Zum Hauptinhalt springen

EU macht dem Handy-Kabelsalat ein Ende

Die EU-Kommission will einheitliche Ladegeräte für Handys vorschreiben. Die Behörde schlägt mehrere Optionen vor. Der iPhone-Hersteller Apple wehrt sich dagegen.

Nicht jeder Stecker passt in jedes Smartphone: Ladestation auf einer Messe in Düsseldorf. Foto: Norbert Schmidt (Imago)
Nicht jeder Stecker passt in jedes Smartphone: Ladestation auf einer Messe in Düsseldorf. Foto: Norbert Schmidt (Imago)

Sie sammeln sich in Schubladen an, und manche werden erst gar nicht aus der Verpackungsbox herausgeholt: Ladegeräte und -kabel für Handys und Tabletrechner. Wer ein neues Mobiltelefon kauft, erhält Ladegerät und Kabel dazu, auch wenn er weiter sein altes Zubehör nutzen könnte.

Ein wichtiger Grund für diese Zwangsbeglückung sind unterschiedliche Standards. Nicht jeder Stecker passt in jedes Smartphone – daher können Hersteller nicht voraussetzen, dass schon die richtigen Kabel vorhanden sind.

Doch dies könnte sich in absehbarer Zeit ändern. Die EU-Kommission will im Spätsommer einen Gesetzesvorschlag für ein einheitliches Ladegerät für Handys und ähnliche Geräte präsentieren. Das verspricht die Brüsseler Behörde in ihrem Arbeitsprogramm.

Apples Extrawurst

Die Kommission gab bereits eine Studie zu den verschiedenen Optionen in Auftrag, unter anderem beim Berliner Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme. Das 211-Seiten-Werk, das kürzlich fertiggestellt wurde, kommt zum Schluss, es gebe «keine eindeutig beste Lösung», alles habe Vor- und Nachteile.

Trotzdem sind klare Favoriten zu erkennen – und die dürften in erster Linie dem kalifornischen iPhone-Hersteller Apple missfallen. Denn am besten schneidet der Vorschlag ab, dass in Europa verkaufte Geräte nur einem Standard beim Handy-Eingang folgen sollten, und zwar USB-C. Den nutzen die meisten höherwertigen Telefone. Apple hingegen verwendet ihn nur für grosse Tablets sowie Laptops und verbaut ansonsten den eigenen Lightning-Standard.

Ein Kompromiss wäre, USB-C vorzuschreiben, doch andere Stecker zu erlauben, wenn der Hersteller Adapter mitliefert. Die Forscher sehen hier aber nur wenig Nutzen und halten es für unwahrscheinlich, dass dies ein lohnender Ansatz sein könnte.

Ziel ist, die Umwelt weniger zu belasten

Ergänzend könnte die EU vorschreiben, dass die Ladegeräte, also die Blöcke, die an der Steckdose hängen, ebenfalls kompatibel mit sämtlichen Handys sein müssen. Allerdings sei das bereits weitgehend erreicht, schreiben die Wissenschaftler. Eine Verschärfung wäre die Forderung, dass Blöcke schnelles Aufladen unterstützen müssen. Diese Option würde aber die Preise erhöhen, warnen die Forscher.

Sie weisen zudem darauf hin, dass die Standardisierung der Kabel und Blöcke allein keinen Elektroschrott vermeiden helfe. Einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz gebe es nur, wenn als Folge der Vereinheitlichung Handys nicht mehr automatisch mit Kabel und Ladegerät verkauft würden, heisst es.

Daneben mahnen die Fachleute, dass Festlegungen auf Standards Innovationen bremsen könnten, weil Konzerne weniger Anreize hätten, an besseren Alternativen zu forschen. Im Zweifel sei es daher günstiger, die Ziele durch freiwillige Vereinbarungen der Industrie zu erreichen als mit Gesetzen.

Freiwillige Vereinbarung brachte keinen Fortschritt

Die Hersteller schlossen solch eine Vereinbarung schon 2009 ab, auf Betreiben der EU-Kommission. Der Pakt lief 2014 aus, und die Gespräche über eine Nachfolgeregelung zwischen Unternehmen und Brüsseler Behörde brachten bislang kein Ergebnis.

Deswegen droht die Kommission nun mit einem Rechtsakt – und wird dabei vom Europaparlament unterstützt, das sich Ende Januar mit breiter Mehrheit für neue Gesetze aussprach. Der Typ von Regulierung, welcher der Kommission vorschwebt, würde automatisch in Kraft treten, wenn nicht die Mehrheit in Parlament und Ministerrat widerspricht. Da Europa ein wichtiger Markt ist und Hersteller ungern unterschiedliche Standards verbauen, könnte das EU-Einheitskabel früher oder später zur weltweiten Norm werden.

Kritiker, etwa Vertreter von Apple, weisen allerdings darauf hin, dass bereits die freiwillige Vereinbarung von 2009 zu deutlichen Verbesserungen geführt habe. Gab es damals mehr als 30 Anschlusstypen, sind es nun drei – neben USB-C und Lightning das Auslaufmodell Micro-USB. Auf der anderen Seite des Kabels, beim Stromblock, finden sich zwei Varianten. Und anders als früher sind Kabel und Block nicht mehr fest verbaut, sondern getrennt. Doch der EU reicht das nicht.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch