Ein Erdbeben in Japan erreicht die Schweiz

In der Präfektur Kumamoto hat die Erde gebebt und die Produktion von Chips für Digitalkameras empfindlich getroffen. Das spüren jetzt die Schweizer Kunden.

Die Engpässe betreffen nicht nur Sony-Kameras. Der Konzern ist auch ein wichtiger Chip-Zulieferer für andere Kamerahersteller.

Die Engpässe betreffen nicht nur Sony-Kameras. Der Konzern ist auch ein wichtiger Chip-Zulieferer für andere Kamerahersteller. Bild: Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war das stärkste Erdbeben in Japan seit der Katastrophe von Fukushima, das im April dieses Jahres die Insel Kyushu erfasste. 49 Tote waren zu beklagen, und bald zeigte sich, dass das Beben wichtige Bereiche der japanischen Wirtschaft getroffen hatte.

Stark beeinträchtigt vom Erdbeben Mitte April wurde Sony. In der Region Kumamoto unterhält der Elektronikkonzern ein Werk, das auf die Produktion von Bildsensoren für Digitalkameras, von sogenannten CMOS-Chips, spezialisiert ist. Nach dem Beben stand die Produktion über mehrere Wochen still.

Die Folgen sind nun auch in der Schweiz spürbar. «Das Erdbeben Ende April in der Präfektur Kumamoto hat Einfluss auf die Kameraverfügbarkeit genommen», bestätigt Sprecher Daniel Rei vom Onlinehändler Brack.ch. Auch bei Digitec bestätigt man den Sachverhalt: «Der Unterbruch in der Lieferkette wirkt sich sowohl auf die Produktion von verschiedenen aktuellen Modellreihen dieser Hersteller als auch auf die Markteinführung neuer Modelle aus», sagt Sprecher Lino Bugmann.

Nach wie vor nicht die volle Leistung

Der Totalausfall des Sony-Werks dauerte mehr als einen Monat. Danach konnte die Chipherstellung langsam wieder hochgefahren werden. Doch die Produktionsstrassen spucken weiterhin nicht dieselbe Menge Chips aus wie vor dem Beben. Bis das Werk wieder auf die volle Leistung kommen wird, dürfte es Ende August werden.

Die Produktion in anderen Sony-Werken im Süden Japans – darunter eines, das Kamerachips für Smartphones wie etwa das iPhone herstellt – wurde nach dem Erdbeben ebenfalls gestoppt, aber wenige Tage später wieder aufgenommen.

Von der grossen Zäsur im Chipwerk für Digitalkameras ist nicht nur Sony betroffen, sondern diverse andere Kamerahersteller. Denn Sony ist einer der wichtigsten Zulieferbetriebe für Bildsensoren.

Nicht nur Unterhaltungselektronik betroffen

Deshalb spüre man die Engpässe nicht nur bei Kameras von Sony, sondern auch bei Modellen von Nikon, Olympus und Panasonic, wie es bei Brack.ch heisst. Kaum betroffen scheint Canon zu sein, wie Sprecher Rei sagt: «Canon verlässt sich vor allem auf die eigenen Produktionseinrichtungen für Bildsensoren.»

Die Unterhaltungselektronik ist nicht die einzige Branche, die vom Erdbeben stark getroffen wurde. Die Insel Kyushu ist mit 13 Millionen dicht besiedelt und trägt insgesamt rund 10 Prozent zum japanischen Bruttoinlandprodukt (BIP) von 4,1 Billionen US-Dollar bei.

Neben der Elektronikindustrie hat sich auf der Insel auch die Automobilbranche angesiedelt. Das Erdbeben lähmte die Produktion des weltgrössten Autoherstellers Toyota und führte zu Ausfällen bei Honda und Mitsubishi.

Entspannung im vierten Quartal erwartet

Ungewiss bleibt, wann sich die Versorgungslage bei den Digitalkameras wieder normalisieren wird. «Wir gehen davon aus, dass die Liefersituation auch im vierten Quartal angespannt bleibt. Über alle Hersteller hinweg», sagt Digitec-Sprecher Lino Bugmann. Bei Interdiscount heisst es: «Eine Besserung ist ab November 2016 in Sicht. Jedoch rechnen wir erst ab Anfang 2017 wieder mit einer lückenlosen Verfügbarkeit», heisst es bei Interdiscount. Bei Brack.ch erwartet man Besserung in ein bis zwei Monaten. «Eine richtige Entspannung wird für Ende Jahr erwartet. Wir verlassen uns hierbei auf die Aussagen der Hersteller», sagt Sprecher Daniel Rei.

Die Versorgungskrise trifft die Kamerahersteller in einer ohnehin schwierigen Situation. Den Höhepunkt bei den verkauften Stückzahlen erreichten diese Geräte gegen Ende der Nullerjahre: 2010 wurden etwas mehr als 120 Millionen Kameras verkauft.

Seither lässt die Zahl Jahr für Jahr nach – und zwar in immer schnellerem Tempo. Der japanische Finanzdienstleister Nomura wies die 2015 verkaufte Stückzahl mit rund 40 Millionen aus und rechnet mit rund 30 Millionen im laufenden Jahr. Damit wäre das Niveau aus dem Jahr 2003 wieder erreicht. Damals glaubte man noch, dass die Digitalkameras sich im grossen Stil durchsetzen würden. Doch dann kamen die Smartphones.

Erstellt: 15.08.2016, 14:37 Uhr

Artikel zum Thema

Bei Sony gibt es Mittelklasse zum Premium-Preis

Der Kampf um das Geschäft mit den Handys wird immer härter. Das zeigt sich am neuen Smartphone von Sony. Mehr...

41 Menschen sterben bei Doppel-Erdbeben in Japan

Jetzt setzen auch noch heftige Regenfälle auf der betroffenen Insel Kyushu ein - sie könnten weitere Erdrutsche auslösen. Mehr...

Eine Viertelmilliarde Pixel!

Digital kompakt +++ Canon mit einem 250-Megapixel-Sensor +++ Microsoft stellt Lumia-Apps ein +++ Netflix bald mit HDR-Streaming +++ Nächstes iPhone mit «Tiefenberührung» Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Willkommen auf dem E-Bauernhof

Im Jahr 2050 gilt es, 9,8 Milliarden Menschen zu ernähren. Somit muss bis dann die Nahrungsmittelproduktion weltweit um 70 Prozent erhöht werden.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...