Tod eines Patriarchen

Ferdinand Piëch brach Berichten zufolge zusammen und starb im Spital von Rosenheim. Er machte VW zu dem Unternehmen, das es heute ist.

Ein Macher vom alten Schlag: Ferdinand Piëch sitzt in einem schnittigen Sportwagen vor der VW-Bilanzkonferenz von 1999 in Wolfsburg. (Keystone/Holger Holllemann/25. März 1999)

Ein Macher vom alten Schlag: Ferdinand Piëch sitzt in einem schnittigen Sportwagen vor der VW-Bilanzkonferenz von 1999 in Wolfsburg. (Keystone/Holger Holllemann/25. März 1999)

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Es gibt Menschen, die sind schon zu Lebzeiten ein Mythos und Ferdinand Piëch, das steht ausser Zweifel, war so ein Mann. Ein Patriarch vom alten Schlag. Machtbewusst und oft zornig, er konnte eitel sein und rachsüchtig – ein Mann, dem es durchaus gefiel, eher gefürchtet als geliebt zu werden.

Der frühere VW-Chef und Miteigentümer Ferdinand Piëch, der diesen Konzern geprägt hat wie kaum ein anderer, ist am Sonntagabend gestorben. Piëch sei in einem Restaurant in Rosenheim kollabiert, die Ärzte im örtlichen Klinikum konnten nichts mehr für ihn tun, berichtet die «Bild»-Zeitung.

Piëch, geboren 1937 in Wien, studierte Maschinenbau und begann seine Karriere bei Porsche, dem Unternehmen, das sein Grossvater Ferdinand Porsche gegründet hatte. Später arbeitete er für Audi. Piëch genoss einen ausgezeichneten Ruf als Ingenieur, den grössten Einfluss aber hatte er als Manager: Zwischen 1993 und 2002 war er Vorstandsvorsitzender bei Volkswagen, er machte das Unternehmen zu dem Imperium, das es heute ist.

Eine Kränkung, die der Patriarch nicht verzeihen konnte

Danach wechselte er in den Aufsichtsrat des Konzerns. In dieser Funktion hatte er entscheidenden Anteil daran, dass Volkswagen nach langer Übernahmeschlacht 2012 Eigentümer von Porsche wurde und nicht umgekehrt. Vielleicht war es sein grösster Triumph. Piech blieb Aufsichtsratschef bis 2015. Dieses Jahr sollte prägend werden für das Unternehmen, im September kam ans Licht, dass Volkswagen Millionen Autos mit manipulierten Dieselmotoren verkauft hatte.

Aber schon Monate zuvor zettelte Piëch einen Machtkampf mit dem damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn an. «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn», liess Piëch damals wissen. Es war ein Satz, der nicht nur wie eine Vernichtung klang, sondern auch so gemeint war. Piëch, immer ein kühler Strippenzieher, sagte ihn in der sicheren Überzeugung, dass Winterkorn diesen Vertrauensentzug nicht überstehen könne. Denn bei Volkwagen, das war bis dahin ein ehernes Gesetz, passierte das, was Ferdinand Piëch wollte.

Doch bei diesem einen Mal kam es anders: In dieser Auseinandersetzung verweigerten auch Teile der Familie Piëch die Gefolgschaft. Winterkorn kam weniger als ein halbes Jahr später wegen des Abgasbetrugs zu Fall, aber zunächst war es Piëch, der seinen Posten räumen musste. Man kann auch aus der Distanz sagen, dass ihn dieser Machtverlust schwer getroffen hat. Es war die maximal mögliche Kränkung – und eine, die der Patriarch nicht verzeihen konnte. Der Kontakt zwischen Piëch und dem Unternehmen kam in den folgenden Jahren vollkommen zum Erliegen. Grosse Teile seiner Aktien verkaufte er an andere Familienmitglieder. Versöhnung? Gab es keine.

Auch sein Privatleben war turbulent: Ferdinand Piëch hatte nach eigenen Angaben dreizehn Kinder aus unterschiedlichen Beziehungen, zwei davon mit Marlene Porsche, die zu Beginn der Liaison noch die Frau seines Cousins war. Seit 1984 war er in dritter Ehe mit Ursula Piëch verheiratet. Piëch wurde 82 Jahre alt und soll nach Angaben der Witwe im engsten Familienkreis beerdigt werden.

Erstellt: 27.08.2019, 08:21 Uhr

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