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Beim Bitcoin-Hype droht das böse Erwachen

Kursfeuerwerk ohne Ende? Vieles deutet darauf hin, dass es zu einem Fiasko kommen kann.

Die virtuelle Währung Bitcoin wird mit Rechenleistung geschürft und ist ein Kind der Finanzkrise. Foto: Paul Ratje (Getty Images)
Die virtuelle Währung Bitcoin wird mit Rechenleistung geschürft und ist ein Kind der Finanzkrise. Foto: Paul Ratje (Getty Images)

Seit Monaten legt der Bitcoin ungebrochen zu. Die Kryptowährung kostet derzeit knapp 10'000 Franken. Um sagenhafte mehr als 800 Prozent verteuerte sich das Onlinegeld in Schweizer Franken gerechnet seit Jahresbeginn. Wer Bitcoin hält, freut sich. Wer nicht dabei ist, der ärgert sich über die verpasste Chance. Beim aktuellen Hype dürfte es so manchem Aussenstehenden in den Fingern jucken. Soll ich jetzt noch einsteigen, oder ist es bereits zu spät? Wer beim Experiment Bitcoin mitmachen will und etwas Spielgeld auf der Seite hat, der kann einen jederzeit verkraftbaren Betrag investieren. Allen anderen ist geraten: Hände weg!

Die verschworene Gemeinde der Bitcoin-Anhänger schwärmt vom Währungssystem der Zukunft, das ohne Notenbank auskommt, fälschungssicher ist und jedem Erdenbürger den Zugang ermöglicht. Trotzdem ist der Kryptowährung nicht zu trauen. Niemand weiss, wie es mit Bitcoin dereinst weiter geht. Die meisten Anleger können nicht mal erklären, wie Bitcoin funktioniert. Das virtuelle Geld wird einzig von der Psychologie ihrer Anhänger getrieben. Einen inneren Wert hat Bitcoin nicht. Man kann ihn weder essen, noch in den Tresor legen oder auf dem Bankkonto lassen, wo hierzulande die Verlustgarantie von 100'000 Franken besteht.

Bitcoin ist ein Kind der Finanzkrise, die vor zehn Jahren ausbrach und das internationale Währungssystem an den Rand des Kollaps brachte. Seither pumpen die Notenbanken auf beiden Seiten des Atlantiks in einem noch nie da gewesenen Ausmass Geld in die Märkte, um die Wirtschaft wieder zum Laufen zu bringen. Viele befürchten, dass dies eines Tages zu einer hohen Inflation führt, sodass die Verschuldung durch Geldentwertung abgebaut wird. Dieses Misstrauen gegenüber den Notenbanken ist der Nährboden des Bitcoin. Auf Basis der neuen Technik «Blockchain» wurde eine virtuelle Währung geschaffen, die ohne Zentralbank auskommt. Wie in einer Demokratie kreieren die Teilnehmer ihr eigenes Geld. Besitz und Weitergabe werden analog einem Kassenbuch auf jedem virtuellen Geldstück festgehalten. Die Vermehrung von Bitcoins ist von Anfang an begrenzt. Die Währung ist somit ein rares Gut wie Gold. So weit die Theorie.

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Tatsache ist aber, dass Bitcoin nicht die Merkmale hat, die Zahlungsmittel ausmachen. Die Kryptowährung taugt nicht zum Tauschen und zur Wertaufbewahrung im Alltag. Zu hoch sind die Schwankungen, und zu gering ist die Akzeptanz. Auch die Stadt Zug, die als Bitcoin-Pionierin das virtuelle Geld für die Zahlung von Dienstleistungen akzeptiert, behält es nicht. Via Finanzdienstleister wird jeder Bitcoin sofort in Franken umgewandelt. Bitcoin ist für Zug nicht mehr als eine heisse Kartoffel: schnell weitergeben. Vertrauen sieht anders aus.

Viele flüchten in den Bitcoin

Der Wert des Bitcoin steigt, weil immer mehr Menschen mit ihm spekulieren. Anfänglich experimentierten ein paar Internetfreaks damit, und es fanden sich schnell Anhänger für illegale Geschäfte im Darknet. Dann stiegen Länder wie China und Russland gross ein. In Venezuela, wo wegen der Hyperinflation das Vertrauen in die eigene Währung weg ist, flüchten viele in den Bitcoin.

Video: Schallmauer durchbrochen

Bitcoin knackte am Dienstag die Marke von 10'000 Dollar. Video: Tamedia/Reuters

Wenn Taxifahrer und Coiffeusen zu spekulieren beginnen, hat ein Hype den Höhepunkt erreicht, sagt eine Börsenweisheit. So weit ist es nicht, doch die Hysterie wird mit jedem Kursgewinn weiter getrieben. Bei der grossen Tulpenblase der 1630er-Jahre in den Niederlanden stiegen die Preise für Tulpenzwiebeln exorbitant. Am Vorabend des Crash im Februar 1637 hatte eine Tulpenzwiebel den Wert eines Stadthauses. Wenig später realisierten alle, dass die Zwiebeln nur so viel Wert hatten, wie ein noch Dümmerer bereit war zu bezahlen.

Gefährliche Dimensionen nimmt die Bitcoin-Manie derzeit an, weil erste Banken beginnen, Fonds und andere Finanzprodukte auf die Kryptowährung herauszugeben. Damit werden die Risiken in Vermögenswerte der Realwirtschaft weitergegeben. Das Resultat solcher Machenschaften erlebte man vor zehn Jahren beim Platzen der US-Hypothekenblase. Die Folge war die schlimmste weltweite Wirtschaftskrise seit der Grossen Depression.

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