Ein Debakel auf der ganzen Linie

Der grösste Schweizer Telecomdeal zwischen Sunrise und UPC ist vom Tisch. Zurück bleiben viele Verlierer – und ein unscheinbarer Kandidat als möglicher UPC-Käufer.

Um das Gesicht zu wahren, die Handbremse gezogen: Sunrise hat die ausserordentliche GV vom 23. Oktober abgesagt – im Bild VR-Präsident Peter Kurer (links) und Firmenchef Olaf Swantee.

Um das Gesicht zu wahren, die Handbremse gezogen: Sunrise hat die ausserordentliche GV vom 23. Oktober abgesagt – im Bild VR-Präsident Peter Kurer (links) und Firmenchef Olaf Swantee. Bild: Keystone

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Was die grösste Übernahme in der Geschichte der Schweizer Telekommunikation hätte werden sollen, ist buchstäblich in letzter Minute geplatzt. Sunrise konnte seine wichtigen Aktionäre nicht davon überzeugen, die Milliardenübernahme des grössten Schweizer Kabelnetzbetreibers UPC mitzutragen.

Um das Gesicht zu wahren, zog das Management der Nummer zwei im hiesigen Telecommarkt konsequenterweise die Handbremse. Es sagte die ausserordentliche Generalversammlung vom 23. Oktober ab, an der die Aktionäre dem Geschäft hätten zustimmen sollen. Damit ist der Deal endgültig vom Tisch, jedenfalls zwischen Sunrise und UPC.

Zurück bleibt ein Scherbenhaufen. Mit einer solchen Desavouierung der Aktionäre kann Sunrise nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Die Idee eines schlagkräftigen Vollanbieters mit Festnetz, Mobilfunk, Internet und Fernsehen in eigenem Besitz – und damit unabhängig vom Zugang aufs Festnetz von Konkurrent Swisscom – lässt sich nicht mehr weiterverfolgen.

Der Verwaltungsrat um Präsident Peter Kurer ist gefordert, auf die neue Ausgangslage zu reagieren. Macht Sunrise weiter wie bisher? Stellt sich das Unternehmen neu auf? Antworten auf diese Fragen zu finden, wird anstrengend werden, denn Kurer ist jetzt angeschlagen. Er hat seine Aktionäre falsch eingeschätzt. Sein Stuhl wackelt.

Und Firmenchef Olaf Swantee hat im Vorfeld seinen Rücktritt angedeutet, sollten die Aktionäre dem Vorhaben nicht folgen. Sein Weggang wäre ein harter Schlag für das Unternehmen. Er hat Sunrise neu aufgestellt und zu einem bissigen Mitbewerber von Swisscom geformt. Die Suche nach einem neuen Firmenchef würde nach dem monatelangen Hickhack um die UPC-Übernahme noch mehr Unruhe in die Firma bringen.

Doch auch für die Konsumenten hat das gescheiterte Geschäft Folgen: Ihnen wird ein schlagkräftiger neuer Anbieter vorenthalten. Eine neue Sunrise hätte den unangefochtenen Marktführer Swisscom erstmals seit der Liberalisierung des Telecommarktes ernsthaft herausfordern können. Geschehen wäre dies aus Nutzersicht auch mit attraktiveren Promotionen und besseren Angeboten.

Ein Verkauf von UPC bleibt weiterhin möglich. Die US-amerikanische Muttergesellschaft des Kabelnetzbetreibers hat klargemacht, dass sie sich von ihrer Schweizer Tochtergesellschaft trennen will. Mit dem Ausstieg von Sunrise schrumpft aber die Zahl möglicher Käufer. Und so richtet sich das Augenmerk auf einen unscheinbaren Kandidaten: Salt. Der drittgrösste Mobilfunkbetreiber der Schweiz hat mit Xavier Niel einen finanzkräftigen Investor aus Frankreich im Rücken.

Erstellt: 22.10.2019, 09:49 Uhr

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