#Metoo bei EY: Kadermann per sofort freigestellt

Die Beratungsfirma Ernst & Young hat auf Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter wegen sexueller Belästigung reagiert.

Auffällige Aktion: Mit einem Plakat wird der weltweite EY-Chef Mark Weinberg aufgefordert, bei EY Schweiz aufzuräumen. Foto: zvg

Auffällige Aktion: Mit einem Plakat wird der weltweite EY-Chef Mark Weinberg aufgefordert, bei EY Schweiz aufzuräumen. Foto: zvg

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Die Europa-Chefin der Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatung Ernst & Young (EY), Julie Teigland, sprach gestern ein Machtwort. In einem internen Mail teilte sie der Belegschaft in Zürich mit, dass man Vorwürfe über sexuelle Belästigung beim Schweizer Ableger der Firma neu untersuchen wolle. Das Unternehmen nehme die Anschuldigungen extrem ernst und werde unmittelbar Massnahmen ergreifen.

Der Mitarbeiter auf Partnerstufe, der im Zentrum der Anschuldigungen steht, wird per sofort beurlaubt. Nachdem verschiedene Medien, unter anderem auch der «Tages-Anzeiger», über Vorfälle von sexueller Belästigung und Mobbing bei EY Schweiz berichtet haben, ist die Europa-Führung des Beratungsunternehmens nun offenbar zum Handeln entschlossen. 

«Wir haben die Vorwürfe zur Kenntnis genommen, die einen Schweizer Partner und eine ehemalige Mitarbeiterin betreffen – einige dieser Informationen sind neu», teilte EY Schweiz in einer Stellungnahme mit. «Die Person, gegen die die Vorwürfe erhoben werden, wurde bis zum Abschluss unserer Untersuchung beurlaubt.»

Eine Onlinepetition zeigt Wirkung

Im Zentrum der Vorgänge steht ein Mitarbeiter im Führungsteam bei EY in Zürich. In seiner Funktion hat er viel mit jungen Frauen zu tun, dabei soll es zu Belästigungen gekommen sein. Ein Fall aus dem Jahr 2016 ist aktenkundig. Er betraf eine Mitarbeiterin, die sich von ihm bedrängt fühlte und sich wehren wollte. In der Folge begann er ihr zu drohen, sie wurde krank. Am Ende verliess sie die Firma und bekam eine hohe Abfindung. Der Mitarbeiter aus dem Führungsteam bekam zwar einen Verweis für sein Verhalten, wurde aber kurz darauf trotzdem befördert.

EY Schweiz hatte den Fall intern untersuchen lassen, aber keineswegs unabhängig. Europa-Chefin Teigland verspricht nun, die Sache erneut prüfen zu wollen – diesmal von einer externen Firma. Sie kündigte ferner disziplinarische Massnahmen an gegen alle, welche den EY Global Code of Conduct missachtet hätten.

Die Organisation Swissleaks lancierte eine Onlinepetition in dem Fall und hängte am Donnerstag ein Plakat in der Nähe des Sitzes von EY Schweiz auf: Darauf war das Konterfei des weltweiten EY-Chefs Mark Weinberger zu sehen nebst Aufschrift: «Mark, clean up EY Switzerland now!». «Wir begrüssen, dass Frau Teigland gehandelt hat, auch wenn es sehr spät ist», sagte nun Andreas Freimüller von Swissleaks.

Einer nach dem Anderen

Die Aufarbeitung von Vorwürfen über unangemessenes Verhalten in der Wirtschaftsprüfer-Szene hat auch in Grossbritannien an Fahrt gewonnen. Dort hat David Sproul, Chef von De­loitte, gegenüber der «Financial Times» erklärt, dass er deswegen in den vergangenen vier Jahren zwanzig Partner entlassen habe. EY Grossbritannien teilte mit, dass wegen solcher Vorfälle fünf Partner in den letzten vier Jahren die Firma verlassen hätten. PWC berichtete von fünf Partnern in den letzten drei Jahren und KPMG von sieben Partnern in vier Jahren, die gehen mussten.

Erstellt: 14.12.2018, 22:17 Uhr

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