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Ein gutes Gewissen hat seinen Preis

Der weihnächtliche Geschenkesegen für Kinder rechtfertigt keine menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in China.

MeinungCaroline Freigang
In chinesischen Fabriken werden unter Hochdruck gigantische Mengen von Spielsachen hergestellt. Foto: AFP
In chinesischen Fabriken werden unter Hochdruck gigantische Mengen von Spielsachen hergestellt. Foto: AFP

An den Spielwaren unter unseren Weihnachtsbäumen kleben der Schweiss und das Blut der chinesischen Arbeiterinnen, die diese herstellen. Die Bedingungen werden in vielen Spielzeugfabriken in China Jahr für Jahr schlechter. Frauen leisten bis zur totalen Erschöpfung Überstunden, sie sind giftigen Chemikalien ausgesetzt und werden zu Dutzenden in dreckige Unterkünfte gepfercht.

Dafür erhalten sie einen Hungerlohn, der darüber hinaus auch noch deutlich variiert. Können sie in der Hauptsaison vor Weihnachten mit erheblichen Überstunden noch knapp von ihren Arbeitseinkünften leben, erhalten sie in der Nebensaison nicht einmal die Hälfte von dem, was in China für einen menschenwürdigen Lebensstandard notwendig ist. Wehren können sich die Arbeiterinnen nicht – ein Streikrecht kennt die nominell kommunistische Volksrepublik China nicht, und in den Fabriken fehlt es an Möglichkeiten, Beschwerden vorzubringen.

Diese prekären Zustände deckt ein neuer Bericht von Solidar Suisse auf, der von Gewerkschaften und SP getragenen Entwicklungsorganisation. Nur: Interessieren tun die Ergebnisse niemanden. Weder die Kunden, die jedes Jahr mehr Spielzeug kaufen, noch die Schweizer Händler wie Migros, Coop, Manor und Franz Carl Weber, die die Verantwortung auf die Hersteller abschieben. Oder die Markenhersteller wie Disney, Mattel oder Hasbro, die zwar auf Labels verweisen, gleichzeitig aber immer mehr Druck auf die Fabriken ausüben.

Viele Produzenten lagern Aufträge an Subunternehmer aus, über deren Herstellungsbedingungen nichts bekannt ist.

Um im Interesse chinesischer Arbeiter­innen wirklich etwas zu verändern, müssen alle Beteiligten mehr Verantwortung übernehmen: Kunden, Händler, Hersteller. Letztere müssen ihre Lieferketten besser kontrollieren und sich für Verbesserungen und Standards in den Fabriken einsetzen. Das bedeutet nicht nur, sie zu inspizieren, sondern auch verbindliche Änderungen festzulegen, deren Einhaltung aktiv einzufordern und zu überprüfen. Bei Fabrikbesuchen in den Herstellungsländern wird diesen Labels nämlich oft ein Theater vorgeführt, bemängeln regierungsunabhängige Organisationen.

Wie es den Arbeitern hinter den Kulissen wirklich geht, bleibt im Dunkeln. Hinzu kommt, dass in den sogenannten Audits oft nur offizielle Fabriken überprüft werden. Viele Produzenten lagern Aufträge aber an Subunternehmer aus, über deren Herstellungsbedingungen nichts bekannt ist. Wichtig wäre auch, dass die Fabriken die Arbeit aufs ganze Jahr verteilen würden, um Planbarkeit für die Arbeiterinnen zu gewährleisten und den krassen Einkommensunterschieden zwischen Haupt- und Nebensaison entgegenzuwirken.

Die Markenhersteller müssen zudem bei Verfehlung der Ziele zur Verantwortung gezogen werden. Einen Hebel dafür haben Investoren. Viele Spielzeughersteller wie Mattel oder Disney sind börsenkotierte Unternehmen. Investoren können auf bessere Herstellungsbedingungen bei deren Produkten bestehen oder mit dem Entzug ihrer finanziellen Beteiligung drohen.

Aktionäre und andere Kapitalgeber müssen gleichzeitig aber auch dazu bereit sein, eine geringere Rendite hinzunehmen, wenn dafür die Menschenrechte in der Produktion eingehalten werden und dadurch den Arbeiterinnen und Arbeitern ein Leben in materieller Sicherheit und Würde ermöglicht wird.

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