Erwerbsquote der Frauen hat Höhepunkt überschritten

Der Anteil erwerbstätiger Frauen wird bis 2045 auf 56,4 Prozent sinken. Obwohl sich die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf verbessern dürfte.

Erwerbsquote sinkt: Die Erwerbsquote der Frauen wird voraussichtlich nicht mehr ansteigen.

Erwerbsquote sinkt: Die Erwerbsquote der Frauen wird voraussichtlich nicht mehr ansteigen. Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Trotz höherer Ausbildung und einfacherer Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat die Erwerbsquote der Frauen den Höhepunkt überschritten. Gemäss Prognosen wird der Anteil erwerbstätiger Frauen über 15 Jahren an der Bevölkerung bis 2045 von heute 62,4 Prozent auf 56,4 Prozent sinken.

Die Wachstumsprognose der Credit Suisse gibt zu denken. Weil neben der rückläufigen Zuwanderung in den nächsten Jahren auch die Generation der Babyboomer in Pension gehe und die Erwerbsquote der Frauen voraussichtlich nicht mehr ansteige, werde die Zahl der Erwerbstätigen und damit die Wirtschaft stagnieren, so die CS.

Dass das Arbeitspotenzial der Männer mit den anstehenden Pensionierungen nicht weiter zunehmen wird, liegt auf der Hand. Doch es heisst immer noch, das Arbeitsmarktpotenzial der Frauen sei noch nicht ausgeschöpft. Tatsächlich liegt zum Beispiel die Erwerbsquote von Frauen mit einem Kind unter 6 Jahren mit 70 Prozent im europäischen Vergleich nur auf Rang 11.

Da sich die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf organisatorisch und finanziell weiter verbessern dürfte, sollte die Erwerbsquote der Frauen mit Kindern aber eigentlich weiter zunehmen.

Weniger Männer arbeiten

In der Tat bestätigen die Prognosen des Bundesamts für Statistik (BFS) eine weitere Abnahme bei der Erwerbsquote der Männer und damit insgesamt. Die Erwerbsquote über 15-jähriger Männer lag 2012 letztmals über 75 Prozent (1972: 85 Prozent). Im zweiten Quartal 2017 betrug sie noch 74,3. Das BFS rechnet bis 2045 mit einem Rückgang auf 65 Prozent – gemäss dem Referenzszenario, das die Entwicklungen der letzten Jahre fortschreibt.

Die Rechnungen der BFS-Statistiker punkto Frauen decken sich auf den ersten Blick auch mit den Erwartungen der Credit Suisse. Die Erwerbsquote der über 15-jährigen Frauen hat sich seit 1980 von 40 Prozent auf heute 62,4 Prozent kontinuierlich erhöht. Im letzten Jahr lag sie erstmals - und womöglich letztmals – über 63 Prozent.

Denn bis 2045 erwartet das BFS eine Verringerung auf 56,4 Prozent. Als Hauptgrund nennt das BFS die Überalterung. Dämpfend auf die Erwerbsquote wirken sich etwa die immer längeren Ausbildungszeiten der 15- bis 24-jährigen aus.

Frauen holen nicht auf

Trotzdem zeigen die BFS-Prognosen spezifisch für die erwerbstätigen Frauen zwischen 15 bis 64 Jahren – also ohne jenen über 65 Jahren –, dass das Rad nicht stillstehen oder zurückdrehen wird, wie die CS befürchten liess.

Denn die Erwerbsquote nur der Frauen zwischen 15 bis 64 Jahren wird bis 2045 um 0,5 Prozentpunkte auf 80,6 Prozent leicht zulegen, wie das BFS schreibt. Bei den gleichaltrigen Männern wird ein Rückgang von 0,9 Prozentpunkte auf 86,9 Prozent erwartet.

Die kleine Erhöhung bei den Frauen ist laut BFS auf ihr steigendes Bildungsniveau zurückzuführen. Weitere Gründe seien Massnahmen für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sowie die Notwendigkeit vieler Frauen zum Haushaltseinkommen beizutragen.

In den bisher erwähnten Erwerbsquoten ist nicht sichtbar, dass die Statistiker davon ausgehen, dass die Frauen ihre Teilzeitpensen die nächsten Jahre erhöhen werden. Die weibliche Erwerbsquote in Vollzeitäquivalenten werde im Gegensatz zur männlichen deutlich zunehmen.

Potenzial liegt bei Ausländern

Trotz zusätzlicher Frauenpower im Arbeitsmarkt bleibt das Inlandpotenzial an Fachkräften weiterhin gering. Deshalb verwundert es nicht, dass das BFS eine deutliche Erhöhung des Ausländeranteils an den Beschäftigten erwartet. Der Ausländeranteil wird sich bis 2045 laut BFS von heute 25 Prozent auf rund 33 Prozent erhöhen. Eine Aufschlüsselung, welcher Teil auf Männer und welcher auf Frauen fällt, macht das BFS nicht. Auf jeden Fall war die letzten 10 Jahre die Erwerbsquote der Ausländerinnen jeweils rund 5 Prozent höher als jene der Schweizerinnen.

Auch im demographisch optimistischsten Szenario, wo die Schweizer sehr fruchtbar sind, die Frauen sich in die Arbeit werfen und sich die Einwanderung beschleunigt, fehlen Arbeitskräfte. Danach werden 2045 auf 100 Beschäftigte zwischen 15 und 64 Jahren 53 Menschen über 65 Jahren kommen. Die letzten Jahre waren es nur 33. (kfi/sda)

Erstellt: 28.09.2017, 12:05 Uhr

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