Einschnitte bei Notenstein

Nach der Übernahme will sich Käuferin Vontobel von bis zu 140 Leuten trennen.

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Vontobel verliert keine Zeit. Anfang der Woche teilte die Privatbank mit, dass der Kauf der Notenstein La Roche von der Raiffeisen-Gruppe formal abgeschlossen sei. Dienstag und Mittwoch wurden die Notenstein-Angestellten bei internen Veranstaltungen in St. Gallen, Zürich und Bern darüber informiert, wie viele ihren Job verlieren werden. «Von 400 Mitarbeitern der Notenstein wird Vontobel bis zu 140 nicht übernehmen können», sagte ein Bank-Sprecher auf Anfrage. Betroffen seien vor allem Mitarbeiter aus Middle- und Backoffice.

Den Betroffenen bietet Vontobel einen Sozialplan an, zudem hat die Bank eine Jobbörse eingerichtet, über die sie sich auf freie Stellen bewerben können, so der Sprecher. Die übrigen 260 Angestellten Notensteins aus allen Bereichen würden übernommen, hiess es. Bis Ende August sollen alle Notenstein-Banker wissen, wie ihre persönliche Zukunft aussieht. Die Bank bekräftigte, dass sie jeden der rund 100 Kundenberater von Notenstein übernehmen wolle. Zudem solle versucht werden, zuvor abgesprungene Berater zurückzuholen, erklärte ein Sprecher.

Raiffeisen hatte Ende Mai die Privatbank Notenstein für 700 Millionen Franken an Vontobel verkauft. Intern war der von Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz eingeschlagene Ausflug ins Private Banking stets mit Skepsis begleitet worden. Tatsächlich erwies sich der Notenstein-Kauf als Flop. Statt zu wachsen, verlor die Bank immer schneller Kundengelder, auch viele Berater gingen von Bord. Raiffeisen-Chef Patrik Gisel räumte ein, dass es nie gelungen war, potente Raiffeisen-Kunden Richtung Notenstein zu vermitteln. Aus Bank-Kreisen heisst es, dass Notenstein insgesamt nur rund 50 Kunden von Raiffeisen vermittelt bekommen habe.

Patrik Gisel bestritt indes gegenüber dieser Zeitung, dass der Notenstein-Verkauf etwas mit der Affäre um den früheren Bank-Chef Vincenz zu tun habe. Intern gibt es aber Stimmen, laut denen Gisel den Verkauf Notenstein lanciert habe, um bei der Delegiertenversammlung Mitte Juni eine Erfolgsmeldung präsentieren zu können. Notenstein-Insider äussern sich zufrieden damit, dass ihre Bank von Vontobel übernommen wird, beide Häuser würden von der Kultur her gut passen. Dank dem Zukauf kann Vontobel im Private Banking einen Schritt nach vorn machen und die verwalteten Vermögen um 30 Prozent auf rund 73 Milliarden Franken ausbauen.

Erstellt: 05.07.2018, 10:25 Uhr

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