Im Sommer ein Cabrio, im Winter ein SUV

Mit dem Auto-Abo gibt es nun eine Art Flatrate für Fahrzeuge. Die Langzeitmiete ist oft günstiger als ein Leasing – und sie hat einen weiteren Vorteil.

Beratung bei Flatdrive in Langenthal: Wenn Kunden ein Abo lösen, wird ihnen das Auto erklärt.  Foto: Beat Mathys

Beratung bei Flatdrive in Langenthal: Wenn Kunden ein Abo lösen, wird ihnen das Auto erklärt. Foto: Beat Mathys

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Im vergangenen Sommer startete die im Autohandel tätige Amag-Gruppe das Auto-Abonnement unter dem Markennamen Clyde als Versuchsballon. Heute zieht der Innovationsverantwortliche Urs Jaschke bereits eine positive Bilanz: «Die Nachfrage nach Auto-Abonnementen ist hoch – wir werden dieses Geschäft nun weiter ausbauen.» Seit rund zwei Jahren drängen Unternehmen zunehmend mit diesem neuen Geschäftsmodell auf den Markt, das aus den USA stammt und sich von Leasing oder Carsharing unterscheidet (lesen Sie hier, warum die Schweizer ihr Auto nicht gern teilen).

Das Abonnement ist im Grunde eine neue Form von Miete. Während die klassische Fahrzeugmiete für Privatpersonen vor allem auf einzelne Tage oder Wochenenden ausgerichtet ist, gibt es beim Abo eine Mindestmietdauer. Je nach Anbieter kann diese zwischen ein und sechs Monaten liegen. Zudem kann der Kunde bei einem Abo das Fahrzeugmodell wechseln. Das eröffnet Fahrerinnen und Fahrern neuen Spielraum: Für den Sommer kann ein Cabriolet die erste Wahl sein, während im Winter allenfalls ein SUV mit Allradantrieb bevorzugt wird. Einige Anbieter sehen für den Wechsel eine Frist vor, bei anderen ist dies auch sofort möglich.

Ein Auto für jede Jahreszeit

Neben dem Modellwechsel gibt es eine Reihe weiterer Gründe, weshalb Kunden sich anstelle von Kauf oder Leasing für ein Abo entscheiden. «Es gibt Leute, die das Auto für einen Job benötigen, der befristet ist oder womöglich nicht lange dauert», sagt Andreas Gautschi, Geschäftsführer und Inhaber der Garage Gautschi AG in Langenthal, die mit Flatdrive solche Abos anbietet. Wer demnächst einen Auslandaufenthalt plant, kann das Abo auf den gewünschten Zeitpunkt auflösen und muss sich um nichts weiter kümmern. Gautschi berichtet schliesslich vom Vater, der für drei Monate einen handgeschalteten Wagen abonniert hat, um seiner Tochter das Fahren beizubringen.

In vielerlei Hinsicht ähneln sich die Konditionen der Aboanbieter. So sind in der Regel im Abopreis alle Kosten enthalten, ausser jene für Treibstoff. Inbegriffen sind also auch Unterhalt, das Montieren von Winterreifen und sogar die Autobahnvignette, die per Post zugestellt wird.

Oft gibt es preislich abgestufte Pakete für Viel- und Wenigfahrer. Wer die vereinbarte Kilometerzahl überschreitet, zahlt allerdings zusätzlich. Die Fahrzeuge haben eine Vollkaskoversicherung. Bei Unfällen trägt der Nutzer einen Selbstbehalt, der oft bei 1000 Franken liegt. Für Abonnenten stehen meist neue Wagen zur Verfügung, die entsprechend mit modernen Sicherheitssystemen ausgestattet sind. Gautschi sagt beispielsweise, dass die Autos bei Flatdrive nicht mehr als zehn Monate alt seien.

Ob sich ein solches Abo für Privatpersonen lohnt, hängt von der Lebenssituation ab. «Häufig ist ein Abonnement günstiger als ein Leasing, wenn alle Kosten eingerechnet werden», sagt Benjamin Manz vom Vergleichsdienst Moneyland.ch, der die Konditionen mehrerer Anbieter verglichen hat. Ausnahmen sind aber möglich, da die Verträge unterschiedliche Konditionen enthalten. Zudem habe der Nutzer mit einem Abo weniger Aufwand als mit dem Leasing, ergänzt Manz. Und wenn das Geld knapp wird, ist auch der Ausstieg leichter als beim Leasing.

Bei der Wahl des Abos ist es empfehlenswert, mehrere Anbieter zu vergleichen.

Beim Leasing wechselt jedoch das Fahrzeug am Ende den Besitzer, beim Abonnement nicht. Der Käufer des Leasingwagens muss aber einen erheblichen Wertverlust hinnehmen, da er sein Auto nicht mehr zum Neupreis verkaufen kann. Weil das Abonnement unter Berücksichtigung solcher Abschreiber langfristig gerechnet oft günstiger ist, könnte es zur interessanten Alternative zum Leasing werden.

Die Preise von Autoabos dürften weiter sinken. «Der Ausbau ermöglicht uns, die Kosten für die Nutzer zu reduzieren», bestätigt Gautschi. Denn erstens können die Anbieter mit wachsender Grösse die Fixkosten auf mehr Kunden verteilen und erhalten zweitens günstigere Konditionen. Kunden, die ein Fahrzeug über mehrere Jahre nutzen wollen und über genügend flüssige Mittel verfügen, kommen aber mit einem Barkauf immer noch am preisgünstigsten weg. Beim Erwerb eines Gebrauchtwagens kann die Ersparnis sogar noch deutlich höher sein.

Ideal für 6 bis 18 Monate

Bei der Wahl des Abos ist es empfehlenswert, mehrere Anbieter zu vergleichen und folgende Fragen zu prüfen: Fallen zusätzliche Kosten wie eine Eintrittsgebühr oder eine Modellwechselgebühr an? Welche und wie viele Modelle stehen zur Verfügung? Können Garagen in der Nähe des Wohnorts Unterhalt und Reparaturen durchführen? Welche Mindestlaufzeiten müssen eingehalten werden?

Ideal ist das Abonnement für Leute, die das Auto während rund 6 Monaten bis 18 Monaten regelmässig nutzen und den administrativen Aufwand vermeiden wollen. Wer nur gelegentlich ein Fahrzeug braucht, fährt mit einem Carsharing wie Mobility günstiger.

Erstellt: 19.01.2020, 17:34 Uhr

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