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Sie stürzte den Chef von Uber

Susan Fowler hat die toxische Kultur von Uber entlarvt. Nun startet sie eine neue Karriere.

Trat eine Lawine los: Susan Fowler, ehemalige Uber-Ingenieurin. Foto: Keystone
Trat eine Lawine los: Susan Fowler, ehemalige Uber-Ingenieurin. Foto: Keystone

Uber-Gründer Travis Kalanick wird sich kaum erträumt haben, wie fundamental Susan Fowler sein Leben verändern würde, als er sie kurz nach ihrem Eintritt ins Unternehmen am internen Weihnachtsfest traf. Die junge Ingenieurin dagegen war in gewisser Weise auf den kommenden Schock vorbereitet. Aufgewachsen im ländlichen Arizona, bildete sie sich weitgehend selbst aus und entwickelte eine stoische, gegen Rückschläge immune Weltsicht. «Scheitern ist keine Option», lautet ihr Motto, das bereits die waghalsige Apollo-13-Mission der Nasa begleitet hatte.

Sie war 24 Jahre alt, als Uber sie ins Silicon Valley holte. Das Team der Ingenieure verfüge über einen 25-prozentigen Frauenanteil, hiess es, es herrsche eine «super frauenfreundliche» Umgebung. Das war im November 2015. Ein gutes Jahr später war der Frauenanteil auf sechs Prozent geschrumpft, und Susan Fowler hatte Uber mit einem Blogtext als chaotisches, sexistisch vergiftetes Unternehmen blossgestellt. Damit brach ein Damm. Mehr und mehr Frauen berichten seither über sexuelle Missbräuche durch Männer in Hollywood, im Silicon Valley und der Politik. Fowler skizzierte eine befremdliche und erschreckende Geschichte und bestach zudem durch einen sachlichen Tonfall. Punkt für Punkt schilderte sie ihre Erfahrungen bei Uber, die zwielichtige Rolle der Vorgesetzten und das Versagen des Verwaltungsrates.

Der Chef wollte Sex

Die Belästigung begann bereits an ihrem ersten Arbeitstag, als ihr Vorgesetzter mehrere Nachrichten schickte und klagte, er führe mit seiner Frau eine offene Beziehung, doch komme er anders als seine Gattin nicht auf seine Rechnung. Die Botschaft war eindeutig: Der Chef forderte Sex.

«Was zur Hölle, das kann doch nicht real sein», dachte sie sich, «wie dumm kann man nur sein?» Sie kopierte die Nachrichten, schickte sie an die Personalabteilung und war sich sicher, dass der Chef zur Rechenschaft gezogen würde. Nicht so: Die Personalabteilung verteidigte ihn als «Top-Leistungsträger» und empfahl ihr zu schweigen, wolle sie kein schlechtes Arbeitszeugnis.

Für Fowler war dies bereits der Anfang vom Ende. In den Monaten danach zeichnete sie alle Übergriffe sorgsam auf und sammelte von anderen Frauen Material, die ebenfalls den Mut zum offenen Protest gefunden hatten. Leiten liess sie sich von einer Weltsicht, die sie aus dem Studium antiker Philosophen gewonnen hatte. «Vieles im Leben kann man nicht kontrollieren», fasst sie zusammen, «deshalb will ich mich darauf konzentrieren, das Beste aus mir selber herauszuholen.»

Fowler glaubt, dass die Wahl von Trump etwas mit dem wachsenden Bewusstsein gegenüber Unterdrückung zu tun hat.

Fowler wuchs als Tochter eins Predigers im ländlich-abgelegenen Arizona und wurde von der Mutter zu Hause geschult. Das meiste aber eignete sie sich selber an, sagt sie, und schaffte mit eisernen Willen ein Ingenieurstudium. Nebenher bezeichnet sie sich als «Hobby-Ameisenforscherin».

Wie viele Frauen in Hollywood ist auch Fowler der Meinung, dass die Wahl von Präsident Trump etwas mit dem wachsenden Bewusstsein gegenüber allen Formen der Unterdrückung zu tun hat. «Als Trump gewonnen hat, fühlte ich mich total ohnmächtig. Mein Gott, dachte ich, niemand ist mehr auf unserer Seite. Wir müssen uns wehren. Nun müssen wir selber die harte Arbeit tun», sagte sie der «New York Times».

«Brillante Deppen»

Bei Uber allerdings hatte sie zunächst kaum Frauen auf ihrer Seite. Die Medienunternehmerin Arianna Huffington war die Einzige im Verwaltungsrat und versicherte ihr, die Kultur «der brillanten Deppen» abstellen zu wollen. Kalanick riet sie, zu meditieren, worauf der Uber-Chef mit einer typischen Provokation reagierte und den für stillende Mütter reservierten Raum für seine Meditationsübungen besetzte. Huffington habe sie enttäuscht, erinnert sich Fowler. Statt das Problem der sexuellen Machtspiele offen anzusprechen, trat Huffington am Fernsehen auf und spielte die Klagen herunter und behauptete, es gebe «kein systematisches Problem» bei Uber, obwohl inzwischen mehr und mehr Frauen Beschwerden eingelegt hatten.

Der Kampf hat somit erst begonnen. Fowler schreibt ihre Memoiren, die den Fall Uber vertiefen und erweitern sollen. Allison Schroeder will dazu das Drehbuch schreiben, nachdem sie mit dem Film «Hidden Figures» bereits erfolgreich die Geschichte der schwarzen Computeringenieurinnen im Dienste der Nasa erzählt hat. «Disrupters» («Zerstörer») soll der Film heissen, ein passendes Wortspiel auf unbeugsame Frauen wie Fowler und das Mantra im Silicon Valley, wonach zerstören besser ist als bewahren. Die Besetzung der Hauptrollen ist aus ihrer Sicht gegeben: Ashton Kutcher, der Kalanick stets in Schutz genommen hat, spielt den Uber-Chef und Emma Stone wäre ideal als Susan Fowler.

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