordinarius ablegte. Ganz kappte die Uni die Verbindung zu ihm allerdings nicht, er führt nun den Titel Titularprofessor und hält dieses Semester eine Vorlesung in Finanzmarktrecht.

«Gestreute Gerüchte»

Franco Taisch engagierte nach dem ersten Artikel von «Inside Paradeplatz» einen PR-Berater und einen Anwalt. Zusätzlich liess er die Revisionsfirma BDO ein Gutachten über sein Verhalten erstellen. Diese kam Mitte Januar zum Schluss, dass es keine Hinweise auf pflichtwidriges Verhalten gebe. Taisch selbst sagt, er habe keinerlei Fehler gemacht – im Gegenteil, er habe sein Pensum ohnehin reduzieren und seine Engagements ausserhalb der Uni verstärken wollen.

Taischs Sprecher schreibt: «Aufgrund von gestreuten Gerüchten im Zusammenhang mit meiner geplanten Pensumreduktion an der Universität Luzern bin ich als Verwaltungsrat der Raiffeisen in den Ausstand getreten. Die Gerüchte erwiesen sich alle als haltlos und sind widerlegt.»

Heute, zwei Monate nach dem BDO-Gutachten, befindet sich Taisch allerdings noch immer im Ausstand. «Die Klärung der Situation ist im Gang», schreibt sein Sprecher. Eine Quelle sagt, es gebe seitens der Bank offene Fragen. Für Raiffeisen ist die Angelegenheit tückisch: Im Fall Vincenz lagen Gutachten vor, die bestätigen, dass alles korrekt gelaufen sei. Die Staatsanwaltschaft sah das dann aber ganz anders. Die Bank wird sich nun besondere Mühe geben, um den Vorwurf zu entkräften, sie schaue nicht ganz genau hin – ungeachtet, ob die Vorwürfe gegen Taisch zutreffen.

Seitens der Uni Luzern hat Taischs Abgang weitere Konsequenzen: Die rechtswissenschaftliche Fakultät beschloss im Februar, das Institut für Unternehmensrecht, an dem jeweils ­5 bis 15 Assistierende forschen, per Ende Juli 2018 aufzulösen. Das Institut sei stark mit der Person Taisch verbunden gewesen, heisst es seitens der Uni. Senat und Universitätsrat müssen den Entscheid noch bestätigen.

Erstellt: 17.03.2018, 00:00 Uhr

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