Ex-Migros-Manager machen sich für Pilloud-Gegnerin stark

Morgen kommts zum Showdown ums Migros-Präsidium. Im Hintergrund ist der Machtkampf offenbar voll entbrannt.

Dass die bekannte ehemalige SBB-Managerin auf dem Präsidiumsstuhl der Migros Platz nimmt, ist noch keineswegs sicher: Jeannine Pilloud.

Dass die bekannte ehemalige SBB-Managerin auf dem Präsidiumsstuhl der Migros Platz nimmt, ist noch keineswegs sicher: Jeannine Pilloud. Bild: Adrian Moser

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Der vermeintliche Durchmarsch der SBB-Managerin Jeannine Pilloud an die Spitze der Migros-Verwaltung könnte auf den letzten Metern gestoppt werden: Kampfkandidatin Ursula Nold erhält prominente Unterstützung, wie der «Blick» schreibt. Gleich mehrere ehemalige Migros-Chefs stärken demnach Nold vor der morgigen Wahl den Rücken – und arbeiten so öffentlich gegen die Kandidatur von Jeannine Pilloud, der ehemaligen Chefin des Personenverkehrs bei den SBB. Diese war von der Migros als offizielle Kandidatin für die Nachfolge von Andrea Broggini als Präsidentin des Migros-Genossenschafts-Bundes (MGB) nominiert worden. Der Machtkampf in der Migros ist damit voll entbrannt.

Duttis Erbe ist eine Frau

Offenkundig machen sich die früheren Migros-Manager für Nold stark, weil sie ihr zutrauen, das Erbe der Detailhändlerin in die Zukunft zu tragen: Herbert Bolliger (65), der im Dezember 2017 nach zwölf Jahren als Migros-Chef zurückgetreten ist, sagte dem «Blick»: «Ursula Nold ist reif für das Präsidium. Ihre langjährige Erfahrung spricht für sie. Sie kennt das Migros-Imperium à fonds und steht für Duttis Werte ein.»

Dass inzwischen mit harten Bandagen gekämpft wird, zeigt auch die Aussage des ehemaligen Migros-Managers Anton Scherrer. Es tönt auf den ersten Blick lediglich wie ein Kompliment für Nold, wenn der frühere Migros-Chef zitiert wird: «Wer die Migros-Verwaltung erfolgreich führen will, muss kontaktfreudig und überzeugend sein, muss Niederlagen sportlich und mit demokratischem Verständnis nehmen können. Ursula Nold kann das!» Das sagt gleichzeitig, dass Scherrer diese Aufgabe Pilloud wohl nicht in diesem Ausmass zutraut. Scherrer, der die Geschäfte des MGB von 2001 während vier Jahren leitete, lobt Nold demnach: «Sie hat das über Jahre als Präsidentin der Migros-Delegiertenversammlung überzeugend bewiesen.»

Fehlender Stallgeruch als Handicap

Heikel für die von einem Wahlgremium nominierte Pilloud: die angesprochene Rolle von Nold als Präsidentin der Delegiertenversammlung bei der Detailhändlerin, wo sie bestens bekannt ist. Die 111 Delegierten aus den zehn Genossenschaften der Migros treten morgen in Zürich zusammen. «Die Delegierten stimmen ohne Instruktion nach bestem Wissen und Gewissen. Jeder Delegierte hat eine Stimme», heisst es im Wahlreglement.

Für Pilloud könnte sich nun rächen, dass sie als Kandidatin von aussen wenig Stallgeruch hat, wie eine Redewendung bei politischen Kampfabstimmungen zwischen internen und externen Kandidaten lautet. «Bevor ich bei der Migros Pflöcke einschlagen kann, muss ich genau herausfinden, wie das Unternehmen tickt», hatte Pilloud der «NZZ am Sonntag» noch Anfang Februar gesagt und erklärt: «Ich werde nun alles lesen, was mir zur Detailhandelsbranche in die ­Finger kommt. Ich bin ein Migros-Kind und freue mich sehr auf die Aufgabe.»

Gerüchte um Verschiebung der Wahl

Die öffentliche Stellungnahme der ehemaligen Chefs kommt passend zum heutigen Aufeinandertreffen der beiden Frauen: Wie die «SonntagsZeitung» berichtet hatte, stellen sich Pilloud und Nold am Abend in Zürich den Fragen der Delegierten aus der Region. Bereits am Dienstag fand eine solche Aussprache in Olten statt. Verunsicherte Delegierte sollen demnach Druck gemacht haben, weil sie Pilloud als Externe zu wenig einschätzen könnten. Die Einladung von Konkurrentin Nold spreche für die Hartnäckigkeit der Kampfkandidatin. Die von der «SonntagsZeitung» erwartete Nacht der langen Messer dürfte sich damit bewahrheiten.

Die Wahl selbst war wohl doch nicht so eindeutig, wie allgemein angenommen: SBB-Frau Pilloud soll bei der Nominierung nur knapp den Vorzug vor Nold erhalten haben. Diese Situation könnte sich auch bei der morgigen Delegiertenversammlung einstellen: Erreicht bei der Wahl keine Kandidatin das absolute Mehr der anwesenden Stimmen, könnte die Wahl auf Antrag verschoben werden, um neue Personen aufzubauen. Laut «NZZ online» gibt es bereits entsprechende Überlegungen.

Erstellt: 22.03.2019, 13:53 Uhr

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