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Ein fairer Lohn und flexible Arbeitszeiten

Die UBS wollte von ihren jüngeren Mitarbeitern wissen, was ihnen im Job wichtig ist – und was nicht.

Die UBS geht davon aus, dass in Zukunft Arbeitskräfte fehlen werden. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Die UBS geht davon aus, dass in Zukunft Arbeitskräfte fehlen werden. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Was wollen Millennials im Arbeitsprozess, was ist ihnen wichtig und was nicht? Das wollte die Grossbank UBS wissen und hat daher unter ihnen eine Umfrage durchgeführt. Millennials sind die Geburtsjahrgänge von 1980 bis 2000. Ein anderer Begriff dafür ist Generation Y. Der Anteil dieser Jahrgänge unter den UBS-Beschäftigten beläuft sich gegenwärtig auf rund ein Drittel. Nicht nur die UBS interessiert sich für die Eigenheiten dieser Jahrgänge. Wie Sabine Keller-Busse, die oberste Personalchefin der Grossbank, erklärt, existiert dazu bereits eine umfassende Forschung.

Der Grund dafür liegt in der demografischen Entwicklung: Der Anteil der Millennials an den Beschäftigten insgesamt wird im Jahr 2020 weltweit bereits bei rund 50 Prozent liegen – und er steigt laufend weiter an. «Wir müssen für diese Gruppe attraktiv bleiben, und das bedeutet einen besonderen Effort», sagt Sabine Keller-Busse. Sie spricht damit einen gewaltigen Graben an, der sich auch aufgrund der Pensionierung der sogenannten Babyboomer in den nächsten Jahren auftun werde, zwischen der Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften und dem Angebot. Laut Lukas Gähwiler, ebenfalls von der UBS, aber auch Präsident des Verbandes Arbeitgeber Banken, fehlen allein in der Finanzbranche der Schweiz über die nächsten zehn Jahre 300'000 bis 500'000 Arbeitskräfte. Doch das Problem zeigt sich weltweit, und auch der Kampf der Firmen um die qualifizierten Arbeitskräfte wird international ausgetragen.

700 Antworten

Rund 2800 Mitarbeiter, die zu den Millennials zählen, hat die UBS für die Umfrage kontaktiert. Angefragt wurden Beschäftigte aus der Schweiz und aus allen Weltregionen, und auch aus allen Geschäftsbereichen, in denen die Grossbank tätig ist. Rund 700 haben geantwortet, was einer Rücklaufquote von rund 25 Prozent entspricht. 200 Antworten kamen aus der Schweiz. Bei den Präferenzen der Millennials ergaben sich allerdings kaum Differenzen über die Regionen, die Hierarchie, die Funktionen und die Geschäftsbereiche hinweg.

Am allerwichtigsten ist den Befragten eine faire Bezahlung, die die eigene Leistung angemessen entschädigt. Wobei laut Keller-Busse «der Leistungswille durch das Bedürfnis nach Entwicklungsmöglichkeiten geprägt ist und nicht durch den Lohn per se». Was als faire Bezahlung gilt, sei oft subjektiv und könne sich je nach Person, Geschäftsbereich oder Region unterscheiden, sagt die UBS-Personalchefin. Sie betont aber, dass hier das Empfinden von Fairness wichtiger sei als die absolute Lohnhöhe. Dazu passt, dass bei den Befragten Sondervergünstigungen und Zusatzleistungen durch den Arbeitgeber die geringste Bedeutung in der Prioritätenliste haben: Ein fairer Lohn ist wichtiger, als nach Gutdünken der Chefs Geschenke zu erhalten.

Als Besonderheit der Millennials-Generation nennt Sabine Keller-Busse deren Affinität zu neuen Technologien. Damit können sie deutlich besser, schneller und selbstverständlicher umgehen als die Generationen vor ihnen. Damit verbunden sei für sie auch eine aussergewöhnlich starke Anpassungsfähigkeit, die von einem ausgeprägten Selbstbewusstsein begleitet wird – allerdings auch eine geringere Loyalität zum Unternehmen. Wenn ein Unternehmen die Millennials nicht in ihrer Entwicklung fördert, würden sie sich nach neuen Möglichkeiten ausserhalb umsehen. Die geringere Loyalität drückt sich auch darin aus, dass es den Befragten ziemlich egal ist, ob ihre eigenen Werte und Prinzipien mit denen ihres Arbeitgebers übereinstimmen.

Kaum Interesse an Teilzeitarbeit

Diese Beobachtungen werden durch eine Reihe von Umfrageergebnissen gestützt. Sehr hoch bewertet haben die Befragten etwa die Chance, in einem Job rasch weiterzukommen. Damit ist aber weniger ein hierarchischer Aufstieg gemeint als vielmehr eine Weiterentwicklung im Beruf. Deshalb legen sie auch sehr viel Wert darauf, bei einem einmal gewählten Karrierepfad ermutigt und unterstützt zu werden. Die Anpassungsfähigkeit und Bereitschaft zeigt sich darin, dass an zweiter Stelle in der Prioritätenliste für die Befragten die Möglichkeit steht, ihre Arbeitszeit flexibel gestalten zu können. Nur wenig interessiert sind die Millennials dagegen an Teilzeitarbeit. Das kann allerdings auch daran liegen, dass viele von ihnen noch keine Familie haben.

Furchtlos

Die Hierarchie in einem Unternehmen interessiert die Millennials gemäss der UBS-Umfrage wenig: Eine entsprechend geringe Priorität hat gemäss den Befragungsresultaten die Gelegenheit, mit Personen in der Bank über mehrere Hierarchiestufen hinweg zusammenzuarbeiten. Sehr wichtig ist ihnen aber, dass ihr Vorgesetzter wirksam führt, damit sie ihre eigenen Aufgaben gut erfüllen können. Das passt zur Bedeutung, die die Millennials ihrem eigenen Weiterkommen im Job beimessen.

Sabine Keller-Busse glaubt, dass die Präferenzen der Millennials auch damit zusammenhängen, dass diese Generation weniger Angst hat als ihre Vorgänger. Sie sind in einem Umfeld aufgewachsen, als der Frieden und der Wohlstand für alle einigermassen gesichert galt und der Kalte Krieg vorbei war. Wie allerdings die Resultate der Umfrage konkret interpretiert werden können, dem will man bei der UBS noch genauer nachgehen.

Das macht auch deshalb Sinn, weil schon früheren Generationen rasch Besonderheiten zugesprochen wurden, die aber auch andere Generationen kannten. Jüngere Beschäftigte hatten schon immer den Ruf, ungeduldiger zu sein oder besser mit dem Neuen zurechtzukommen. Und dann ist auch nicht ganz klar, inwieweit scheinbar neue Verhaltensweisen im Berufsalltag tatsächlich auf eine neue Generation zurückgehen – oder ganz einfach auf neue Produktionsformen und technologische Möglichkeiten.

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