Eine Verzweiflungstat des Bundesrats

Warum es keinen Sinn ergibt, dass die Post Hypotheken finanziert.

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Die Post steckt in einer Krise: Das Kerngeschäft bricht ein, neue Konkurrenz macht selbst die boomende Paketzustellung weniger rentabel. Die Postfinance zahlt keine Dividende mehr, das Parlament blockiert den Abbau des defizitären Poststellennetzes, und die Chefin ist weg, weil es bei Postauto zum Subventions­betrug kam. Als Reaktion darauf soll die Postfinance noch ­grösser werden und in Zukunft Hypotheken vergeben können.

Das ist nun, mit Verlaub gesagt, einer der unsinnigsten Beschlüsse, die der Bundesrat in den letzten Jahren gefällt hat. Abgesehen davon, dass es mit den Kantonalbanken bereits genügend staatliche Anbieter im Hypothekargeschäft gibt, ist es brandgefährlich, mit einem neuen Anbieter das Hypothekar­geschäft weiter anzuheizen. Bereits jetzt sind wegen der extrem tiefen Hypothekarsätze die Immobilienpreise auf einem Höchststand, schon jetzt drängen mit den Pensionskassen immer mehr Akteure auf den Markt, und schon jetzt sinken die Margen der Banken im Hypothekargeschäft. Dies, weil die alten Hypotheken mit neuen, billigeren Krediten abgelöst werden. Darin sieht die Nationalbank bereits heute grosse Risiken. Und sollten die Zinsen einmal steigen, wird das die Anbieter, die zuletzt ins Geschäft eingestiegen sind, am härtesten treffen.

Nun ist es natürlich legitim, dass der Chef der Postfinance neue Geschäftsfelder sucht. Aber sie ist nun mal kein privates Unternehmen, sondern ein Staatsbetrieb, der in den letzten Jahren schlicht zu stark gewachsen ist. Die Konditionen für Post­konten sind besser als bei den Banken, sowohl was die Gebühren als auch was den Zins angeht. Das ist zwar angenehm, führt aber dazu, dass zu viel Geld zur Postfinance fliesst. Die lässt das Geld zum Teil bei der Nationalbank liegen und muss dafür Negativzinsen zahlen. Um diesen Missstand zu beheben, braucht die Post dringend wieder eine stabile Führung. Der Bundesrat ­sollte sich darum auf seine dringlichste Aufgabe konzentrieren, nämlich die Benennung einer neuen Postchefin oder eines neuen Postchefs. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2018, 21:51 Uhr

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