Ein gelähmter Riese zerreisst keine Stricke

Der geplante Zusammenschluss von Renault und Fiat-Chrysler ist nur auf dem Papier eine gute Idee.

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«Die beiden Unternehmen passen als zwei führende Anbieter in ihren jeweiligen Märkten hervorragend zusammen» – so kündigte Daimler-Chef Jürgen E. Schrempp 1998 die transatlantische Fusion mit Chrysler an. Das Ergebnis war ein Desaster. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass der Fusionsversuch von Fiat-Chrysler und Renault ebenfalls scheitern wird.

Auf dem Papier sieht der Deal zwar gut aus: Renault kann dank Fiat-Chrysler wieder in den USA Fuss fassen. Und der amerikanisch-italienische Autobauer profitiert von Renaults Know-how bei elektrischen Fahrzeugen. Gemeinsam können sie Investitionen in neue, energiesparende Autos bündeln. So weit die Theorie.

In der Praxis hat der geplante Auto­riese aber gravierende Konstruktionsmängel. Der wichtigste ist: Die Machtfrage ist ungeklärt. Denn der Verwaltungsrat soll jeweils hälftig von Vertretern beider Seiten bestückt werden. Dass eine solche Konstruktion nicht funktioniert, lässt sich in der Schweiz beim Zusammenschluss von Lafarge und Holcim studieren.

Dass eine solche ­Konstruktion nicht funktioniert, zeigt in der Schweiz der ­Zusammenschluss von Lafarge und Holcim.

Erschwerend kommt hinzu, dass bei Renault der französische Staat mit 15 Prozent mit an Bord ist. Schon drängt Italiens Innenminister Matteo Salvini darauf, dass auch Italien beim Autoriesen einsteigen sollte, um Parität in Sachen Staatseinfluss zu sichern. Restrukturierungen werden so zu einem europäischen Politikum.

Und: Beim geplanten Zusammenschluss von Renault und Fiat-Chrysler müssen nicht weniger als vier Kulturen unter einen Hut gebracht werden: Amerikaner, Franzosen, Italiener und Japaner. Daimler und Chrysler scheiterten bereits an zwei Kulturen. Dass zudem nicht klar ist, wie Renaults Allianzpartner Nissan miteingebunden werden soll, ist eine weitere Sollbruchstelle des Projekts.

Sprich: In einer Zeit, in der die ­Branche kaum Zeit hat, sich auf die Post-Verbrennungsmotor-Welt einzustellen, dürfte Renault-Fiat-Chrysler in den nächsten Jahren mit sich selbst beschäftigt sein und als gefesselter Riese in die Zukunft wanken.

Erstellt: 27.05.2019, 21:39 Uhr

Holger Alich, Stellvertretender Leiter Ressort Wirtschaft

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